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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cid Campeador

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Cid Campeador.

(bei Burgos) wurde dem Helden ein Denkmal gesetzt. Die beiden Töchter des C., Cristina und Maria, vermählten sich mit dem Infanten von Navarra, wodurch das Blut des Helden in das Königshaus von Kastilien kam, und mit Berengar von Barcelona. C. erscheint somit nicht als ein nach heutigen Begriffen edelgesinnter Charakter; allein zu seiner Zeit sah man in einer kriegerischen Erscheinung von höchster Energie, Tapferkeit und Klugheit, wie er sich darstellte, das Muster eines Helden, und so wurde er der ideale Grundtypus eines Nationalheros, welchen der Mund des Volkes und die Dichtung in der Folgezeit immer mehr verklärten. Daß er seinem Lehnsherrn untreu wurde, daß er den Mauren diente, that ihm in der Beurteilung seines Volkes bei dem Haß, den dieses gegen die unwürdigen Könige jener Zeit hegte, keinen Abbruch; es verehrte in ihm den ritterlichen spanischen Häuptling und liebte den ungerecht Verfolgten.

Das älteste der vorhandenen Gedichte, welche den Helden feiern, ist das "Poëma del Cid", das noch aus dem 12. oder aus dem Anfang des 13. Jahrh. stammt und offenbar aus Volksliedern hervorgegangen ist. Es trägt die Aufschrift: "Per Abbat le escribió en el mes de Maio en era de mill è CCXLV annos", nach unsrer Zeitrechnung 1207 (ob sich escribió auf die Abfassung oder nur auf eine Abschrift bezieht, läßt sich nicht entscheiden). Es wurde lange zu Vivar im Haus des C. aufbewahrt und 1779 von Sanchez in seiner "Coleccion de poesías castellanas anteriores al siglo XV" (Madr., 4 Bde.; neue Ausg. von E. Ochoa, Par. 1842), dann von Janer in der Ribadeneyraschen Sammlung "Poetas castellanos anteriores al siglo XV" (Madr. 1864) sowie neuerdings von Vollmöller (Halle 1879 ff., mit Glossar, nach der Madrider Handschrift) herausgegeben und von O. L. B. Wolff (Jena 1850) ins Deutsche übersetzt. Die Anfangsblätter des Gedichts in der einzigen bis jetzt entdeckten Handschrift fehlen, auch hin und wieder einzelne Verse. Es schildert den C. als Krieger, Gatten, Vater und Freund, gibt aber seine historische Gestalt schon sehr verändert wieder und stellt rauhe Züge seines Wesens schon wesentlich veredelt dar. Als hauptsächlichste Eigenschaft wird darin seine unbedingte Lehnstreue hervorgehoben. Dabei nimmt sich der C. dem König gegenüber des Volkes an und verteidigt dessen Rechte gegen die Granden. Verschieden von diesem "Poëma" ist die "Crónica rimada del Cid", welche, ein halbes Jahrhundert später entstanden, zuerst von Fr. Michel im 116. Bande der "Wiener Jahrbücher" herausgegeben wurde und nicht nur in Einzelheiten von der Erzählung des "Poëma" abweicht, sondern auch den Charakter des Helden in anderm Licht erscheinen läßt. Hier ist er der Repräsentant der Gesamtheit der Granden, die gegen die Idee einer absoluten Monarchie kämpften. Mehrere Jahrhunderte hindurch wechselten diese beiden Cid-Auffassungen, bis Kastilien ganz dem Monarchismus huldigen mußte, und damit wird der Cid-Typus des "Poëma" feststehend. So in der "Crónica general de España" aus dem Ende des 13. und in der "Crónica del Cid" aus dem 14. Jahrh. Die Lieder selbst, aus denen der Kunstdichter schon so früh ein Ganzes geschaffen, haben sich bis auf den heutigen Tag in sich immer verjüngenden Formen, den berühmten Cid-Romanzen, erhalten, deren älteste auf uns gekommene Gestalt zwar kaum über das 16. Jahrh. zurückreicht, deren Grundlagen und Urformen aber älter als das "Poëma" sein müssen. Sie gehören teils der Volks-, teils der Kunstpoesie an, und man darf daher in ihnen nicht die strenge Charaktereinheit des Helden suchen, weil sie sich in die beiden Haupttypen, die von ihm entstanden waren, teilen und in ihrer Gesamtheit das Bild desselben durch viele individuelle Züge vervollständigen. Da diese Gedichte alle im C. ein ritterliches Ideal aufzustellen suchen, zu der Ritterlichkeit des romantischen Zeitalters aber auch die Liebe gehörte, so erleidet auch die Darstellung der Jimena Veränderungen. Diese Romanzen vom C. erschienen zuerst gedruckt in den allgemeinen Romanzensammlungen, so die ältesten und echtesten in der "Silva de varios romances" (1550), im "Cancionero de romances" (1550), im "Romancero de Sepulveda" (1566) und danach in "Primavera y flor de romances" (hrsg. von Wolf und Hofmann, Berl. 1856); andre im "Romancero general" (1604) etc., dann in besondern Sammlungen, wie in der von Escobar (Alcala 1612; neueste Auflagen von Reguero, Madrid 1818 u. Frankf. 1828) und in der von Metge (Barcelona 1626); kritisch geordnet in Durans "Romancero de romances caballerescos é historicos" (Madrid 1832) und in dessen "Romancero general" (das. 1849-51, 2 Bde.); in besonderm Abdruck als "Romancero del Cid" herausgegeben von Keller (Stuttg. 1840, 2 Bde.), zuletzt und am vollständigsten von L. Michaelis als "Romancero del Cid" (Leipz. 1872). Die erste und bekannteste deutsche Bearbeitung der Romanzen ist die von Herder (1806), womit den Deutschen zuerst ein voller Blick in die Welt spanischer Dichtung eröffnet wurde. Indessen gibt diese Übertragung kein treues Abbild des Originals; der Herdersche C. ist ein in deutsch-humanistischer Gesinnungsweise aufgefaßter Held und zum größern Teil Übersetzung einer französischen Prosabearbeitung der Cid-Romanzen, die sich mit willkürlichen Änderungen und Hinzufügungen in der "Bibliothèque universelle des romans" von 1783 findet. Vgl. Köhler, Herders Cid und seine französische Quelle (Leipz. 1867); Vögelin, Herders Cid. Die französischen und spanischen Quellen zusammengestellt (Heilbronn 1879). Wirkliche Übersetzungen der echten Cid-Romanzen, nach Durans und Kellers Sammlungen, sind die von Duttenhofer (Leipz. 1841), Regis (Stuttg. 1842) und Eitner (Hildburgh. 1871). Französische Bearbeitungen erschienen von Creuze de Lessert (2. Aufl., Par. 1821), Renard (Burgos 1830, 2 Bde.) und Renal (Par. 1843, 2 Bde.), eine italienische von Pietro Monti (Mail. 1838). Nach den Romanzen dichtete Diego Jimenes de Ayllon eine schulgerechte Epopöe in 32 Gesängen (zuerst Antwerp. 1568); Guillen de Castro (gest. 1631) behandelte die Liebesgeschichte des C. und Jimenas dramatisch, und sein Stück ("Las mocedades del Cid", 1621; neu hrsg. von W. Förster, Bonn 1878) ist die Quelle von Corneilles berühmtem Drama "Cid". Historische Berichte über den C. finden sich in größerm Umfang erst seit dem 13. Jahrh. bei christlichen und mohammedanischen Geschichtschreibern. So besitzen wir eine wahrscheinlich aus dem Anfang des 13. Jahrh. stammende "Genealogia del Cid Ruy Diaz" und die von Risco im Kloster San Isidoro zu Leon entdeckte und im Anhang seines Werkes "La Castilla y el mas famoso Castellano" (Madrid 1792) abgedruckte lateinische Spezialchronik "Gesta Roderici Campidocti", welche zum Teil Sagenhaftes enthält. Noch mehr entstellt sind die den C. betreffenden Teile der auf Befehl Alfons' des Weisen verfaßten "Crónica general" und die von den Mönchen von Cardena herausgegebene "Crónica particular del Cid" (Burgos 1512 u. öfter; am besten von Huber, Marburg 1844). Früher noch erschien ein Auszug aus dem den C. betreffenden Teil der

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