Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cap Haïti, Le; Cape May; Cape Race; Cape Town; Capellen; Capellini; Capello; Capern; Capet; Capicha; Capio

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Capellen - Capio.

Capellen, 1) Theodorus Frederik, Baron van, holländ. Seeoffizier, geb. 6. Sept. 1762 zu Nimwegen, trat 1772 in den holländischen Seedienst und wurde 1783 Kapitän. 1792 und 1793 befehligte er mehrere Kanonenboote und verteidigte das Hollandsche Diep gegen die Franzosen. 1799 ging er mit einem Teil seiner Schiffe zu den Engländern über, wofür er in contumaciam zum Tod verurteilt ward. Nach der Rückkehr des Prinzen von Oranien 1813 kehrte auch er nach Holland zurück, wurde Vizeadmiral und erhielt den Auftrag, die holländischen Kolonien in Ostindien von den Engländern zu übernehmen. Als von seiten Algiers die niederländische Flagge beleidigt worden war, wurde C. zum Admiral der niederländischen Flotte im Mittelländischen Meer ernannt, unternahm im Juni 1816 eine Rekognoszierung des algierischen Hafens und vereinigte sich im August mit der englischen Flotte unter Lord Exmouth. An dem Brand von Algier, der Verbrennung der algierischen Flotte und der Befreiung der christlichen Gefangenen hatte C. vorzüglichen Anteil. Er starb als Hofmarschall des Prinzen und der Prinzessin von Oranien 15. April 1824 in Brüssel.

2) Godrad Alexander Gerard Philipp, Baron van, holländ. Staatsmann, geb. 15. Dez. 1778, ward im J. 1808 Präfekt zu Friesland u. bald darauf Minister des Innern und Staatsrat. Auf seinen Rat dankte König Ludwig Napoleon 1810 zu gunsten seines ältesten Sohns ab. Unter Napoleon I. nahm C. keine Dienste. Wilhelm I., König der Niederlande, ernannte ihn zum Kolonialminister und sandte ihn bei der Vereinigung Belgiens mit Holland als außerordentlichen Staatssekretär nach Brüssel, um die Gemüter der neuen Regierung geneigt zu machen. 1815 ward C. Generalgouverneur in Batavia, wo er aber mit Aufruhr der Eingebornen, Geldmangel und fehlgeschlagenen Spekulationen zu kämpfen hatte. Deshalb 1825 zurückberufen, ward er 1828 zum Präsidenten des Kuratoriums der Universität Utrecht ernannt, ging 1838 als außerordentlicher Gesandter zur Krönung der Königin Viktoria nach London und wurde dann Oberkammerherr des Königs Wilhelm II. Er starb 10. April 1848.

Capellini, Giovanni, Geolog und Paläontolog, geb. 23. Aug. 1833 zu Spezia, studierte seit 1855 in Pisa Naturwissenschaften, machte 1859 eine größere Reise ins Ausland, wurde 1860 Professor in Genua und später in Bologna. Schon damals wies er auf die Wichtigkeit der prähistorischen Forschungen hin, welche Geschichte und Archäologie mit der Geologie und Paläontologie in Einklang bringen sollten. Unter allen Geologen Italiens bekannte er sich allein als Evolutionist. In Bologna gründete er ein geologisches Museum; 1865 war er Präsident der italienischen Naturforscherversammlung in Spezia und rief als solcher die internationalen Kongresse für Anthropologie und prähistorische Archäologie ins Leben.

Capello (Cappello), Bianca, Venezianern aus angesehener Familie, geboren um 1548, knüpfte mit einem Florentiner, Pietro Bonaventuri, ein Liebesverhältnis an und floh mit ihm 1563 nach Florenz. Bonaventuri begab sich hier in den Schutz des Erbprinzen und Regenten Francesco von Medici und legte dessen heftiger Liebe zu Bianca, die nun seine Gattin geworden, kein Hindernis in den Weg. Francesco hielt, da eben seine Vermählung mit der Erzherzogin Johanna von Österreich bevorstand, sein Einverständnis mit Bianca geheim, mietete aber dieselbe, nachdem seine Vermählung mit Johanna 1565 stattgefunden, in der Nähe des Palastes Pitti ein und trat, nachdem Bonaventuri 1570 ermordet worden, in noch innigere Beziehungen zu ihr. Die Buhlerin wußte Francesco durch alle möglichen Künste zu fesseln, und sein Entzücken stieg aufs höchste, als sie ihm, der mit der Erzherzogin nur Töchter hatte, ein untergeschobenes Knäblein als ihr Kind darbrachte. Aber obwohl Bianca alle Mitwisser des Geheimnisses, wie das Volk glaubte, hinrichten ließ, blieb es doch nicht gewahrt. Die Großherzogin gebar zwar 1577 auch einen Sohn, starb aber 11. April 1578, worauf Bianca es durchzusetzen wußte, daß sie 5. Juni mit dem Großherzog heimlich getraut ward. Bianca nahm als Gouvernante der Prinzessinnen in der Residenz Wohnung. Schon 1579 entschloß sich Francesco zur Veröffentlichung der Heirat, nachdem König Philipp von Spanien seine Zustimmung gegeben und die Republik Venedig Bianca, wie einst Caterina Cornaro, zur Tochter von San Marco erklärt hatte. Am 12. Okt. 1579 fand die feierliche Vermählung statt. Bianca übte seitdem auf ihren Gemahl, dem sie geneigt und treu blieb, einen großen Einfluß aus. Da sie ihren untergeschobenen Sohn nicht zur Thronfolge bringen konnte und sich vom Volk gehaßt sah, so wünschte sie zur Sicherung ihrer Zukunft sich und ihren Gemahl mit dem Kardinal Ferdinand von Medici als dem nächsten Thronerben auszusöhnen und veranstaltete daher 1587 auf dem Lustschloß Poggio a Cajano eine Zusammenkunft. Nach wenigen Tagen erkrankten hier der Großherzog und seine Gemahlin plötzlich und starben 19., bez. 20. Okt. 1587. Ferdinand wurde beschuldigt, beide vergiftet zu haben, doch ohne Grund, da Francesco wie Bianca durch Arzneien und Diätfehler ihre Gesundheit untergraben hatten und daher von einem Fieberanfall rasch hinweggerafft wurden. Die Geschichte Biancas, wiederholt romantisch behandelt, ist in neuester Zeit urkundlich festgestellt worden. Vgl. Saltini, Della morte di Francesco de' Medici e di Bianca C. (Flor. 1863).

Cape May (spr. kehp meh), Badeort im nordamerikan. Staat New Jersey, beim gleichnamigen Kap an der Mündung der Delawarebai, mit (1880) 1699 Einw.

Cape Race (spr. kehp rehs), s. Avalon.

Capern, Edward, engl. Volksdichter, geb. 29. Jan. 1819 zu Tiverton (Devonshire), war viele Jahre Landbriefträger zu Bideford in Devonshire (daher the rural postman of Bideford genannt) und errang sich durch seine 1856 von Savage Landor eingeführten "Poems" (3. Aufl. 1873) nicht nur einen guten Ruf in der schönen Litteratur Englands, sondern auch einen jährlichen Ehrengehalt von 60 Pfd. Sterl. Seine "Poems" wie die später erschienenen "Ballads and songs" (1858) zeichnen sich durch frischen und warmen Ton des Gefühls und leichten, oft schwungvollen Versbau aus. Noch gefeilter in der Form erscheinen seine "Wayside warbles" (1865, 2. Aufl. 1870) und "Sungleams and shadows" (1881). Eine Sammlung seiner Lieder, teilweise mit eigner Musik, enthält sein "Devonshire melodist". C. lebt gegenwärtig in Harbourne bei Birmingham.

Capet, s. Hugo Capet und Kapetinger.

Cape Town (spr. kehp taun), s. Kapstadt.

Cap Haïti, Le (Cap Français), alte Hauptstadt der Insel Haïti, früher seines Luxus halber als Klein-Paris bekannt und auch jetzt noch der wichtigste Handelsplatz an der Nordküste, mit 12,000 Einw. Die Ausfuhr (1881 im Wert von 1,610,000 Piaster) besteht vornehmlich aus Blauholz und Kaffee.

Capicha, pers. Getreidemaß, s. Artaba.

Capio (lat.), das Nehmen; C. longa possessione, das Nehmen durch langen Besitz, Ersitzung,

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