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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chabarowka; Chabas; Chabasit; Chabaud-Latour; Chabertsöl; Chabir; Chablais

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Chabarowka - Chablais.

ein aspiriertes k, wie es jetzt noch in der Schweiz und Tirol gesprochen wird. Das französische ch ist wie sch, das englische und spanische wie tsch, das italienische wie k zu sprechen. Im Lateinischen wurde das ch gebraucht, um den der lateinischen Sprache fremden Laut des griechischen x^[?] zu umschreiben.

Chabarowka, Stadt im sibir. Gouvernement Amurprovinz, gegenwärtig Zentralsitz der Gouvernementsverwaltung, auf einem Vorgebirge an der Vereinigung des Amur mit dem Ussuri, mit Werfte für den Bau von Dampfern und (1880) 2500 Einw. Der Ort hat eine gute Lage für einen Militärposten und ist nicht ohne Wichtigkeit für den Handel, der namentlich in Pelzhandel mit den Eingebornen besteht.

Chabas (spr. schaba), François, einer der bedeutendsten Ägyptologen Frankreichs, geb. 2. Jan. 1817 zu Briançon, wurde für den Kaufmannsstand ausgebildet und trat 1831 in ein Handelshaus zu Nantes ein. Er hatte sich nebenbei ansehnliche Sprachkenntnisse erworben (außer neuern Sprachen verstand er Latein und Griechisch, sogar Hebräisch) und fuhr fort, dieselben zu erweitern. Im J. 1848 nach Châlon übersiedelnd, wandte er sich 1851 den Hieroglyphen zu, die er einzig nach Champollions Grammatik zu studieren unternahm, und veröffentlichte schon nach wenigen Jahren sein erstes Werk: "D'une inscription historique du règne de Séti I" (1856), eine wichtige Abhandlung über die Ausbeutung der Goldminen durch die alten Ägypter. Weiterhin erschienen von ihm: "Mémoire sur l'inscription d'Ibsamboul" (1859); "Le papyrus magique Harris" (1861) und "Mélanges égyptologiques" (1862-1873, 3 Serien), eine Folge von Abhandlungen, worin durch die analytische Methode zahlreiche für die Kunde des alten Ägypten wichtige Thatsachen festgestellt werden. Sorgfältig durchforschte er dann alle Dokumente, welche sich auf zwei wichtige Geschichtsepochen Ägyptens beziehen: die Eroberung des Landes durch die Hyksos und die Zeit ihrer Vertreibung; ebenso studierte er die authentischen Nachrichten, welche die Hieroglyphen darbieten, um die Grenze der historischen und vorhistorischen Zeiten genau zu bestimmen. Die hierauf bezüglichen Werke sind: "Les pasteurs en Égypte" (1868); "Recherches pour servir à l'histoire de la XIX. dynastie et spécialement à celle des temps de l'Exode" (1873) und "Études sur antiquité historique d'après les sources égyptiennes, etc." (2. Aufl. 1873). Andre Veröffentlichungen von C. sind: "Recherches sur le nom égyptien de Thèbes" (1863); "Revue rétrospective à propos de la publication de la liste royale d'Abydos" (1865); "Voyage d'un Égyptien en Syrie, en Phénicie etc. au quatorzième siècle avant notre ère" (1866, die Analyse eines Papyrus des Britischen Museums), woran sich die herbe Zurückweisung einer von Brugsch geübten Kritik schließt: "Réponse à la critique" (1868); "L'inscription hiéroglyphique de Rosette" (1867); "Traduction des inscriptions del'obélisque de la Place de la Concorde à Paris" (1868) und zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften. Auch prähistorische Forschungen beschäftigten ihn viel, wie die Werke: "Une couche abondante de crinïdes fossiles de respèce Pentacrinus" und "Sur les silex de Volgu" (1874) bezeugen. Von 1874 bis 1877 gab C. eine Zeitschrift: "L'Égyptologie", heraus; seine letzte Arbeit war "Les libations chez les anciens Égyptiens" (in den Abhandlungen des Congrès provincial des orientalistes, St.-Etienne, Bd. 2). In den letzten Jahren von schwerer Krankheit heimgesucht, starb er 17. Mai 1882 in Versailles.

Chabasit (Würfelzeolith), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Zeolithgruppe), kristallisiert in rhomboedrischen (triklinischen?), gewöhnlich zu Drusen gehäuften Kristallen, ist farblos oder weiß, selten rötlich oder gelblich, durchsichtig oder durchscheinend, glasglänzend; Härte 4-4,5, spez. Gew. 2,07-2,15. C. ist ein Doppelsilikat von Kalk, Thonerde und Kali nach der Formel (CaR2)Al2Si5O15^[(CaR_{2})Al_{2}Si_{5}O_{15}] +6 H2O^[H_{2}O], worin R2^[R_{2}] Kalium und denjenigen Wasserstoff bedeutet, der erst über 300° als Wasser entweicht; doch ergibt sorgsam ausgesuchtes Material Schwankungen in der Zusammensetzung. C. findet sich auf Erzgängen (Andreasberg), in den Blasenräumen vulkanischer Gesteine (Böhmen, Nahethal, Schottland, Fassathal etc.), in den Hohlräumen des Granits (Harz, Baveno) und als ganz neue Bildung in den Quellen von Plombières und Luxeuil. Haydenit und Phakolith sind mit dem C. identisch oder doch ihm nahe verwandt.

Chabaud-Latour (spr. schabo-latuhr), François Erneste Henri, Baron von, franz. General und Minister, geb. 25. Jan. 1804 zu Nîmes, besuchte 1820 die polytechnische Schule, trat in das Geniekorps ein, wurde 1827 Kapitän, nahm an der Expedition nach Algier teil, arbeitete an den Befestigungswerken von Paris, war 1837-43 dem Herzog von Orléans als Ordonnanzoffizier beigegeben, wurde 1845 Oberst, 1853 Brigadegeneral, 1857 Divisionsgeneral. Zugleich war er Mitglied des kaiserlichen Unterrichtsrats und (als Protestant) Mitglied des Zentralrats der reformierten Kirchen. Während der Belagerung von Paris 1870/71 war er als Kommandant des Geniekorps bei den Verteidigungsmaßregeln thätig und erhielt das Großkreuz der Ehrenlegion. An dem parlamentarischen Leben hatte er unter der Julimonarchie von 1837 bis 1848 teilgenommen und beständig mit der konservativen Partei für das Ministerium gestimmt. Seitdem galt er für einen eifrigen Orléanisten. Bei den Wahlen vom 8. Febr. 1871 wurde er für das Gard-Departement in die Nationalversammlung gewählt, nahm seinen Sitz im rechten Zentrum und wurde mehrmals zum Vizepräsidenten der Versammlung gewählt. Am 20. Juni 1874 wurde er zum Minister des Innern ernannt, nahm aber schon 10. März 1875 seine Entlassung. Seit 1877 lebenslänglicher Senator, starb er 11. Juni 1885.

Chabertsöl (Oleum contra Taeniam Chaberti), Destillat aus 1 Teil Hirschhornöl mit 3 Teilen Terpentinöl, riecht und schmeckt widerlich, wurde früher gegen Bandwurm angewendet.

Chabir (arab.), Name des Karawanenführers in Afrika; er läßt sich durch die Stellung der Sonne und der Gestirne leiten, und selbst auf Strecken von mehreren Hundert Stunden irrt er sich nur selten. Auch liest er aus den Spuren im Sand.

Chablais (spr. schablä), Landschaft in Savoyen, nördlich an den Genfer See stoßend, 914 qkm groß mit 64,000 Einw., bildet jetzt das Arrondissement Thonon des französischen Departements Obersavoyen, hat schöne Thäler, prachtvolle Kastanienwälder und exportiert namentlich Käse, Kirschwasser und Zwieback. C. hieß unter den Römern Provincia equestris, später Ager caballicus, weil mehrere Stutereien hier waren, und gehörte im Mittelalter zum Königreich Burgund. Die Einwohner hießen Nantuater. Kaiser Konrad II. machte C. dem Grafen Humbert mit den weißen Händen zum Geschenk, dessen Nachfolger sich Grafen, später Herzöge von C. nannten, bis Savoyen 1416 selbst ein Herzogtum wurde. 1792 von Frankreich in Besitz genommen, ward C. 1814 an Sardinien zurückgegeben, zugleich aber nebst Faucigny

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]