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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Caminha; Camisards; Camisia; Cammeo; Camocim; Camoëns

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Caminha - Camoens.

tols den Abzug der Gallier erkaufen wollte, nahm den Galliern die Beute ab und vertrieb sie aus Rom. Ein großes Verdienst erwarb sich C. dadurch, daß er sich der von den Plebejern beabsichtigten Übersiedelung aus dem zerstörten Rom nach Veji aufs nachdrücklichste widersetzte und dadurch wesentlich dazu beitrug, daß die Stadt auf der alten Stelle wieder aufgebaut wurde. In den folgenden Jahren kämpfte er noch mehrfach siegreich gegen die Gallier wie gegen Äquer, Volsker und Etrusker. Obwohl wenig volksfreundlich gesinnt, erkannte er doch später die Notwendigkeit, den Plebejern mehr Rechte einzuräumen; daher vermittelte er 367 die Annahme der Licinischen Gesetze (s. d.). Er starb 365 v. Chr.

Caminha (spr. kaminja), befestigter Hafenort der portug. Provinz Minho, Distrikt Vianna, an der Mündung des Minho und der Eisenbahn Oporto-Valenca gelegen, mit (1878) 3130 Einw.

Camisards (franz., spr. -sär), s. Kamisarden.

Camisia (mittellat.), Hemd, insbesondere das weiße Chorhemd (s. d.) der katholischen Geistlichen.

Cammeo (ital.), s. Kamee.

Camocim (spr. -ssim), Hafenstadt der brasil. Provinz Ceara, an der Mündung des Curiahú, durch Eisenbahn mit Granja und Sobral verbunden.

Camoëns (spr. kámuinsch), Luiz de, der größte und berühmteste Dichter der Portugiesen, war zu Lissabon (nach andern zu Coimbra oder Santarem) aus einer ursprünglich aus Spanien stammenden und hochangesehener aber verarmten Familie 1524 geboren. Sein Vater, ein portugiesischer Schiffskapitän, verlor im Schiffbruch Leben und Vermögen; gleichwohl sorgte die Mutter, Donna Anna de Sa, aus Santarem gebürtig, sorgfältig für die Erziehung des Sohns und ermöglichte ihm auch den Besuch der damals neuerrichteten Universität Coimbra, wo er vorzugsweise klassische Studien sowie Philosophie und Geschichte trieb, sich aber auch bereits seinem dichterischen Drang überließ. Nach beendigten Studien nach Lissabon zurückgekehrt, machte er sich am königlichen Hof durch seine männlich-schöne Erscheinung wie durch sein Talent und sein jugendlich-feuriges Wesen gleich sehr bemerklich, erregte aber durch ein Liebesverhältnis mit der Palastdame Catharina de Atayde den Zorn des Königs in dem Grade, daß ihn dieser vom Hofe verbannte. C. begab sich nach Santarem zu seinen mütterlichen Verwandten, suchte in ernsten Studien Trost für seinen Liebesschmerz, der in mehreren herrlichen Elegien (namentlich der dritten) ausströmte, und entwarf schon hier den Plan zu seinem großen Epos, den "Lusiaden". In einem Feldzug gegen Marokko, den er als Freiwilliger mitmachte, erwarb er sich den höchsten Ruhm der Tapferkeit, trug aber zugleich eine schwere Wunde davon und verlor im Seegefecht von Ceuta durch eine Büchsenkugel das rechte Auge. Er mußte daher längere Zeit in Afrika verweilen und benutzte die unfreiwillige Muße zu rüstiger Fortsetzung seines Heldengedichts; auch entstanden in jenen Tagen, "wo die eine Hand das Schwert, die andre die Leier führte", mehrere seiner schönsten Sonette. Sein militärischer Ruf hatte den Hof vermocht, die Verbannung aufzuheben. C. eilte nach Lissabon zurück voll froher Erwartung, sich nun eine seinen Talenten und Kenntnissen entsprechende Laufbahn eröffnen zu können; allein seine Hoffnung wurde durch die Intrigen eifersüchtiger hochgestellter Adligen vereitelt, und unmutig faßte er den Entschluß, seinem Vaterland den Rücken zu wenden. Er teilte denselben einem Freund mit den Worten der Grabschrift des Scipio Africanus mit: "Ingrata patria, non possidebis ossa mea" ("Undankbares Vaterland, du sollst meine Gebeine nicht besitzen"), schiffte sich 1553 nach Ostindien ein und landete im September d. J. in Goa, dem Mittelpunkt der indischen Besitzung der Portugiesen. Da er auch hier kein Amt fand, nahm er von neuem Kriegsdienste und machte verschiedene Expeditionen zu Wasser und zu Lande mit, so namentlich 1555 einen Zug gegen die maurischen Seeräuber auf dem Roten Meer, welche den portugiesischen Handel beeinträchtigten. Das Winterquartier auf der Insel Ormus benutzte er zur Fortsetzung seiner "Lusiaden", besuchte den Felixberg und die umliegenden öden afrikanischen Gegenden, von denen er dann in seinem Gedicht ein so ausgezeichnetes Bild entwarf, und richtete von dieser Einsamkeit aus rührende Klageworte an die ferne Geliebte. Nach Goa zurückgekehrt, schienen sich endlich die Verhältnisse für ihn freundlicher zu gestalten; allein seine rücksichtslose Wahrheitsliebe stürzte ihn in neues Elend. Die Mängel und Erbärmlichkeiten der portugiesischen Verwaltung Judiens reizten ihn zu einem satirischen Gedicht, dessen Veröffentlichung den Vizekönig Dom Francisco Barreto dermaßen erzürnte, daß er den Dichter verhaften ließ und im folgenden Jahr (1556) nach Macao an der chinesischen Küste verbannte, wo derselbe, einen untergeordneten Posten bekleidend, fünf Jahre lang verweilte. Hier vollendete C. sein großes Epos, und noch heute zeigt man dort die "Camoensgrotte", einen hoch gelegenen reizenden Punkt mit herrlicher Aussicht über Land und Meer, wo der Dichter, wie die Sage geht, sein Werk niedergeschrieben. Inzwischen hatte in Goa ein neuer Vizekönig, Dom Constantino de Braganza, die Verwaltung übernommen und gestattete C., den Ort seiner Verbannung zu verlassen. Freudig ergriff dieser die Gelegenheit, allein das Schiff, das ihn zurücktragen sollte, scheiterte unterwegs an der Mündung des Mekhongflusses, und nur mit Mühe rettete der Dichter sich und seinen größten Schatz, sein Gedicht; alles übrige ward ein Raub der Wellen. Als das Schiff sank, hatte sich C. in die Wellen gestürzt, und mit der Rechten rüstig dem Ufer zurudernd, hielt er mit der Linken die Handschrift des Gedichts hoch über die Wogen empor. Die Eingebornen empfingen ihn freundlich und erzeigten ihm große Gastfreundschaft. Diese Szenen seiner Lebenstragödie schildert C. im zehnten Gesang der "Lusiaden", die er zum Teil hier geschrieben hat. Auch sollen hier die berühmten "Quintilhas" entstanden sein, eine Paraphrase auf den 137. Psalm, in welchem die Juden ihre Harfen an den Weiden an Babylons Bächen aufhängen und über die Verbannung vom Lande der Heimat weinen. C. verweilte hier, bis sich eine Gelegenheit fand, die ihn 1561 nach Goa zurückbrachte. Der Vizekönig schloß mit C., der ihn in den schönen Stanzen, welche in seinen Gedichten unter der Aufschrift "Epistola III." aufbewahrt sind, begrüßte, ein Verhältnis inniger Freundschaft. Als aber im Oktober 1561 Dom Francisco Contucho, Graf von Redondo, Vizekönig wurde, erhoben sich des Dichters alte Gegner von neuem gegen ihn, so daß selbst der neue Vizekönig, der anfangs C. freundlich zugethan schien, in die Verhaftung desselben willigen mußte. Er wurde beschuldigt, während seiner Amtsführung in Macao Veruntreuungen begangen zu haben. Zwar rechtfertigte er sich glänzend und warf die ganze Schmach der Anklage auf seine Gegner zurück, aber eben, als man ihm die Gefängnisthür öffnen wollte, trat ihm ein Gläubiger entgegen und brachte den Dichter in

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