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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: China

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China (Krieg mit England und Frankreich 1857-60).

im Staatsexamen durchgefallen und dann Dorfschullehrer geworden. Sein Vater war Patriarch, Oberhaupt des ganzen Stammes der Hung und genoß als solcher großes Ansehen. 1837 wurde er von einer schweren Krankheit befallen und hatte dabei Visionen, in welchen er zum Himmel erhoben und zur königlichen Würde bestimmt zu werden glaubte. Da er nach einiger Zeit durch den Missionär Gützlaff mit dem Christentum bekannt gemacht wurde, so steigerte sich seine innere Aufregung noch. In seinem Haus wie in der Schule warf er nun alle Götzenbilder hinaus; er begann in seinem Stamm, der an 20,000 Köpfe zählte, zu predigen und veröffentlichte 1845-1846 verschiedene kleine Schriften. In Konflikt mit der Obrigkeit kam er durch die Zerstörung eines hochgehaltenen Wunderbildes. Die Hung hielten zu ihm, die Regierung bot 1848 Truppen gegen ihn auf; zu Kämpfen kam es aber noch nicht. Im J. 1849 mehrten sich indessen Hungs Anhänger und noch mehr 1850, als er eine ansteckende Krankheit vorhergesagt hatte, der viele Bewohner in Kuangsi zum Opfer fielen. Im September 1858 brach in Kuangtung eine Fehde zwischen den Punti und Hakka aus, die letztern, die nur 4 Mill. gegen 21 Mill. Punti zählten, erlitten eine Schlappe und riefen Siutsuen und seinen Anhang zur Unterstützung herbei. Dieser folgte bereitwillig; sein Aufruf brachte jung und alt, hoch und niedrig unter die Waffen. Die Mandarinen glaubten der Bewegung durch Hinrichtung der Christen und Anhänger des Siutsuen Herr werden zu können, riefen aber nur Repressalien hervor, und diese wurden von beiden Seiten während des länger als zehn Jahre dauernden Aufstandes nur zu reichlich geübt. Mit den Ming und den Mitgliedern des "Dreieinigkeitsbundes" schloß Siutsuen nur vorübergehend ein Bündnis; seine Disziplin sagte ihnen nicht zu, und sie kämpften von da an in den Reihen der Kaiserlichen, in der Hoffnung, später emporzukommen. Im Herbst 1851 nach Einnahme der Stadt Jungngan in Kuangsi wurde er als Gründer der neuen Dynastie Taiping ("großer Friede") oder Tinkwok ("Himmelskönigreich") ausgerufen. Von da an machte er einen Siegesmarsch in die sechs Provinzen Kuangsi, Hunan, Hupei, Kiangsi, Nganhui, Kiangsu, brachte dadurch alles Land östlich des Tsekiang und südlich des Jantsekiang in die Gewalt seiner Parteigänger und nahm 19. März 1853 Besitz von Nanking, der alten Hauptstadt des Reichs. Hier ließ er das Alte und Neue Testament in vielen Exemplaren drucken und leistete dem Christentum allen Vorschub, nahm aber selbst die Taufe nicht an. Er stellte sich vielmehr auf gleichen Fuß mit den Kaisern von C. und Japan wie mit dem Dalai Lama (s. d.) in Tibet und proklamierte sich als jüngerer Bruder von Christus. Nanking wurde als Tienking ("Himmelsresidenz") Mittelpunkt des neuen Reichs. Indessen fehlte es an fester Organisation und Disziplin; es vergingen mehrere Jahre, ohne daß die Taiping trotz einzelner Erfolge größere Fortschritte machten, zumal sie durch innere Streitigkeiten sich selbst schwächten. Im J. 1858 waren sie aus einem Teil ihrer Positionen bereits verdrängt und konnten sich in Nanking mit Mühe behaupten. Nun aber kam die kaiserliche Regierung von einer andern Seite in noch größere Not.

Krieg mit England und Frankreich.

Die Differenzen mit England waren immer ernstlicher geworden; dieses mahnte immer dringender an die Erfüllung des Vertrags von Nanking und bestand insbesondere auf Zulassung in Kanton. Der Kaiser wies dies Ansinnen unbedingt für alle Zeiten zurück. Im Oktober 1856 kam dazu ein neuer Konflikt wegen eines von den chinesischen Behörden weggenommenen, unter englischer Flagge auf Grund eines in Hongkong regelrecht ausgestellten Schiffsregisters segelnden chinesischen Schiffs. Die Engländer verlangten Genugthuung, stellten, da diese nicht vollständig geleistet wurde, ein Ultimatum, erstürmten, da diesem keine Beachtung zu teil wurde, alle Forts am Fluß und die Stadt Kanton selbst, beschossen den Palast des Oberstatthalters Yeh, legten einen Teil der Stadt in Asche und zerstörten 6. Nov. 1856 die kaiserliche Flotte. Die vorhandenen Streitkräfte genügten nicht zur Ausbeutung des Erfolgs. C. nahm dies als Zeichen der Schwäche und rief in amtlichen Erlassen das Volk, welches ohnedies wegen des grausamen Kulihandels (s. d.) gegen die Fremden erbittert war, zu deren völliger Vertilgung auf. Die fortgesetzte Verfolgung aller Europäer führte im August 1857 zu einem gemeinsamen Vorgehen Englands und Frankreichs. Die französische Flotte wurde vom Admiral Rigault de Genouilly, die englische, die Ende November vor Kanton eintraf, von dem Konteradmiral Seymour befehligt. Die Landungstruppen betrugen etwa 8000 Mann. Neue Versuche der Verbündeten, eine gütliche Erledigung der obschwebenden Differenzen herbeizuführen, scheiterten an dem Stolz des Statthalters Yeh über die Provinzen Kuangsi und Kiangsi, und so wurden 12. Dez. Fluß und Hafen von Kanton in Blockadezustand erklärt. Am 28. Dez. begann die Beschießung Kantons, welches dadurch furchtbar litt, und schon am 29. mußte sich die Stadt, nachdem die auf 40,000 Mann geschätzte bewaffnete Macht geflohen war, den Verbündeten ergeben. Yeh wurde gefangen genommen. Inzwischen hatten Lord Elgin und Baron Gros, die Vertreter Englands und Frankreichs, denen sich die Bevollmächtigten von Petersburg und Washington anschlossen, Noten nach Peking gerichtet, warteten aber in Schanghai vergeblich auf Antwort und fuhren daher im April 1858 zum Golf von Petschili hinauf und ließen sich in Taku, einige Meilen landeinwärts, nieder, um hier mit den erbetenen chinesischen Kommissaren die Bedingungen der neuen Verträge festzustellen. Da die Kommissare nicht eintrafen, so begann 20. Mai der Angriff der Verbündeten auf die Forts von Taku, und nach zweistündigem Kampf waren diese genommen. Darauf fuhren die Verbündeten ungehindert stromaufwärts bis Tiëntsin, dem Hafen von Peking. Jetzt erst unterwarf sich der durch die Nähe der Gefahr eingeschüchterte Hof, und nach kurzen Unterhandlungen wurde ein vierfacher Vertrag, zuerst mit den neutralen, dann mit den kriegführenden Mächten (26. und 27. Juni), abgeschlossen, dessen Ratifikation spätestens nach Ablauf eines Jahrs in Peking selbst erfolgen sollte. In Zukunft sollten europäische Gesandte nach Peking kommen dürfen; die Ausübung des Christentums sollte ungehindert sein; an England sollten 24, an Frankreich 12 Mill. Mk. Kriegskosten bezahlt werden.

Wieder versuchte die chinesische Regierung, die Ratifizierung hinauszuschieben. Ihr endlicher Vorschlag, die Ratifikation in Schanghai vorzunehmen, wurde zurückgewiesen; die Vertreter Englands und Frankreichs bestanden darauf, sich geradeswegs nach Peking zu begeben. Als im April 1859 bekannt wurde, daß die Befestigungen am Peiho wiederhergestellt seien, wurde darin eine feindliche Demonstration erblickt; das englische Geschwader erhielt den Auftrag, die Eröffnung des Flusses abermals zu erzwingen. Am 24. Juni erfolgte der englische Angriff auf die Forts;

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