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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chancre; Chandernagur; Chandler; Changarnier; Change; Changeant; Changos; Chania; Chanka; Chankasee; Chankendi; Channing

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Chancre - Channing.

kers, den ein unfähiger General, Howard, führte, zu umgehen und in die Flucht zu schlagen. Am Abend stellte Hooker seine durchbrochene Linie wieder her; aber die Ungunst des Terrains verhinderte ihn, am folgenden Morgen die Kraft seines Zentrums zu verwerten. Als es Lee nun gar gelang, den tags zuvor unterhalb Fredericksburg über den Rapahannock gesetzten General Sedgwick, welcher zu Hooker stoßen wollte, zu vernichten, ehe die Vereinigung geschehen war, blieb den Bundestruppen am 5. nichts weiter übrig, als den Rückzug in die alten Quartiere zwischen Fredericksburg und Aquia Creek anzutreten, welcher indes in voller Ordnung bewerkstelligt ward. Doch war Washington ernstlich bedroht. Infolge dieser Niederlage ward Hooker durch Meade ersetzt. Ein Jahr später, 6. Mai 1864, kämpfte Grant mit demselben Lee auf dem gleichen Schlachtfeld bei C.; auch diesmal endete der Zusammenstoß, wenngleich nicht mit einer Niederlage, so doch keineswegs mit einem entschiedenen Vorteil für die Union. Gewöhnlich wird diese letztere Schlacht als "Schlacht in der Wildnis" bezeichnet.

Chancre (franz., spr. schangk'r), s. Schanker.

Chandernagur, Stadt, s. Tschandarnagar.

Chandler (spr. tschänndler), Richard, engl. Archäolog, geb. 1738 zu Elson in Hampshire, studierte zu Oxford, wurde Fellow am Magdalenen-College und bewährte seine antiquarischen Kenntnisse durch Herausgabe der Arundelischen Marmortafel: "Marmora Oxoniensia" (Oxford 1763). Von der Societät der Dilettanti beauftragt, im Orient zu forschen und zu sammeln, bereiste er 1764 in Gesellschaft des Architekten Revett und des Malers Pars Ionien, Attika, Argolis und Elis und kam 1766 mit einer reichen Ausbeute nach England zurück. Früchte dieser Reise waren seine "Ionian antiquities" (Lond. 1769-1800, 2 Bde.), "Inscriptiones antiquae pleraeque nondum editae, in Asia Minori et Graccia praesertim Athenis collectae" (Oxford 1774) und "History of Ilium or Troy etc." (Lond. 1802). Seine Reisebeschreibung, in antiquarischer Hinsicht lehrreich, in Bezug auf Länder- und Völkerkunde ungenügend, erschien unter den Titeln: "Travels in Asia Minor" (Oxford 1775) und "Travels in Greece" (das. 1776; beide neu hrsg. von Churton 1835, 2 Bde.; deutsch von Boie, Leipz. 1776). C. starb im Februar 1810 als Rektor zu Tilehurst in Berkshire.

Changarnier (spr. schanggarnjeh), Nicolas Anne Théodule, franz. General, geb. 26. April 1793 zu Autun, wurde in der Kriegsschule von St.-Cyr gebildet, trat 1815 als Unterleutnant in die königliche Garde, ward dann in die Linie versetzt, ging als Kapitän 1830 nach Algerien, wo er beim Feldzug nach Konstantine 1836 als Bataillonschef auf dem Rückzug bedeutende Dienste leistete und allmählich, indem er 18 Jahre lang fast alle Gefechte der französischen Armee in Algerien mitmachte, zum Obersten, Brigade- und Divisionsgeneral emporstieg. Im Februar 1848 übernahm er für Cavaignac eine Zeitlang die provisorische Regierung von Algerien, dankte jedoch bald ab, da er vom Departement Seine in die Nationalversammlung gewählt wurde. Er ward in Paris Oberbefehlshaber der Nationalgarde und bald darauf der 1. Militärdivision. Er verhinderte 29. Jan. 1849 sowie 13. Juni die Schilderhebung der Republikaner und Sozialisten. Allgemein galt er für das Schwert der monarchischen Partei und zwar der Orléans. Wegen seiner Opposition gegen den Prinz-Präsidenten L. Napoleon wurde er im Januar 1851 des Oberbefehls über die Pariser Truppen entsetzt und in der Nacht vor dem Staatsstreich des 2. Dez. mit andern republikanischen Generalen verhaftet. Durch Dekret vom 9. Jan. 1852 aus Frankreich verbannt, lebte er bis zur allgemeinen Amnestie in Mecheln. Im Krieg von 1870/71 bot er dem Kriegsministerium seine Dienste an, erhielt aber kein Kommando; doch berief ihn der Kaiser 8. Aug. in sein Hauptquartier nach Metz, um seine Ratschläge anzuhören. C. blieb mit der eingeschlossenen Armee Bazaines in Metz, nahm am Kriegsrat teil, unterhandelte im Auftrag Bazaines 25. Okt. vergeblich mit dem Prinzen Friedrich Karl über einen Waffenstillstand oder freien Abzug der Armee nach Algerien und unterzeichnete schließlich mit den übrigen Kommandeuren die Kapitulation. Er wurde nach dem Krieg Mitglied des Kriegsgericht, welches das Verhalten mehrerer Generale zu untersuchen hatte, und auch in die Nationalversammlung gewählt, wo er sich an die Organisten anschloß, die Linke aufs schärfste angriff und wesentlich zum Sturz Thiers' als Präsidenten der Republik beitrug. An dem Versuch, die Monarchie herzustellen, beteiligte er sich 1873 mit großem Eifer, bekämpfte 1875 die konstitutionellen Gesetze und schloß sich ganz an die ultramontane Partei an. Er starb 14. Febr. 1877 in Versailles.

Change (franz., spr. schang'ch'), Wechsel, Tausch; Wechselbank; in der Jägersprache Fährtenwechsel; changieren, wechseln, verändern; auch reflexiv, sich verändern; in C. geben oder nehmen, s. v. w. tauschen (s. auch Barattieren); Changement, Vertauschung, Wechsel, Änderung.

Changeant (franz., spr. schangscháng), Gewebe von Seide, Wolle und andern Garnen, deren Kette von einer andern Farbe als der Einschlag ist, wodurch je nach dem Lichtreflex ein schillerndes Farbenspiel entsteht.

Changos, Indianerstamm, s. Chile.

Chania (Kydonia), s. Kanea.

Chanka (pers.), Name der mohammedan. Klöster in Mittelasien, in der Türkei Tekie genannt (s. Derwisch).

Chankasee (Chinka- oder Kengkasee), Binnensee im Südussuriland des ostsibirischen Küstengebiets, umfaßt 4381 qkm (79,5 QM.), wovon 1499 (27 QM.) zu China gehören, und ist 80 km lang und 60 km breit. Er kann nur vom April bis Ende Oktober befahren werden, die übrige Zeit ist er mit Eis bedeckt. Die Ufer sind niedrig und sumpfig, in der Mitte ist er 4 Faden tief. Sein Abfluß ist der Sungatsch, der in den Ussuri fällt; von W. her strömt der Grenzfluß Tura in den See. Da an seinen Ufern Getreide gedeiht, haben sich russische Bauern an einigen Stellen niedergelassen.

Chankendi ("Dorf des Chans"), ziemlich bedeutender Ort in Kaukasien, Gouvernement Jelissawetpol, Kreis Schuscha. In der Nähe von C. liegt malerisch in einem weiten Thalkessel ein großer Garten der ehemaligen karabachschen Chane, in welchem jetzt ein bedeutendes Seidengeschäft (Sortiment und Verpackung der Kokons zum Versand und zur Abhaspelung der Kokons) eingerichtet ist.

Channing (spr. tschänn-), William Ellery, amerikan. Schriftsteller und "Apostel" der Unitarier, geb. 7. April 1780 zu Newport in Rhode-Island, studierte Medizin, dann Theologie und war seit 1803 Prediger in Boston und anerkannter Wortführer des Unitarismus. Die eminent sittliche Richtung seines Geistes bethätigte sich bis zu seinem 2. Okt. 1842 zu Bennington in Vermont erfolgten Tode durch beredte

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]