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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dalmatien; Dalmatika; Dalmatius; Dalmatow; Dalmellington; Dalou

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Dalmatien (Herzog von) - Dalou.

in jeder Stadt der von Venedig gesandte Conte-Capitano, welcher seinerseits unter dem in Zara residierenden Generalprovveditore der Provinz stand. Für Hebung des materiellen Wohlstandes sowie für Förderung der geistigen Bildung der Bewohner durch Schulunterricht geschah von seiten Venedigs äußerst wenig. Dennoch war die Trauer allgemein, als die Dogenrepublik infolge des Friedens von Campo Formio 12. Mai 1797 aufhörte und das bisherige venezianische D. unter österreichische Herrschaft kam. Im Preßburger Frieden (1805) mußte Österreich D. an Napoleon I. abtreten, der es nach Vertreibung der Russen zum Königreich Italien schlug. Nachdem er im Wiener Frieden (1809) auch noch den ungarischen Teil von D. erhalten, bildete er 1810 aus dem gesamten D. mit Hinzufügung der von Österreich auf dem rechten Ufer der Save abgetretenen Gebiete die sogen. illyrischen Provinzen seines Kaisertums. Im J. 1814 fiel D. an Österreich zurück und ward mit dem Ragusanischen und einem Teil von Albanien 1816 zu einem eignen Königreich erhoben. Von seiten der österreichischen Regierung geschah nun zwar etwas mehr für die materielle und geistige Hebung des Landes, doch wurden dadurch keine großen Sympathien gewonnen. Infolge der Ereignisse von 1848 ward D. dem Ban von Kroatien untergeordnet. Da jedoch in D. die slawischen Einwohner fast nur den niedern Ständen angehörten und politisch unmündig, die leitenden Personen im Landtag italienisch waren, so wollte D. von einer Verbindung mit Kroatien nichts wissen. Daher sprach der dalmatische Landtag den Wunsch aus, im Verband der deutsch-slawischen Provinzen zu bleiben, und beeilte sich, den Wiener Reichstag zu beschicken. Nur eine kleine Partei war slawisch gesinnt und verlangte in einer 9. Okt. 1861 dem Kaiser übergebenen Adresse wirklich die Wiederherstellung des "dreieinigen" Königreichs, für das sie in Bezug auf den österreichischen Staatsverband dieselbe Selbständigkeit beanspruchte, welche Ungarn bis zur Revolution von 1849 besessen. Daß indes die Einwohner weder wirklich zivilisiert noch innerlich mit dem Kaiserstaat verbunden waren, zeigte der Aufstand von 1869. Als nämlich die Regierung im Oktober 1869 eine allgemeine Landwehrrekrutierung ausführen wollte, erschien dies den Umwohnern der Bocche (Bucht) von Cattaro als ein Attentat auf ihre Freiheit; sie widersetzten sich mit bewaffneter Hand, vertrieben die Beamten, belagerten das Fort Dragalj und vernichteten ein gegen sie geschicktes Detachement. Auf ihren Bergen waren sie fast unangreifbar. Mehrere Regimenter wurden mit Verlust zurückgeschlagen, und die Insurgenten bekamen neuen Zuzug aus dem Innern des Landes sowie aus Montenegro. Erst dem General v. Rodich gelang es, durch Versprechung von Amnestie und Schadenersatz sowie der Freiheit von der Wehrpflicht die Bocchesen zu bewegen, die Waffen niederzulegen und sich zu unterwerfen, so daß im Februar 1870 die Ruhe wiederhergestellt war. Die Kaiserreise nach D. (im April und Mai 1875), welche den Anlaß zu einer Fülle örtlicher Ovationen darbot, erschien später, als die Okkupation Bosniens und der Herzegowina, dieser natürlichen Hinterlande Bosniens (1878), zur Wirklichkeit wurde, als Vorläuferin der großen Aktion Österreichs und galt überdies den Dalmatinern als Bürgschaft der Verwirklichung so mancher die materielle Lage des Landes betreffender Hoffnungen. Inzwischen hatte die slawische Partei in D. immer mehr Boden gewonnen und schließlich die Mehrheit im Landtag erlangt. Der Widerstreit der Parteien, der italienischen und slawischen Autonomisten und der Anhänger des kroatischen Ideals eines dreieinigen Königreichs: Kroatien, Slawonien, D. (Bosnien und Herzegowina eingerechnet), dauerte mit wechselnder Heftigkeit fort. Im Gefühl ihrer numerischen Überlegenheit und im Besitz der Mehrheit im Landtag, begann die kroatische Nationalpartei angriffsweise gegen die Italiener und Deutschen vorzugehen und die Schulen zu slawisieren. Auch brach 1881 im südlichen D., in den Bocche und der sogen. Krivoscie (s. d.) von neuem ein Aufstand wegen Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht aus, der erst 1882 unterdrückt wurde. Vgl. außer den ältern Geschichtswerken über D. von Bomann (Vened. 1778), Lago (Zara 1809), Kreglianovich-Albinoni (das. 1809); Cattalinich, Storia della Dalmazia (Zara 1835, 3 Bde.); Solitro, Documenti storici sull 'Istria e la Dalmazia raccolti e annotati (Vened. 1844); "Prospetto cronologico della storia della Dalmazia con riguardo alle provincie slave contermine" (2. Aufl., Zara 1878); Pacor, Die Operationen in den Bocche von Cattaro 1869 (Wien 1870).

Dalmatien, Herzog von, s. Soult.

Dalmatika, aus Dalmatien stammendes langes, weißes Oberkleid mit Ärmeln, der römischen Tunika ähnlich, ward in Purpur von den alten Kaisern getragen und vom Papst Silvester I. (um 320) als Amtskleid der Diakonen (daher auch diaconale genannt) eingeführt; ein seidener Überwurf mit kurzen Ärmeln, früher ganz geschlossen, so daß er über den Kopf angezogen wurde; jetzt an den Seiten mit einem tiefen Einschnitt (s. Figur). Die Farbe richtet sich nach den Vorschriften der Liturgie für die verschiedenen Fest- und Sonntage und nach den Verrichtungen an denselben. Eine ganz ähnliche weiße D. gehörte früher zu den Pontifikalgewändern des Bischofs und eine von dunklem violetten Seidenstoff zum Krönungsornat der deutschen Kaiser, z. B. die berühmte Kaiserdalmatika in der Sakristei der Peterskirche zu Rom.

^[Abb.: Dalmatika (Figur des 14. Jahrh.).]

Dalmatius (Delmatius), Neffe Kaiser Konstantins d. Gr., ward 333 zum Konsul, 335 zum Cäsar ernannt, erhielt bei der Teilung des Reichs durch Konstantin d. Gr. Illyricum, Makedonien und Griechenland, wurde aber 337 nach Konstantins Tod nebst sonst allen übrigen Verwandten der neuen Kaiser getötet.

Dalmatow, Stadt im russ. Gouvernement Perm, Kreis Schadrinsk, am Isset (zum Tobol), hat 2 Kirchen und ein befestigtes Kloster, Ziegelbrennereien, Gerbereien und Talgsiedereien und (1875) 4337 Einw. Die Stadt bildet einen bedeutenden Fleischmarkt; jährlich werden aus Sibirien 300-800,000 Pud Fleisch für die Arbeiter in den uralischen Minen, ferner Fische, Häute, Butter etc. herbeigeführt.

Dalmellington, Industrieflecken in Ayrshire (Schottland), mit 1515 Einw., Wollspinnerei, Decken- und Teppichfabrikation.

Dalou (spr. daluh), Jules, franz. Bildhauer, geb. 1838 zu Paris, trat mit elf Jahren in die Zeichen-^[folgende Seite]