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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Crimen; Crin végétal; Crinankanal; Crinoidĕa; Crinum; Crispalt; Crispi; Crispin; Crispīnus

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Crimen - Crispinus.

neralleutnant der spanischen Armee und nacheinander Generalkapitän von Navarra, Toledo und Cuenca. Nach der Restauration 1814 in die Acht erklärt, mußte er mit seiner Familie nach Frankreich fliehen, wo er als Generalleutnant 5. Jan. 1832 starb.

Crimen (lat.), Verbrechen; so z. B. C. ambitus, Amtserschleichung; C. attentatum, ein versuchtes, im Gegensatz zum vollendeten Verbrechen; C. barattariae, Bestechung; C. de residuis, Veruntreuung anvertrauten öffentlichen Gutes; C. falsi, Verbrechen der Fälschung; C. flagrans, offenbares Verbrechen, handhafte That; C. fractae pacis publicae, Landfriedensbruch; C. incendii, Brandstiftung; C. laesae majestatis, C. majestatis, Majestätsverbrechen; C. peculatus, Unterschleif; C. perduellionis, Hochverrat; C. repetundarum, Mißbrauch der Amtsgewalt zur Erlangung persönlicher Vorteile; C. sacrilegii, Kirchenraub; C. stellionatus, Betrug; C. vis, Gewaltthätigkeit.

Crinankanal (spr. krinnen-), Kanal in Schottland, 14 km lang, trennt den Bezirk Knapdale (nördlich von der Halbinsel Kintyre) von dem Festland Argylls und stellt dadurch eine direkte Verbindung zwischen Glasgow und dem zum Kaledonischen Kanal (s. d.) führenden Loch Linnhe her.

Crinoidĕa, s. Krinoideen.

Crinum L. (Hakenlilie), Gattung aus der Familie der Amaryllidaceen, Zwiebelgewächse der Tropenländer, mit in mehrere Reihen gestellten Blättern, großen Blütendolden, prächtigen, wohlriechenden Blüten und häutiger Kapsel mit wenigen eckigen Samen. C. amabile Don., in Ostindien, an der Küste von Koromandel, die prächtigste Art dieser an Schönheit so reichen Gattung, mit säulenförmiger, fast cylindrischer, 30-38 cm hoher Zwiebel, fast 2 m langen, bis 16 cm breiten, lineal-lanzettförmigen, ausdauernden Blättern, 1 m. hohem Schaft und reicher Dolde von 20-30 gestielten, bis 16 cm langen, wohlriechenden, purpurroten Blüten, deren Einschnitte weiß, auswendig purpurrot und zurückgerollt sind. Die Staubfäden und Griffel sind purpurrot. Von C. asiaticum L., in Bengalen und auf den Molukken, mit weißen Blüten, wird die Zwiebel bei Wunden, nach dem Genuß giftiger Fische und Krebse angewendet und bewirkt heftiges Erbrechen und starken. Schweiß. C. capense Herb., auf dem Kap, hat weiße oder blaßrote Blüten, ausdauernde Blätter, wächst sehr üppig in großen Töpfen, die in Kübeln voll Wasser stehen, auch an Teichen in warmer Lage. C. scabrum Sims., von St. Michael, mit rot gestreiften Blüten, s. Tafel "Zimmerpflanzen II".

Crin végétal (franz., spr. kräng wēschetal), vegetabilisches Ersatzmittel für Roßhaare, kommt von sehr verschiedener Beschaffenheit und Abstammung in den Handel. Ein wenig elastisches und auch nicht sehr dauerhaftes Material ist das Alpengras (s. Carex). Ungleich besser sind die gespaltenen Blätter der Zwergpalme, Chamaerops humilis, die als C. d'Afrique, C. Aversing aus Algerien exportiert werden. Man färbt das grünliche Material auch schwarz und verwendet es in Europa sehr allgemein. Ejoo, Gomuti-Fibre von der indischen Arenga saccharifera und die Kitool von Caryota mitis auf Réunion und C. urens in Indien sind schwarz und bleiben nach dem Abfall der Wedel als Rest der Gefäßbündel an den Stämmen der genannten Palmen zurück. Diese Fasern übertreffen die beiden ersten Materialien; aber weitaus das beste C. bildet die Caragate (Baumhaar), das Gefäßbündel der Luftwurzeln einer im tropischen Amerika auf Bäumen schmarotzenden Bromeliacee, Tillandsia usneoides. Die Faser wird 22 cm lang, steht an Elastizität und Festigkeit dem Roßhaar sehr nahe, bildet aber in Abständen von einigen Zentimetern verzweigte Fasern und entwickelt beim Verbrennen nicht den bekannten Geruch, welchen verbrennendes Haar gibt. Sie wird hauptsächlich von New Orleans exportiert.

Crispalt (s. v. w. Cresta alta, "hoher Grat"), ein südöstlicher Ausläufer der Glarner Alpen, 3080 m hoch. Neben ihm Piz Giuf (3098 m), der höchste Gipfel dieser Gruppe. Vor ihm, in das urnerische Reußthal vortretend, der Bristenstock (3075 m), eine Pyramide, welche sich, südlich von Amsteg, hoch über dem Eingang des vielbesuchten Maderanerthals aufbaut. Die Gruppe ist durch den Oberalppaß von dem Gebiet des St. Gotthard, durch den Kreuzlipaß vom Oberalpstock geschieden.

Crispi, Francesco, ital. Staatsmann, geb. 4. Okt. 1819 zu Ribera auf Sizilien, studierte in Palermo die Rechte, ließ sich in Neapel als Advokat nieder, nahm im Januar 1848 an dem Aufstand in Palermo hervorragenden Anteil und war bis zur Niederwerfung desselben 1849 Deputierter und Kriegsminister der revolutionären Regierung. Nach dem Sieg der bourbonischen Regierung flüchtete C. nach Frankreich. 1860 bereitete er die neue Erhebung Siziliens vor und bewog Garibaldi zu seiner Expedition nach Sizilien, an der C. teilnahm. Während Garibaldi erobernd vordrang, organisierte C. die Verwaltung und betrieb die Annexion an Italien. 1861 ward er in Palermo zum Mitglied des italienischen Parlaments gewählt, in welchem er Führer der konstitutionellen Linken und der Süditaliener wurde. Nach dem Sturz der Consorteria 18. März 1876 ward er zum Präsidenten der Kammer erwählt. Im Interesse des fortschrittlichen Ministeriums und Italiens unternahm er im Sommer 1877 eine Rundreise durch Europa, um Verbindungen zur Sicherung Italiens gegen die ultramontane Regierung in Frankreich anzuknüpfen; er besuchte Bismarck in Gastein und hielt sich im September längere Zeit in Berlin auf. Als Crispis Rival Nicotera, der durch sein Einschreiten in Sizilien die Süditaliener verletzt hatte, 16. Dez. gestürzt worden, ward C. 28. Dez. 1877 zum Minister des Innern ernannt; doch währte seine Herrschaft nicht lange. Denn seine Feinde denunzierten ihn im Februar 1878 wegen Bigamie, und wenn C. auch in dem deshalb angestrengten Prozeß freigesprochen wurde, weil die erste, 1855 in Malta geschlossene Ehe eines Formfehlers wegen ungültig war, so lastete doch auf C. eine so schwere moralische Schuld, daß er im März 1878 seine Entlassung nehmen mußte. Seitdem suchte er vergeblich durch unaufhörliche Ränke gegen die Ministerien der Linken, welche er wiederholt stürzte, wiederum einen Ministerposten zu erlangen.

Crispin (spr. -päng), komische Maskenrolle des französischen Theaters, ein Bedienter, der entweder durch Pfiffigkeit seinem Herrn in dessen Liebeshändeln förderlich oder durch Tölpelhaftigkeit hinderlich ist. Die Rolle des C. ward von Raimond Poisson um 1660 erfunden, und das diesem Darsteller eigentümliche Stottern gehörte später zu den Eigentümlichkeiten der Rolle, deren Blütezeit von 1677 bis 1730 dauerte, und die später auch in Deutschland Eingang fand.

Crispīnus, Heiliger, flüchtete mit seinem Bruder Crispinianus in einer Christenverfolgung nach Soissons, wo beide das Schuhmacherhandwerk betrieben, aber um 287 in einen mit geschmolzenem Blei angefüllten Kessel geworfen wurden. Sie sind die Patrone des Schuhmacherhandwerks. Bekannt ist die

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]