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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Champoton; Champs Elysées; Champseix; Chamsin; Chan; Chanaral; Chanarcillo; Chance; Chancelier; Chancellorsville

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Champoton - Chancellorsville.

modernes, l'Asie centrale, l'Inde et la Chine" (das. 1857); "Monographie du palais de Fontainebleau" (geschichtlicher Text zu Pfnors Prachtwerk, 1859-1864); "Le palais de Fontainebleau, ses origines, son histoire artistique et politique" (1867); "Documents paléographiques relatifs à l'histoire des beaux-arts et des belles-lettres pendant le moyen-âge" (1868). Nach Handschriften und Originalzeichnungen der königlichen Bibliothek gab er heraus: "Les tournois du roi René" (Par. 1827-28, nur in 200 Exemplaren gedruckt); "Ystoire de li Normant et Chronique de Robert Quiscart, par Aimé, moine du Mont Cassin" (1835) sowie "Chartes latines sur papyrus du VI. siècle" (1837). Zu dem Prachtwerk Silvestres: "Paléographie universelle" (Par. 1839-41, 4 Bde. mit 600 Kupfern) lieferte C. in Gemeinschaft mit seinem Sohn Aimé den Text. Verdienstvoll war auch die Herausgabe von Bréquignys "Lettres des rois, reines et autres personnages des cours de France et d'Angleterre" (Par. 1840, 2 Bde.), der "Documents historiques inédits, tirés de la bibliothèque royale" (das. 1841-50, 4 Bde.) und der auf die ägyptische Expedition bezüglichen Dokumente, die unter dem Titel: "Fourier et Napoléon" (das. 1844) erschienen.

2) Jean François, le jeune (der jüngere), franz. Gelehrter, Begründer der Ägyptologie, Bruder des vorigen, geb. 23. Dez. 1791 zu Figeac, erhielt seine Bildung in Grenoble, begab sich zur Fortsetzung seiner hier begonnenen ägyptologischen Studien 1807 nach Paris und wurde 1816 Professor der Geschichte bei der Akademie zu Grenoble. Schon hatte er durch sein Werk "L'Égypte sous les Pharaons" (Par. 1814, 3 Bde.) den Grund zu seinem schriftstellerischen Ruf gelegt, als er als Bonapartist von den Bourbonen verbannt wurde. Endlich begnadigt, lebte er anfangs als Privatlehrer in Paris, erhielt dann aber zufolge seiner Studien über die Hieroglyphen, deren Schlüssel er fand, vom König den Auftrag, 1824-26 Italien und, nachdem er 1826 Konservator der ägyptischen Sammlungen geworden war, 1828-30 in Begleitung von Zeichnern und Architekten Ägypten zu bereisen. Nach seiner Rückkehr 1830 erfolgte seine Aufnahme in die Akademie der Inschriften, und 1831 ward für ihn ein ägyptischer Lehrstuhl am Collège de France gegründet. Seine reichen Sammlungen selbst zu verwerten und zu veröffentlichen, war ihm nicht vergönnt. Er starb 4. März 1832. Außer dem Erwähnten schrieb C.: "De l'écriture hiératique des anciens Égyptiens" (Grenoble 1821); "Lettre à M. Dacier, relative à l'alphabet des hiéroglyphes phonétiques" (Par. 1822) und "Précis du système hiéroglyphique des anciens Égyptiens" (das. 1824, 2. Aufl. 1828), worin er bewies, daß die Hieroglyphen zum Teil phonetische oder alphabetische Zeichen seien; "Panthéon égyptien" (das. 1823), mit Abbildungen ägyptischer Gottheiten aus den Papyrusrollen und Bemerkungen über deren ägyptische Benennungen; "Lettres à M. le duc de Blacas relatives au musée royal égyptien de Turin" (das. 1824-26, 2 Bde.). Nach Champollions Tod erschienen "Lettres écrites d'Égypte et de Nubie" (Par. 1833, neue Ausg. 1867; deutsch, Quedlinb. 1835). Seine hinterlassenen Manuskripte füllten über 2000 Seiten und wurden für 50,000 Frank von der königlichen Bibliothek zu Paris angekauft. Bis jetzt sind davon erschienen: "Grammaire égyptienne" (Par. 1836-1841, 3 Bde.) und "Monuments de l'Égypte et de la Nubie d'après les dessins exécutés sur les lieux sous la direction de C." (das. 1835-45, 5 Bde.); "Dictionnaire égyptien en écriture hiéroglyphique" (1842-44); endlich die "Monuments de l'Égypte et de la Nubie, notices descriptives conformes aux manuscrits autographes rédigés sur les lieux" (1844), deren Herausgabe später unter der Leitung de Rougés fortgesetzt und beendigt wurde. Über Champollions Stellung in der Geschichte seines Faches s. Hieroglyphen.

Champoton (spr. tscham-), Hafenort im mexikan. Staat Campeche, an der Mündung des gleichnamigen Flusses, mit etwa 1500 Einw.

Champseix (spr. schangssä), Madame, geborne Béra, unter dem Pseudonym André Léo bekannte franz. Schriftstellerin, geb. 1829 zu Lusignan, war seit 1848 an den Journalisten C. verheiratet, der 1861 starb. Von ihren Romanen seien hier genannt: "Un mariage scandaleux" (1862); "Les deux filles de M. Plichon" (1864); "Jacques Galleron" (1865); "L'idéal au village" (1867); "Double histoire" (1868) und "Marianne" (1877). Unter der Kommune von 1871 stand sie Malon, einem Mitglied der revolutionären Regierung, nahe, mit dem sie sich später in Genf vermählte, war Mitarbeiterin an einem revolutionären Blatt: "La Sociale", und mußte wegen ihrer exaltierten Haltung in dieser Epoche später eine Zeitlang Frankreich meiden. Seitdem hat sie das Feuilleton des "Siècle" und der "République Française" wiederholt mit Romanen versehen.

Champs Elysées (spr. schang-seliseh), s. Paris.

Chamsin (Kamsin), ein in Ägypten aus SW. wehender heißer Wüstenwind, tritt während der 50 Tage aus, die auf die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche folgen, weshalb sein Name (Chamsyn oder Chamsein, in der koptischen Sprache fünfzig), und hält meistens 2-3 Tage an. Er ist brennend heiß (bis 47,5° C.) und trocken und führt einen feinen Staub mit sich, der zuweilen die Luft verdunkelt und auf die Respirationsorgane erstickend wirkt.

Chan, Titel der Fürsten im mohammedanischen Asien seit dem Austreten der Mongolen, auch der höhern Beamten und vornehmen Familien in Persien, in letzterm Fall ungefähr dem türkischen Pascha entsprechend. Chanlik oder (nach europäischer Wortbildung) Chanat, s. v. w. Fürstentum.

Chan (pers., "Haus"), Benennung der Gasthöfe und Karawanseraien im Orient, besonders in der Türkei. Chandschi, Gastwirt, Aufseher eines Chans.

Chanaral (spr. tschanl-), Hafenstadt der Provinz Atacama (Chile), unter 29° 3' südl. Br., mit Ausfuhr von Kupfererzen und (1881) 3084 Einw.

Chanarcillo (spr. tschanjarssilljo), Stadt in Chile, s. Juan Godoi.

Chance (franz., spr. schangß), Glück, Glücksfall; die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit des Gelingens einer Spekulation etc.; eine Art Würfelspiel (mit Angabe der Augen, die gewinnen sollen).

Chancelier (franz., spr. schángß'ljeh; engl. Chancellor, spr. tschänsselor), Kanzler.

Chancellorsville (spr. tschänss'lorswill), Ort im nordamerikan. Staat Virginia, Grafschaft Spottsylvania, 20 km westlich von Fredericksburg, gab einer dreitägigen, sehr blutigen Schlacht (2.-4. Mai 1863) zwischen dem Unionsgeneral Hooker und dem Heerführer der Konföderierten, Lee, den Namen. General Hooker hatte, um aus Richmond vorzugehen, den Rapidan überschritten und sich hier verschanzt, als er 2. Mai von der südstaatlichen Armee angegriffen wurde. Jackson, einem der besten südländischen Heerführer, welcher übrigens den dabei erhabenen Wunden erlag, gelang es, den rechten Flügel der Position Hoo-^[folgende Seite]

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