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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Churchill; Churfirsten; Churfürst; Churros; Churrus; Churwalden; Churwelsch; Chusan; Chusistan; Chutbeh

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Churchill - Chutbeh.

Regionen und brachte 1863 auf die Londoner Ausstellung sein Bild: die Eisberge. 1868 besuchte er auch Europa, den Orient und Palästina.

Churchill (spr. tschörtschill), ein Fluß im brit. Nordamerika, entspringt unter dem Namen Biberfluß im westlichen Binnenland unter 54° 30' nördl. Br. auf der Landhöhe zwischen dem Nordzweig des Saskatschawan und dem Athabascafluß, durchströmt den Methyesee und dann unter dem Namen Missinippi in nordöstlicher Richtung die zur Hudsonbai sich senkende Ebene und darin die Seen Buffalo, La Crosse, Nelson und Indian Lake, nimmt endlich den Namen C. (auch English River) an und mündet nach einem Laufe von 1700 km bei dem britischen Fort C. in die Hudsonbai. Einer seiner Nebenflüsse führt ihm vom N. her die Gewässer des Deer- und des Wollastonsees zu. Wie alle Flüsse dieser Region, ist er voll von Stromschnellen, wird aber doch mit Booten befahren, welche bei den schwierigsten Stellen auf den sogen. Portagen über Land transportiert werden.

Churchill (spr. tschörtschill), 1) Charles, engl. Satiriker, geboren im Februar 1731 zui Westminster, wo sein Vater Prediger war, besuchte die Westminsterschule, studierte dann zu Oxford und nach einiger Unterbrechung, während welcher er sich in London verheiratete, in Sunderland Theologie und wurde nach seines Vaters Tode dessen Nachfolger. Durch eigne Schuld in drückende Verhältnisse geraten, schrieb er aus Not Satiren. Sein erstes Werk dieser Art, die "Rosciad" (1761), worin er die Schauspieler seiner Zeit, namentlich Garrick, verspottete, machte ihn bald berühmt und gefürchtet, zugleich aber auch übermütig. Sein unsittlicher Lebenswandel brachte ihn um Amt und Achtung. Politischer Vergehen verdächtig, sollte er endlich verhaftet werden, floh aber nach Frankreich und starb bald nach seiner Ankunft in Boulogne 4. Nov. 1764. Die bedeutendsten seiner Satiren sind außer der genannten: "Apology to the critical reviewers", durch eine schiefe Beurteilung seiner "Rosciad" veranlaßt; "The Ghost"; "The Farewell"; "The Conference"; "The Author" und "The prophecy of famine", letztere veranlaßt durch den Einfluß des schottischen Ministers Bute auf Georg III. Seine "Works" erschienen in 3 Bänden (Lond. 1774); seine "Poetical works" allein, mit Biographie und Noten, in 2 Bänden (das. 1804; in neuer Ausgabe von Bell, das. 1871). Churchills Satire ist beißend, aber ohne Adel der Seele und Charakterwürde, fast stets persönlich und, wo sie sich zum Allgemeinen erhebt, oft oberflächlich und matt.

2) Randolph Henry Spencer, Lord, dritter Sohn des Herzogs von Marlborough, engl. Politiker, geb. 13. Febr. 1849, studierte zu Oxford und wurde 1874 für Woodstock ins Unterhaus gewählt, wo er sich der konservativen Partei anschloß. Seit 1880 trennte er sich mit wenigen Freunden von seiner Partei und bildete die sogen. fourth party, deren Führer er wurde. C. und seine Freunde gehörten zu den Anhängern der extremsten konservativen Grundsätze auf dem Gebiet der Religion und Politik und bereiteten der liberalen Regierung durch ihre unermüdlichen und kühnen Angriffe viele Verlegenheiten. Aber auch die alte Torypartei bekämpfte er und suchte die Konservativen dadurch populärer zu machen, daß er sich für allgemeines Stimmrecht und staatssozialistische Ideen nach dem Muster Bismarcks erklärte. Auch gründete er zu diesem Zweck den Primelnbund (Primrose League), durch welchen auch Beaconsfields Andenken gefeiert werden sollte. Sein Ansehen nötigte die konservativen Parteiführer, ihn als Vorsitzenden des Nationalverbandes der konservativen Vereine anzuerkennen und ihm im Juni 1885 in ihrem Ministerium das Staatssekretariat für Indien zu übertragen.

Churfirsten, ein Felsgrat der St. Gallischen Voralpen, gekrönt mit wunderlichen Zacken, vom Spiegel des Walensees schroff aufgebaut, 2307 m hoch. Da man der Felszinken gewöhnlich sieben zählt, so spricht man auch von Sieben Kurfürsten, während freilich die Benennung den Bergfirst bezeichnet, der das einst rätoromanische Churer Gebiet von dem deutschen trennte. Dieses ganze Berggebiet ist von der St. Gallischen Regierung als "Freiberg", d. h. als unverletzliches Asyl der Gemsen, erklärt worden.

Churfürst, s. v. w. Kurfürst.

Churros (spr. tsch-), span. Schafe mit ganz grober, meist schwarzer Wolle.

Churrus, s. Haschisch.

Churwalden, Dorf im schweizer. Kanton Graubünden, 7 km südlich von Chur, an der Straße von Chur nach dem Oberengadin, 1212 m ü. M., als Luftkurort besucht, mit (1880) 820 Einw.

Churwelsch, das in einigen Gegenden Graubündens gesprochene romanische Idiom, s. Romanische Sprachen.

Chusan, chines. Insel, s. Tschouschan.

Chusistan (auch Arabistan genannt, das Susiana der Alten), pers. Provinz, grenzt südlich an den Persischen Golf, östlich an Farsistan, nördlich an Irak Adschmi und Luristan, westlich an das Tiefland des Euphrat und Tigris (Irak Arabi) und hat ein Areal von 101,480 qkm (1843 QM.). Der Norden und Nordosten der Provinz ist von zahllosen parallelen, von NW. nach SO. streichenden Gebirgsketten erfüllt, welche Hausknecht näher erforschte. Der Süden und Westen ist ebenes Alluvialland, aber nur fruchtbar, soweit er bewässert werden kann, im übririgen ^[richtig: übrigen] teils sandige Wüste, teils Sumpfgebiet. Hauptflüsse sind: der Seimerre (Kercha) und der Kuren, die beide in den Schatt el Arab fließen, der Ergun und Zab. Die Sommer sind heiß, die Winter mild, so daß auch die alten persischen Könige die Winter in Susa, dessen Ruinen unweit des heutigen Dizful liegen, die Sommer dagegen in dem höher und kühler gelegenen Ekbatana zubrachten. Schnee zeigt sich nur auf den Gipfeln der Berge; Regen herrscht von Dezember bis Ende März. Der schwärzliche Boden ist, wenn ihm durch künstliche Bewässerung die nötige Feuchtigkeit zugeführt wird, so fruchtbar, daß er jährlich zwei Ernten gibt und alle in Persien einheimischen Arten von Getreide und Obst hervorbringt. Zucker wurde früher sehr reichlich gezogen, Indigo wird auch jetzt noch gebaut, desgleichen Mohn, der berühmtes Opium liefert. Die Bevölkerung über deren Zahl nichts Genaues bekannt ist, und die in neuester Zeit durch Pest und Hungersnot furchtbar gelichtet wurde, besteht aus Tadschik, Luren, Turkmenen und Bachtijaren. Die bedeutendsten Städte sind: Schuschter, Dizful und Behbehan. S. Karte "Persien".

Chutbeh (arab., Kutbé, "Ansprache, Rede"), das öffentliche Gebet der Mohammedaner, welches Freitags beim Mittagsgottesdienst von der allein zu diesem Zweck dienenden Kanzel, dem Minber, durch einen besondern Geistlichen, den Chatib, verrichtet wird. Das C. kann nur in einer großen Moschee (Dschami) abgehalten werden (nur in einer solchen befindet sich ein Minber) und erst, nachdem der regierende Fürst des Landes vom Kalifen, d. h. vom Sultan der Türkei, dazu ermächtigt worden. Es zerfällt in vier Teile: das Lob Gottes (Hamdele), den

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]