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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cherem; Cheribon; Cherimoya; Chermes; Cherokee; Chéron; Cherrier; Chersiphron; Cherso

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Cherem - Cherso.

3) Joel, Schriftsteller, Bruder der vorigen, geb. 1806, übernahm das väterliche Geschäft und wurde namentlich als Herausgeber der "Revue critique des livres nouveaux" (Par. 1833 ff.) bekannt. In einer Art von Roman: "Le lendemain du dernier jour d'un condamné" (das. 1829), versuchte er eine Parodie und Kritik von Victor Hugos Buch gegen die Todesstrafe. Außerdem redigierte er mehrere Jahre hindurch die konservativen Blätter: "Le Fédéral" und "Le Journal de Genève" und schrieb in derselben Richtung für die "Revue des Deux Mondes" den Artikel "Sur l'influence et les chefs du parti radical en Suisse", welcher eine lebhafte Polemik veranlaßte. Als Geschichtsforscher hat sich C. legitimiert durch sein Werk "Genève, ses institutions, ses mceurs, son développement intellectuel et moral" (1867). Er starb 31. Okt. 1870. Von den Schwestern der Genannten machte sich die ältere, Mad. Tourte-C. (geb. 1793, gest. 1863), durch Erzählungen und Romane ("Annette Gervais", deutsch, Hamb. 1843; "Le journal d'Amélie" u. a.) und die jüngste, Adrienne, geb. 1804, durch ihre Übersetzung von Zschokkes Novellen (Par. 1830-32, 12 Bde.), einiger Stücke von H. v. Kleist (das. 1832, 3 Bde.) bekannt. Über die Familie C. vgl. Rambert, Écrivains nationaux suisses, Bd. 1 (Genf 1874).

4) Victor, Schriftsteller, Sohn von C. 1), geb. 1829 zu Genf, studierte hier, in Paris, Bonn und Berlin zuerst Mathematik, dann Philologie und Philosophie und war in seiner Vaterstadt als Lehrer thätig, bis er 1864 einem Ruf, in die Redaktion der Pariser "Revue des Deux Mondes" mit einzutreten, folgte. C. hat sich besonders als Kunstkritiker und Romandichter einen geachteten Namen erworben. Seine Befähigung zu erstgenannten Beruf bekundet sein geistvolles, Betrachtungen über die bildende Kunst enthaltendes Buch "Un cheval de Phidias. Causeries athéniennes" (2. Aufl. 1864; deutsch, Jena 1861), die Frucht einer Reise nach Griechenland und dem Orient, sowie seine "Études de litterature et d'art", Aufsätze über deutsche Litteratur und Kunstberichte über den Pariser Salon (1873). Von seinen Romanen, die sich durch feine Analyse der Leidenschaften auszeichnen, welche das Gesellschafts- und Familienleben bewegen, sind zu nennen: "Le comte Kostia" (1863; deutsch, Jena 1864); "Le prince Vitale" (1864); "Paule Méré" (1865); "Le roman d'une honnète femme" (1866; deutsch, Berl. 1867); "Le grand oeuvre" (1867); "Prosper Randoce" (1868); "L'aventure de Ladislas Bolski" (1869; deutsch, Wien 1871); "La revanche de Joseph Noirel" (1872); "Meta Holdenis" (1873); "Miss Rovel" (1875); "Le flance de Mile. Saint-Maur" (1876; deutsch, Berl. 1881); "Samuel Brohl et Comp." (1877); "L'idée de Jean Tèterol" (1878); "Amours fragiles" (1880); "Noirs et rouges" (1881); "La ferme du Choquard" (1883); "Olivier Maugant" (1885) u. a. Als politischer Schriftsteller machte er sich bekannt durch die Schriften: "L'Allemagne politique" (1870; deutsch, Bern 1871); "L'Espagne politique" (1874); "Hommes et choses d'Allemagne" (1877) und "Hommes et choses du temps présent" (1883), die beiden letztern Sonderausgabe seiner unter dem Pseudonym G. Valbert in der "Revue des Deux Mondes" veröffentlichten politischen Aufsätze, welche durch ihre scharfe Kritik Aufsehen erregten. Seit Dezember 1881 ist C. Mitglied der französischen Akademie.

Cherem (hebr.), Bannfluch, Bann (s. d.).

Cheribon, Insel, s. Tscheribon.

Cherimoya (Cherimolia), s. Anona.

Chermes, s. Blattläuse.

Cherokee (spr. tschiroki), s. Tscherokesen.

Chéron (spr. scheróng), Elisabeth Sophie, franz. Emailmalerin, Kupferstecherin, Dichterin etc., geb. 1648 zu Paris, Schülerin ihres Vaters Henri C., erlangte bald durch ihre ebenso treu wie elegant ausgeführten Porträte großen Ruf. Auch gute Historienbilder und vortreffliche Kopien antiker Gemmen lieferte sie, hatte auch für Musik und Dichtkunst Talent. Diese Talente verschafften ihr 1676 einen Platz in der Akademie der Maler sowie später in der Akademie Ricovrati zu Padua. Sie heiratete im 60. Jahr und starb 3. Sept. 1711 in Paris. Wir haben eine Sammlung ihrer Gemmenzeichnungen, zum Teil nach eigner Erfindung, meist aber nach Antiken. Sie veröffentlichte: "Essai de Psaumes et de Cantiques" (Par. 1694) u. "Les cerises renversées" (das. 1717).

Cherrier (spr. scherrjeh), Charles Joseph de, franz. Militär und Historiker, geb. 6. März 1785 zu Neufchâteau (Vogesen), widmete sich zuerst den Naturwissenschaften, nahm dann als Eskadronschef und Adjutant des Generals Bertrand teil an den Napoleonischen Kriegen in Italien und Deutschland bis zur Schlacht bei Leipzig, hielt als Oberstleutnant mit dem 1. Regiment der alten Garde auf dem Schlachtfeld von Waterloo bis zuletzt stand und ward nach dem Sturz Napoleons in der Verwaltung angestellt. Als er nach der Julirevolution der neuen Dynastie den Eid verweigerte, verlor er Anstellung und militärischen Rang und benutzte von nun an seine Muße zu historischen Studien, als deren wertvolles Resultat die "Histoire de la lutte des papes et des empereurs de la maison de Souabe" (Par. 1841-45, 4 Bde.; neue, umgearbeitete Auflage 1858) erschien, ein Werk, das durch klares Urteil und weltgeschichtliche Betrachtungsweise neben den zahlreichen neuern Schriften über den Gegenstand selbständigen Wert behauptet. Später veröffentlichte er noch die "Histoire de Charles VIII, roi de France" (Par. 1868, 2 Bde.; 2. Aufl. 1870). Er starb 27. Juli 1872 auf seinem Schloß bei Neufchâteau. Er war seit 1854 Mitglied der Akademie.

Chersiphron, griech. Architekt, zu Knosos auf Kreta geboren, begann mit seinem Sohn Metagenes etwa um 580 v. Chr. den Bau des berühmten Tempels der Artemis zu Ephesos, welcher 356 von Herostratos durch Brand zerstört wurde. Der Bau des Tempels soll 120 Jahre gedauert haben (weiteres s. Ephesos). C. und Metagenes verfaßten über ihr Werk eine Schrift.

Cherso (spr. kerso), eine zur österreich. Markgrafschaft Istrien gehörige Insel im Quarnerogolf, ist 330 qkm (6 QM.) groß, von langgestreckter Gestalt und mit der benachbarten Insel Lussin durch eine Brücke verbunden. Ein Kalksteingebirge durchzieht die Insel, dessen höchste Spitzen (Monte Syß 638 m, Monte Chelm 483 m hoch) kahl sind, wogegen an seinen Abhängen und an der Küste Wein und Südfrüchte reichlich gedeihen. Die großen Waldungen liefern Bau- und Brennholz. Die Bewohner, (1880) 9550 an der Zahl, treiben Schafzucht, Wein- und Olivenbau, Südfrüchtekultur und Handel. Hauptort ist die Stadt C., auf der Westseite, mit mehreren Kirchen und Klöstern, einem geräumigen Hafen, Schiffahrt und Schiffbau (Travacoli), Fischerei, Handel mit Wein und Südfrüchten, (1880) 4670 Einw., einem Bezirksgericht und Zollamt. Im J. 1883 liefen 697 Schiffe mit 121,353 Ton. ein. In der Mitte der Insel liegt der 4,5 km lange, kaum 1 km breite Vrana- oder Krähensee, der 13 m über dem Meeresspiegel liegt,

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]