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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chipolin - Chiromantie.

ein zweiter Befreiungsversuch, den sie 1827, von einem griechischen Hilfskorps unter Fabvier unterstützt, machten, mißlang. Bei Errichtung des griechischen Königreichs wurde die Insel von dessen Grenzen ausgeschlossen. Am 3. April 1881 wurde C. von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht und die Stadt C. fast ganz zerstört. Vgl. Poppo, Beiträge zur Kunde der Insel C. und ihrer Geschichte (Frankf. 1822); Pauli, Die Insel C. (in den "Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg" 1880/81).

Chipolin, gefirnißter Wasserfarbenanstrich auf Holz, erteilt demselben ein porzellanartiges Ansehen.

Chippenham (spr. tschipp'nhäm), alte Stadt im nordwestlichen Wiltshire (England), am Avon, mit (1881) 4495 Einw., welche Seidenweberei, Gerberei, Maschinenbau, Herstellung kondensierter Milch und Käsehandel treiben.

Chippewa (spr. tschippe-ueh), Fluß im nordamerikan. Staat Wisconsin, entspringt in der Nähe des Obern Sees, fließt in südlicher Richtung und mündet nach einem fast 400 km langen Laus in den durch eine Verbreiterung des Mississippi gebildeten Lake Pepin.

Chippewa Falls (spr. tschippe-ueh fahls), Stadt im NW. des nordamerikan. Staats Wisconsin, am Chippewa, in der Nähe bedeutender Wasserfälle, mit (1880) 3982 Einw.

Chippeways (spr. schippe-uehs, Tschippewäer), Indianerstamm der Algonkin, s. Odschibwä.

Chippewyans (spr. schippe-ueiäns), Indianerstamm, s. Tschepewyan.

Chipping-Norton (spr. tschipping-nort'n), alte Stadt in Oxfordshire (England), 30 km nordwestlich von Oxford, hat Fabrikation von Wollenzeugen (Tweeds) und (1881) 4167 Einw.

Chipping-Wycombe (spr. tschipping-ueiköm), s. Wycombe.

Chiquimula (spr. tschikimula), Hauptstadt des gleichnam. Departements im zentralamerikan. Staat Guatemala, in einem von hohen Bergen umschlossenen fruchtbaren Thal am Fluß C., mit großer Kirche, schönem Marktplatz, Mais-, Bananen- und Kochenillenbau und (1880) 3744 Einw.

Chiquinquirá (spr. tschikinkirá), Stadt im Staat Boyaca der Bundesrepublik Kolumbien, 2614 m ü. M., in viehreicher Gegend, hat eine höhere Schule (im ehemaligen Dominikanerkloster), ein Hospital, ein wunderthätiges Marienbild und mit Weichbild (1870) 13,116 Einw.

Chiquitos (spr. tschikitos), ein zu den Andesvölkern gezählter Indianerstamm in Bolivia, zwischen den Zuflüssen des Madeira und des Paraguay. Die C. sind mittelgroß, breitschulterig und stark gebaut, mit großem, rundem Kopf, niedriger Stirn, kleinen, aber lebhaften Augen und bronzefarben. Sie sind heiter, gastfrei, lieben Tanz und Musik, sind aber von niedriger Moralität und wohnen, etwa 20,000 Seelen stark, in ehemals durch die Jesuiten gegründeten Dörfern. Außer den eigentlichen C. rechnet man noch zehn andre Völker als zu dem Stamm gehörig. Den Namen leiten einige von den niedrigen Thüren ihrer Behausungen, in welche sie kriechen mußten, andre, wie Waitz, von dem hier bei Völkernamen oft wiederkehrenden Wort Chucu ab.

Chiragon (griech., "Handführer"), Vorrichtung für Blinde zur Handleitung beim Schreiben.

Chiragra (griech.), Gicht in den Händen, s. Gicht.

Chiriqui (spr. tschiriki), früher Provinz von Neugranada, jetzt Departement C. und Bezirk (Comarca) Bocas del Toro, welche beide zum Staat Panama gehören und zusammen ein Areal von 17,070 qkm (308,9 QM.) haben. Die Grenze gegen Costarica läuft (infolge des Vertrags vom 11. Juni 1856) von der Punta Burica am Stillen Meer bis zur Mündung des Culebras in das Karibische Meer. An letzterm liegt der Bezirk Bocas del Toro, das Land um den Doppelgolf Bahia del Almirante und der sogen. Laguna de C. umfassend. Eine Kordillere, deren höchste Punkte Cerro de Santiago (2827 m) und Vulkan von C. (3433 m) sind, und die an keiner Stelle unter 900 m herabsinkt, durchzieht das Innere. Das Land ist üppig bewaldet, namentlich auf der stets feuchten atlantischen Seite. Das Klima ist heiß, aber im Innern gesund. Die Bevölkerung betrug 1870: 42,033 Einw., von denen nur 5250 in Bocas del Toro. Ackerbau (Tabak, Kaffee, Kakao) und Viehzucht bilden die Haupterwerbszweige. Die Mineralschätze (Gold sowohl als Steinkohlen an der Bahia del Almirante) werden kaum ausgebeutet. Hauptstadt von C. ist David (s. d.), von Bocas del Toro aber der gleichnamige Ort auf einer Insel der Admiralitätsbai, mit 1145 Einw. Vgl. Wagner, Die Provinz C., in "Petermanns Mitteilungen" 1863.

Chirka i Scherif (auch Chirkai Seadet, arab.), der "edle oder glückselige Mantel", d. h. Mohammeds, eine der gefeiertsten Reliquien der Mohammedaner. Von Mohammed, der dieses Kleid von schwarzem Kamelott trug, kam es 630 als Ehrengeschenk für ein Loblied auf Gott und den Propheten an den Dichter Kiab Ibn Zohair, dessen Nachkommen es dem Kalifen Moawiah I. verkauften. Von den Omejjaden ging es dann in den Besitz der Abbassiden über und wurde endlich in Kairo wieder aufgefunden und durch Selim II. nach Konstantinopel gebracht, wo es seit 700 in Verwahrung des Chirka i Scherif Scheichi (Scheich des heiligen Mantels) ist, je des ältesten Sohns aus der Familie des Uweyssul Aremi, Nachkommen jenes Dichters. Jetzt wird der C. mit noch andern Reliquien des Propheten in einem besondern Haus des Serails aufbewahrt und alljährlich am 15. des Ramasan den Andächtigen zum Küssen dargereicht.

Chirnside (spr. tschiriisseid), Dorf in Berwickshire (Schottland), mit Papiermühle und (1881) 939 Einw.; Geburtsort David Humes.

Chirogrammatist (griech.), Handschriftendeuter.

Chirogrammatomantie (griech.), s. Handschriftendeutung.

Chirográph (griech.), eigentlich Handschrift; dann s. v. w. Schuldverschreibung, Schuldschein; daher chirographisch, was auf handschriftlicher Versicherung beruht. Ein Chirographarius (Kreditor) oder chirographarischer Gläubiger ist ein solcher, dessen Forderung sich auf eine Handschrift, einen Schuldschein, Wechsel etc. ohne Pfandrecht gründet. Chirographaria actio, die Klage auf Grund einer Handschrift; chirographaria cautio, die handschriftliche Versprechung.

Chirologie (griech.), Hände-, Fingersprache; Chirolog, einer, der sich auf die C. versteht.

Chiromantie (auch Chirognomik und Chirologie, griech.), das Wahrsagen aus der Hand, d. h. die vermeintliche Kunst, aus Bau, Linien und Zügen der hohlen Hand eines Menschen sein Schicksal zu entziffern. Die C., seit den ältesten Zeiten eine der angesehensten Wahrsagungsformen, welche im Altertum Chaldäer und Juden betrieben, geht auf astrologische Grundvorstellungen zurück, wonach der Mensch einen Mikrokosmos darstellen sollte, dessen einzelne Organe von den Planeten und Gestirnen beeinflußt würden. Danach wurde der Handteller in sieben

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