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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Christophskraut - Christusmonogramm.

krönen. Er herrschte mit Festigkeit und nicht ohne Einsicht, machte sich aber durch die Nachahmung der Napoleonischen Einrichtungen lächerlich, indem er einen Code Henri erließ und einen von den komischten Titeln und Hofämtern strotzenden Hofstaat einrichtete. Da er infolge wiederholter Aufstände immer grausamer regierte, brach im September 1820 eine allgemeine Empörung gegen ihn aus; als diese siegte, erschoß sich C. 8. Okt. selbst, um nicht seinen Feinden in die Hände zu fallen.

Christophskraut, s. Actaea.

Christophsthal, s. Freudenstadt.

Christópulos, Athanasios, neugriech. Dichter und Grammatiker, geb. 1770 zu Kastoria in Makedonien, erhielt seine Jugendbildung zu Bukarest und Konstantinopel, studierte in Pest Medizin, wurde Erzieher der Söhne des Fürsten Alexander Murusis der Walachei und unter seinem Nachfolger Karadschas mit der Redaktion eines neuen Gesetzbuchs für die Walachei betraut. Später lebte er in stiller Zurückgezogenheit seinen Studien teils in Griechenland, teils in den Moldaufürstentümern. Er starb im Januar 1847. C. hat sich besonders durch seine in anakreontischem Geist gehaltenen Liebes- und Trinklieder bekannt gemacht ("Ἐροτικά Βακχικά", Wien 1811-12 u. öfter), von denen eine Auswahl in deutscher Übersetzung von Boltz ("Lieder des Athanasios C.", Leipz. 1880) erschien. Wertlos ist seine Tragödie "Achilleus", unbedeutend auch seine neugriechische Paraphrase des ersten Gesangs der "Ilias" (neu herausgegeben von E. Legrand, Par. 1870). Seine grammatischen und dialektologischen Arbeiten sind trotz der lobenswerten Tendenz, der Volkssprache zu größerer Geltung zu verhelfen, verfehlt.

Christpalme, s. Ricinus.

Christpalmöl, s. v. w. Rizinusöl.

Christus, griech. Übersetzung des hebräischen Messias (maschiach), der Gesalbte, daher der Ehren- und Amtsname Jesu, der nach der Kirchenlehre vom Heiligen Geist zum König, Priester und Propheten gesalbt ist. Vgl. Christologie, Messias und Amt Christi.

Christusakazie, s. Gleditschia.

Christusbilder, Darstellungen von Christus durch die bildende Kunst. Die frühsten C. fanden sich nach Irenäus bei den Gnostikern, die vorgaben, solche von Pilatus her nach dem Urbild zu besitzen. Wahrscheinlich war das von Kaiser Alexander Severus in dessen Hauskapelle neben Abraham, Orpheus u. a. aufgestellte Christusbild dieser Art, ebenso das bei Eusebius 7, 18 erwähnte. Sonst bediente man sich nur des Monogramms vom Namen Christus und der Symbole, wie des Fisches (griech. ΙΧΘΥΣ), der gezeichnet oder geschrieben die Anfangsbuchstaben der Worte Ἰησοῦς Χριστὸς Θεοῦ Υἱὸς Σωτήρ (Jesus Christus, Gottes Sohn, Heiland) enthielt. Obwohl nach Jes. 52, 14 sich Justinus Martyr und Tertullian Christus häßlich, Origenes aber laut Psalm 45 schön vorstellten, blieb es anfangs beim Symbol, wozu dann Szenen des Neuen und Alten Testaments kamen, worin Christus, in römischer Form und Haltung, lehrend, Blinde und Gichtbrüchige heilend, den Lazarus erweckend, jugendlich und ohne Versuch von Porträt dargestellt oder im Isaak, Moses, Jonas, Daniel vorgebildet war. Gemälde und Sarkophage der Katakomben zeigen öfters "den guten Hirten" in der Tracht der Zeit. Laut Augustin und Eusebius hatte das 4. Jahrh. noch keinen bestimmten Typus für C. Bald aber weiß die Apokryphenlitteratur den auch von Eusebius 1, 14 erwähnten Briefwechsel zwischen Christus und König Abgar zu Edéssa mit einem angeblich in einem Brief wunderbar eingedrückten Bildnis Christi in Verbindung zu bringen, das, in Edessa aufbewahrt, später (944) nach Konstantinopel und dann nach Rom gekommen sein soll (s. Abgar). Danach schildert Johannes Damascenus im 8. Jahrh. das Bild Christi, womit der im 11. Jahrh. bekannt gewordene Bericht des Lentulus und die byzantinischen C. harmonieren, z. B. die in Ravenna und Rom, welche Christus mit kurzem, gespaltenem Bart, langem, in der Mitte gescheiteltem Haar und edlen Zügen darstellen. Die C. in den Katakomben des Pontianus und Calixtus stammen aus dieser Zeit. So bleibt der Typus in den Mosaiken, auf dem Smaragdbildnis, das Papst Innocenz VIII. aus Konstantinopel erhielt, das aber nicht vor dem 15. Jahrh. gefertigt war, und in Bilderhandschriften, bis Giotto im 13. Jahrh. ihn veredelt, Fiesole vertieft und Leonardo da Vinci im Abendmahl (zu Mailand) vollendet. Seit Giotto und der gleichzeitigen Skulptur an französischen Portalen erscheinen die künstlerische Auffassung und die Betonung der menschlichen Schönheit maßgebend, so daß jeder Künstler darin ein Ideal der Würde, Heiligkeit und Schönheit zu verkörpern sucht, wie Michelangelo, Raffael und Tizian. Die hervorragendsten C. der frühern Malerei sind von J. ^[Jan] van Eyck, Dürer und den Genannten, aus der Neuzeit von Thorwaldsen, Cornelius, Heinrich Heß, Schraudolph und Schlotthauer, denen der moderne Realismus besonders durch E. v. Gebhardt einen neuen, historisch-naturalistisch gebildeten Christustypus entgegengestellt hat. Einer andern Reihe von Christusbildern gehören die "Veronikabilder" an, wo das "Schmerzensangesicht" auf dem Schweißtuch erscheint, nach der Legende gleichfalls wunderbar entstanden und daher die andre Gattung der "Acheiropoieta" bildend, d. h. nicht von Menschenhand herrührend (s. Veronikabild). Vgl. Wilh. Grimm, Die Sage vom Ursprung der C. (Abhandlungen der Berliner Akademie 1842); Glückselig, Christusarchäologie (Prag 1862); Wessely, Ikonographie Gottes und der Heiligen (Leipz. 1874); Dietrichson, Christusbilledet (Kopenh. 1880); Hauck, Die Entstehung des Christustypus in der abendländischen Kunst (Heidelb. 1880).

Christusfisch, s. Sonnenfisch.

Christusmonogramm, die als Inschrift sehr häufig angewandte abgekürzte Bezeichnung des Namens Christi. Die ältesten Formen sind ein Schrägkreuz oder Χ und die Zusammensetzung der beiden Anfangsbuchstaben des Namens: Χ (Ch) und Ρ (R) und zwar in doppelter Weise, indem das Ρ mitten in das Kreuz hineingesetzt, dieses aber entweder liegend (×) oder stehend (+) genommen wurde, also ☧ oder ^[img] Mit der letztern Form nahe verwandt ist das ägyptische Henkelkreuz ^[img], das Zeichen des Lebens, das ägyptische Christen geradezu statt des Kreuzes gebrauchten. Die andre Form tritt seit dem 4. Jahrh. auf Grabdenkmälern und Grabgeräten auf und wurde von Konstantin d. Gr. auch auf das Labarum und die Schilde der Soldaten gesetzt. Schon sehr früh fügte man diesem Zeichen das Α Ω (A und O), später auch einen Olivenkranz oder die Taube des Heiligen Geistes hinzu. Neben diesen ältern Zeichen erscheinen seit Anfang des 12. Jahrh. auf Münzen und Bildwerken die Buchstaben XC und XPC oder XPS (d. h. die beiden ersten und der letzte Buchstabe des Wortes Christus) und die ähnliche Abkürzung des Namens Jesus: IH und IHC oder IHS. Letzteres Monogramm gelangte besonders zu Ausgang des Mittel-^[folgende Seite]

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]