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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Christoph

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Christoph.

mit Verzichtleistung auf dogmatische Bestimmungen rein mit dem Gefühl und der Phantasie in den Abgrund der am Kreuz gestorbenen Liebe (die Jesusmystik des heil. Bernhard), bald suchten sie den Tod des Sohnes Gottes durch asketische "Entwerdung" und Selbstvernichtung zu ergänzen. Das Reformationszeitalter ließ die Lehre von den beiden Naturen in Christus als gemeinchristliche Fundamentallehre unangetastet stehen; einzig zwischen den Lutheranern und Reformierten erhob sich im Zusammenhang mit dem Abendmahlsstreit eine Differenz. Während die Reformierten vermöge ihrer Voraussetzung eines schlechthinnigen Unterschieds zwischen Unendlichem und Endlichem die Menschheit des fleischgewordenen Logos als eine wirklich innerhalb der Schranken irdischen Menschendaseins sich entwickelnde faßten, darüber derselbe Logos vermöge seiner Gottheit immer noch unendlich hinausrage, stellte die Konkordienformel als Stütze der lutherischen Abendmahlstheorie die Lehre auf, daß in Christus göttliche und menschliche Natur in eine ganze und bleibende Vereinigung (unio personalis) getreten seien, vermöge deren eine solche Gemeinschaft der beiden Naturen (communio naturarum) stattfinde, daß der Logos fortan nur noch "im Fleisch" existiert, seine göttliche Natur nur noch in der mit ihr persönlich vereinigten menschlichen und durch dieselbe sich bethätigt, ebendarum aber dieser auch ihre wesentlich göttlichen Eigenschaften mitteile (communicatio idiomatum) und z. B. Christus auch seiner menschlichen Natur nach allgegenwärtig, also mit seinem Fleisch und Blut in den Abendmahlselementen, sein könne. Die reformierte Kirche erklärte eine solche Mitteilung der Idiome für eine bloß rednerische Vertauschung der Ausdrücke (alloeosis) und beschuldigte die lutherische Theologie der Vermischung der beiden Naturen. Das Werk Christi anlangend, hat der Protestantismus die Anselmische Lehre unter Abstreifung ihres privatrechtlichen Charakters und unter Verbindung derselben mit der biblischen Opferidee dahin ausgebildet, daß der Gottmensch durch sein im Tod übernommenes stellvertretendes Strafeleiden ein schlechthin entsprechendes Sühnopfer für die Sünden der ganzen Menschheit gebracht, den gerechten Zorn Gottes gestillt und die Zuwendung der sündenvergebenden Gnade Gottes an die Gläubigen objektiv ermöglicht habe. Dabei betonen beide protestantische Konfessionen neben dem leidenden Gehorsam Christi auch seinen thätigen, d. h. die vollkommene Erfüllung des Gesetzes, und handeln daneben noch von den beiden Ständen (status) Christi, nämlich demjenigen der Erniedrigung (status exinanitionis) und dem der Erhöhung (status exaltationis), mit welchem auch seine menschliche Natur in den reellen Besitz und Gebrauch göttlicher Herrlichkeit eingetreten sei. Dabei streiten Lutheraner und Reformierte, ob die sogen. Höllenfahrt (s. d.) schon zu diesem oder noch zu jenem Stand gehöre.

Einen ersten Schritt zur Auflösung dieses dem dogmatischen Denken angehörigen Christusbildes thaten, indem sie zu einfachern neutestamentlichen Vorstellungen zurückkehrten, die Socinianer; einen weitern die Rationalisten, indem sie das, was der Mensch Jesus an sich war, auch wieder von dem unterschieden, was er dem Paulus und dem Johannes war, und dem Tod Jesu nur die Bedeutung eines den Sieg seiner Sache bedingenden Martyriums vindizierten; einen dritten die spekulative Theologie, indem sie die Dogmen von der Gottmenschheit und Versöhnung als Formen behandelte, in welchen die ewige Wahrheit von der Einheit des unendlichen und des endlichen Geistes der populären Vorstellung faßbar und an dem klassischen Exempel Jesu gleichsam ad oculos demonstriert werde; einen vierten die mit Strauß anhebende kritische Behandlung des Lebens Jesu, vermöge welcher die Person Jesu immer mehr in den Kreis der wirklichen Geschichte hereingezogen worden ist (s. Jesus Christus); einen fünften und letzten die von den Fesseln der Dogmatik emanzipierte kirchen- und dogmengeschichtliche Forschung, welche den ganzen Prozeß des Werdens der C. klargelegt und zum objektiven Verständnis gebracht hat. Auf denselben historischen Prozeß stützen sich anderseits aber auch die konservativen Richtungen, indem sie demselben ein sei es dogmatisch verfestigtes, sei es spekulativ konstruierbares Resultat abgewinnen, teilweise auch die ganze christologische Metaphysik vor der sittlichen Bedeutung Jesu als des Stifters des Reichs Gottes, darin sich alle Zwecke Gottes mit der Menschheit zusammenfassen, verstummen heißen.

Vgl. Baur, Die christliche Lehre von der Versöhnung (Tübing. 1838); Derselbe, Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes (das. 1841-43, 3 Bde.); Dorner, Entwickelungsgeschichte der Lehre von der Person Christi (2. Aufl., Stuttg. 1856, 2 Bde.); Ritschl, Die christliche Lehre von der Rechtfertigung und Versöhnung (Bonn 1870-74; 2. Aufl. 1882-83, 3 Bde.); Schultz, Die Lehre von der Gottheit Christi (Gotha 1881).

Christoph, Heiliger (lat. Christophorus, "Christusträger"; auch der große C. oder Christophel genannt), einer der 14 Nothelfer der katholischen Kirche, nach der Legende ein Mann von 12 Fuß Länge und ungewöhnlicher Stärke. Im Gefühl seiner Kraft wollte er seine Dienste nur dem Mächtigsten weihen und diente daher erst einem König, dann, da er dessen Furcht vor dem Teufel merkte, diesem, und als derselbe einst einem Christusbild ängstlich auswich, beschloß er, Christus seine Dienste zu weihen. An einem großen Fluß erschien ihm Christus selbst in Kindesgestalt und ließ sich von ihm über den Fluß tragen, worauf er den Namen C. erhielt. Nach der ältesten Gestalt der Legende soll C. in Syrien gelebt und unter Kaiser Decius das Martyrium erlitten haben. Die morgenländische Kirche feiert Christophs Gedächtnis am 9. Mai, die abendländische am 25. Juli. Abgebildet wird C. gewöhnlich in riesenhafter Größe, das Christuskind auf seinen Schultern, wie er, auf seinen großen Stab gestützt, alle Kräfte aufwendet, um der immer wachsenden Last nicht zu erliegen. So stellt ihn auch der älteste bekannte Holzschnitt von 1423 dar. Vgl. Sinemus, Die Legende vom heil. C. in der Plastik und Malerei (Hannov. 1868).

Christoph, Name zahlreicher Fürsten, von denen bemerkenswert sind:

[Bayern.] 1) C. der Kämpfer, Herzog von Bayern, Sohn Albrechts III., geb. 6. Jan. 1449, war einer der gefürchtetsten Haudegen seiner Zeit, erhielt, während sein Bruder Albrecht sich 1467 der Alleinherrschaft in Bayern bemächtigte, nur einige Güter und Schlösser, beanspruchte aber Teilnahme an der Regierung und stiftete einen Bund, "Gesellschaft der Bökler des Einhorns", mit welchem er jene erzwingen wollte, wurde jedoch auf Albrechts Befehl 1471 im Bad ergriffen und in der Neuen Feste zu München gefangen gesetzt, aus welcher er erst nach 19 Monaten auf Einsprache der Stände wieder entlassen wurde. Ein abermaliger Empörungsversuch

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