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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Castigatio; Castiglione; Castilho; Castilla

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Castigatio - Castilla.

"Opere varie" (unter dem Druckort Paris 1821, 6 Bde.) und als "Poesie lirico-dramatiche" (Lond. 1829).

Castigatio (lat.), Züchtigung; c. paterna, die dem Vater zustehende Strafgewalt.

Castiglione (spr. -stiljone), 1) (C. delle Stiviere) Distriktshauptort in der ital. Provinz Mantua, 30 km nordwestlich von der Stadt Mantua, mit Schloß und (1881) 3123 Einw., war sonst der befestigte Hauptort eines kleinen Fürstentums und gehörte zum Herzogtum Mantua. Später wurde es Residenz der jüngsten Linie des Hauses Gonzaga. 1702 eroberten es die Österreicher, und 1773 kam es an die habsburgische Dynastie. Bei C. 9. Sept. 1706 Sieg des französischen Generals Grafen Medavi über die Österreicher unter dem Prinzen von Hessen und 5. Aug. 1796 Sieg Bonapartes über die Österreicher unter Wurmser. Der Marschall Augereau erhielt von der Schlacht den Titel eines Herzogs von C. - 2) (C. di Sicilia) Stadt in der ital. Provinz Catania, Kreis Acireale, am Alcantara, nördlich vom Ätna, hat ein altes, in Felsen gehauenes Kastell, Weizen-, Wein-, Oliven-, Haselnuß- und Seidenkultur und (1881) 8114 Einw. - 3) (C. Fiorentino) Ortschaft in der ital. Provinz Arezzo, am östlichen Rande der Chianaebene und an der Eisenbahn Arezzo-Rom, von Ringmauern umgeben, hat eine Hauptkirche, San Giuliano, mit Altarbild von Gatta, eine Kollegiatkirche mit altsienesischem Bild von Segna und eine Cappella del Sacramento mit einer Kreuzabnahme von Luca Signorelli, Tuchfabrikation und (1881) 1984 Einw.

Castiglione (spr. -stiljone), 1) Baldassare, Graf von, ital. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 6. Dez. 1478 zu Casatico im Mantuanischen, studierte zu Mailand, schloß sich nach Luigi Sforzas, Herzogs von Mailand, Sturz an den Markgrafen Gonzaga von Mantua an und ging 1505 im Auftrag des Herzogs Guidobaldo di Montefeltro von Urbino an den Hof Heinrichs VII. von England und 1506 an den Ludwigs XII. von Frankreich. Den Nachfolger Guidobaldos, Francesco Maria della Rovere, begleitete er auf seinen Feldzügen gegen die Franzosen und erhielt 1513 den Grafentitel. Er hielt sich dann in Rom am Hof Leos X. auf, wo er für Francescos Nachfolger Federigo wirkte, und von wo er später vom Papst Clemens VII. in wichtigen Angelegenheiten an Karl V. nach Spanien gesandt wurde. Wiewohl C. hier das Interesse seines Herrn zu wahren suchte, so traf ihn doch seit der Plünderung Roms 1527 dessen Ungunst. Dafür überhäufte ihn Karl V. mit seinen Gunstbezeigungen und gab ihm das reiche Bistum Avila. Er starb 2. Febr. 1529 in Toledo. Sein berühmtestes Werk ist sein "Libro del cortegiano", eine in Gesprächsform abgefaßte Darstellung des Ideals eines Hofmannes (Vened. 1528), ein Meisterwerk eleganter und zierlicher Prosa. Castigliones "Lettere" (Padua 1769-71, 2 Bde.) geben Aufschluß über politische Ereignisse, bei denen er thätig war.

2) Giovanni Benedetto, genannt il Grechetto, ital. Maler und Kupferätzer, geb. 1616 zu Genua, Schüler Paggis, G. Andrea de Ferraris und van Dycks, bildete sich noch in Rom, Florenz, Parma und Venedig und trat sodann in die Dienste des Herzogs Karl I. zu Mantua. Er starb daselbst 1670. C. hat namentlich seinen Ruf durch seine Tierdarstellungen erlangt; die historischen und biblischen Vorwürfe pflegen meist nur den Namen für seine Bilder herzugeben, während das Vieh und die Landschaft die Hauptrolle spielen. Er behandelte seine Darstellungen in etwas einförmiger Weise, seine Gestalten pflegen ziemlich konventionell zu sein; auch ist seine Farbe zu bunt. Sehr bekannt ist C. auch als Radierer, als welcher er Rembrandt nachzuahmen suchte; aber auch hier kam er trotz einer leichten, wenn auch etwas kleinlichen Nadelführung nicht über eine konventionelle Auffassung hinaus. Man zählt über 70 solcher Blätter. 1786 erschien zu Venedig eine Folge von zwölf nach Castigliones Zeichnungen von G. Zompini geätzten Blättern: Varii capricci e paesi ecc. disegnati dal celebre G. B. C., tratti dalla raccolta Zanettiana.

3) Carlo Ottavio, Graf, ital. Sprachforscher, geb. 1784 zu Mailand, lieferte wertvolle Beiträge zur orientalischen Münzkunde und Altertumsforschung in seinen Schriften: "Monete cufiche del museo di Milano" (Mail. 1819); "Mémoire géographique et numismatique sur la partie orientale de la Barbarie" (das. 1826) u. a. Am bekanntesten in Deutschland ist C. jedoch durch die Herausgabe von Bruchstücken der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas geworden, welche Mai unter den Palimpsesten der Ambrosianischen Bibliothek 1817 entdeckt hatte. Zugleich mit Mai veröffentlichte er in "Ulphilae partium ineditarum Ambrosianis palimpsestis repertarum editio" (Mail. 1819) Proben von Teilen des Alten Testaments (Esra und Nehemia), von einigen Paulinischen Briefen sowie das Fragment eines gotischen Kalenders und einer Homilie, sodann allein fernere Bruchstücke der Briefe des Paulus (Mail. 1829, 1834, 1835, 1839). Er starb 10. April 1849 in Genua. Sein Leben hat Biondelli (Mail. 1856) beschrieben.

Castilho (spr. -illju), Antonio Feliciano, portug. Dichter, geb. 26. Jan. 1800 zu Lissabon, erblindete im 6. Jahr infolge der Blattern fast gänzlich, studierte trotzdem in Coimbra Rechtswissenschaft, mit noch größerm Eifer aber Naturkunde und schöne Litteratur und machte sich gleich mit seiner ersten Dichtung: "Cartas de Echo e Narcisso", die er noch als Student veröffentlichte, einen gefeierten Namen. Ein Amt, das ihm König Johann VI. zur Belohnung seines wissenschaftlichen Eifers verliehen hatte, wurde später aufgehoben; unter Dom Miguels Herrschaft mußte er flüchten. Nach längerm Aufenthalt auf den Azoren kehrte er endlich nach Lissabon zurück, ward daselbst Mitglied der Akademie der Wissenschaften sowie Generalkommissar des Volksunterrichts und starb in Lissabon, zum Vicomte erhoben, 18. Juni 1875. Von Originaldichtungen erschienen noch: "A Primavera" (Gedichtsammlung, 2. Aufl., Lissab. 1837); "Amor e Melancolia, ou a novissima Heloisa" (Coimbra 1828); "A noite de castello", Erzählung in Versen (Lissab. 1838); "Excavações poeticas" (das. 1844); "Mil e um mysterios" (das. 1845); "Camões" (das. 1849) und als letzte Gedichtsammlung "O Outono" (das. 1865). Castilhos Poesien zeichnen sich durch elegischen Wohllaut, Gefühlsinnigkeit und besonders zartsinnige Naturschilderungen aus. Auch als Übersetzer, z. B. der "Metamorphosen" (1841) und "Fasten" (1859) des Ovid, der "Georgica" des Vergil (1865), war er thätig. Seine Biographie veröffentlichte sein Sohn Julio de C. ("Memorias de C.", Lissab. 1881). Vgl. auch Braga, Historia do romantismo em Portugal (Lissab. 1880).

Castilla (spr. -illja), Don Ramon, peruan. Staatsmann, geb. 31. Aug. 1797 zu Javapaca im südlichen Peru, ein Mestize, zeichnete sich im Befreiungskampf gegen Spanien aus, beteiligte sich dann als General vielfach an den innern Parteikämpfen, kommandierte in der Schlacht bei Yungay (20. Jan. 1839) die Reiterei und wurde hierauf Finanzminister. Nachdem er 1841-44 im Exil gelebt, stürzte er 19. April 1844 den Diktator Vivanco und war dann 1845-51 Prä-^[folgende Seite]

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