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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dalmatien

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Dalmatien (Geschichte).

Vgl. Petter, Das Königreich D. (Gotha 1857, 2 Bde.); Noë, D. und seine Inselwelt (Wien 1870); Schiff, Kulturbilder aus D. (das. 1875); Schatzmayr, D., geograph.-histor.-statist Beschreibung (Triest 1877); "Landeskunde des Königreichs D." (das. 1876); Swida, Das Königreich D. (Wien 1882); Stesanovicz-Vilovsky, Die Serben im südl. Ungarn, in D. etc. (Teschen 1884); Bidermann, Die Bestandteile des heutigen Königreichs D. (in der Wiener "Statist. Monatsschrift" 1885), und das seit 1871 in Zara erscheinende Jahrbuch "Manuale del regno di Dalmazia".

Geschichte.

Das alte D., ein Teil von Illyrien, erhielt seinen Namen von der Handelsstadt Delminium oder Dalmium, welche um 200 v. Chr. Hauptstadt eines eignen Gebiets (Dalmatia) zwischen dem Adriatischen Meer, dem Fluß Titius (Kerka) und dem Bebischen Gebirge wurde. Die Bewohner desselben, Dalmatä oder Dalmatii, die von der Jagd, Fischerei und Viehzucht, vorzüglich aber vom Raub lebten, gerieten wiederholt in Krieg mit den Römern, die, nachdem sie um 168 v. Chr. das jüngere Ardiäerreich unter dem König Gentius vernichtet und so das Land vom See bei Skutari (lacus Labeaticus) bis zum Naro (Narenta) unterworfen hatten, 156 ihre Herrschaft, wenigstens an der Küste, begründeten. 117 eroberte Metellus den Vorort Salona, und um 78 näherte sich die gänzliche Eroberung Dalmatiens ihrem Ende. Unter Cäsars Statthalterschaft über Gallien und Illyrien erhoben sich aber die Dalmatiner mit den übrigen Illyriern zur Bekriegung der mit den Römern verbündeten Liburner, vernichteten 50 ein von Cäsar gesandtes Heer sowie 48 v. Chr. 15 Kohorten und 3000 Reiter unter Gabinius und bequemten sich erst nach der Beendigung des Bürgerkriegs zu einem mäßigen Tribut. Nach Cäsars Tod verweigerten sie jedoch denselben wieder, und ihre völlige Unterjochung bewirkte erst Statilius Taurus 23 v. Chr. Befestigt wurde die Eroberung zuletzt durch die Unterdrückung des großen dalmatisch-pannonischen Aufstandes 10 n. Chr. Das Land bildete seitdem mit Liburnia und Iapydia die Provinz Illyricum. Römische Kultur verbreitete sich nun über das Land, Wein- und Ackerbau gewannen eine bis jetzt nicht wieder erlangte Ausdehnung, blühende Handelsstädte erhoben sich an den zahlreichen Buchten der Küste, und das Land lieferte dem römischen Heer die besten Soldaten, selbst einige Kaiser, wie den Diokletian. Bei der Teilung des römischen Reichs wurde D. zum occidentalischen Kaisertum geschlagen, aber schon nach dem Tode des Honorius mit dem orientalischen Kaisertum vereinigt, dessen Schicksal es nun mehr als ein Jahrhundert hindurch teilte. Um 481 finden wir Odoaker bemüht, das Land bei seiner italischen Herrschaft festzuhalten. Mit Einwilligung des Kaisers Zeno kam es 489 unter die Herrschaft des ostgotischen Königs Theoderich d. Gr. und bildete seit 491 einen Teil des ostgotischen Königreichs Italien, ward aber durch Belisar und sodann nach Totilas' Wiedereroberung durch Narses von neuem mit dem orientalischen Kaisertum vereinigt. Im 6. Jahrh. (insbesondere 569-598) nahmen die Avaren das Land in Besitz und behielten es bis zum Anfang des 7. Jahrh., worauf die kroatisch-serbischen Slawen das Binnenland und einen Teil der Küste einnahmen. Eine kurze Zeit gehörte der nordwestliche Teil von D. zum Reich Karls d. Gr., während Byzanz die Oberhoheit über die vorzugsweise romanischen Küstenstädte behauptete. Doch überwog auch da bald die nachbarliche Macht der kroatischen Fürsten im nordwestlichen, die der serbischen Slawen, namentlich der Narentaner, im südöstlichen Teil. Die Kroatenfürsten gerieten darüber mit Venedig in Streit, welcher zu gunsten der Kroaten endete, so daß der König Crescimir Peter seit 1052 den Titel eines Königs von D. annahm. König Demetrius von Zwonimir nahm seine Länder, also auch D., vom Papst Gregor VII. zu Lehen und behauptete sich gegen die vereinigten Byzantiner und Venezianer bis zu seinem 1089 erfolgten Tod. Mit seinem Nachfolger Stephan erlosch kurz nachher die Reihe der kroatisch-dalmatischen Nationalkönige, und D. wurde von nun an der Zankapfel aller benachbarten Reiche und der Tummelplatz der wildesten Oligarchie. König Wladislaw von Ungarn, Schwager des Königs von Kroatien und D., machte seine Ansprüche auf Kroatien geltend, wurde hier als Landesherr anerkannt, und sein Nachfolger Koloman eröffnete einen Krieg um den Besitz Dalmatiens mit Venedig, der nach den verschiedensten Wechselfällen, insbesondere im Zeitalter der ungarischen Anjous (1310-82), in den Jahren König Siegmunds durch den 1433 mit den Venezianern abgeschlossenen Waffenstillstand endete, wobei D. zwischen beiden Mächten geteilt wurde. Im Anfang des 13. Jahrh. wanderten die Morlaken (s. d.) in D. ein, und 1242 ward es von den Mongolen schwer heimgesucht. Dazu dauerten die Kämpfe zwischen Ungarn und Venedig fort, und seit 1462 begannen auch die Osmanen regelmäßige Unternehmungen gegen Kroatien und D., die zwar an den festen Städten scheiterten, aber dem offenen Land großen Schaden zufügten. Die Venezianer behaupteten sich indes in ihren dalmatischen Besitzungen und vergrößerten dieselben durch Eroberungen und Verträge mit der Türkei. Ragusa allein behauptete inmitten aller Kämpfe seine Unabhängigkeit und war selbst die 1203 eingegangene lästige Verbindlichkeit, seine "Grafen" oder "Rektoren" der Republik aus Venedig zu nehmen, bereits nach 150 Jahren wieder los geworden und verstand es, durch eine ungemein vorsichtige Haltung zwischen Ungarn, Venedig und der Pforte seinen Bestand zu erhalten. Im Karlowitzer Frieden 1699 trat die Pforte den südlichen Teil von D. an Venedig ab, welches die Dalmatiner so für sich zu gewinnen wußte, daß sie seine treuesten Unterthanen waren und aufs tapferste gegen die Türken kämpften, und während Venedig seine schönsten Besitzungen in der Levante den Türken überlassen mußte, vermochten diese mit aller ihrer Macht nicht, das kleine D. zu erobern. Venedigs Herrschaft in D. umfaßte seit den Friedensschlüssen mit der Pforte von 1671 und 1699: als vecchio acquisto (alte Erwerbung) alles bereits früher erworbene Küstengebiet, dessen Grenzlinie der Provveditore Nani unterhandelt hatte (daher linea Nani), und als nuovo acquisto infolge der Grenzregulierung durch den Provveditore generale Mocenigo (linea Mocenigo) einen großen Teil des Contado von Zara, einen Teil der Distrikte von Sebenico und Troni, die Distrikte Knin und Drenis, endlich Teile der Distrikte Scardona, Spalato, Siga, Almissa, Mucarsca ^[richtig: Macarsca] und Narenta. Der Friede von Passarowitz 1718 gab D. als venezianischem Besitz die Grenzen, welche es noch gegenwärtig hat, indem als acquisto novissimo der Rest der letztgenannten Distrikte des acquisto nuovo hinzukam. Beide zusammen bildeten das Bergland (il montano). Die aus der Zeit der einstigen Unabhängigkeit herrührenden Munizipalstatuten bildeten die Grundlage des Gemeindewesens. Der Repräsentant der höchsten gerichtlichen, politischen und militärischen Gewalt war