Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Damaszieren; Dambach; Damböck; Dambowitza; Dame

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Damaszieren - Dame.

del parallel nebeneinander gelegt und zusammengeschweißt. Die erhaltene Stange wird in die Länge geschmiedet, in 2-3 Teile zerhauen, die man wieder aufeinander legt und zusammenschweißt. Dies Verfahren liefert nach öfterer Wiederholung einen Stab, in welchem Eisen und Stahl in sehr dünnen Lagen miteinander wechseln. Man macht denselben rotglühend, befestigt ihn mit einem Ende im Schraubstock und windet ihn schraubenförmig zusammen. Wird er dann wieder glatt geschmiedet, so kommen die Schraubenwindungen mehr oder weniger in eine gemeinschaftliche Ebene zu liegen, und beim Beizen erhält man viele symmetrisch gestellte kleine Figuren, deren Linien um so zarter sind, je mehr beim Schmieden die Metalle zu seinen Fäden ausgearbeitet wurden. Man umwindet auch Stahlschienen von 2,5-4 cm Breite und 1,5 mm Dicke in weiten Schraubenwindungen mit Eisendraht von 1,5 mm Dicke, drückt durch Hämmern im rotglühenden Zustand den Draht in die Stahlschienen, legt darauf mehrere so bearbeitete Schienen aufeinander, schweißt sie zusammen und zerteilt sie, nachdem man sie ausgestreckt, in mehrere Teile, welche abermals zusammengelegt, unter sich zusammengeschweißt und ausgeschmiedet werden. Schmiedet man aus diesem Material eine Klinge, so zeigt dieselbe nach dem Abschleifen beim Beizen mit Essig und Salpetersäure eine recht gute einfache, in ihrer Unregelmäßigkeit aber sehr vom Zufall abhängige Damaszierung. Man verwendet den D. S. zu Klingen und Gewehrläufen, welch letztere aus zusammengeschmiedeten Bändern von hartem und weichem Eisen (auch wohl von Stahl und Eisen) auf gewöhnliche Weise hergestellt werden. Der Materialaufwand zu diesen Läufen ist sehr groß wegen des höchst beträchtlichen Abbrandes bei den vielen Schweißungen; ein fertiger Lauf von 1-1,5 kg erfordert manchmal 50 kg rohes Stabeisen. - Beim echten D. S. kann man die Zeichnungen abschleifen und dann durch Beizen immer wieder von neuem hervorrufen, und dies Verhalten unterscheidet den D. S. von Nachahmungen, die auf viel einfachere Weise dargestellt werden. Man erhält z. B. glänzende, etwas erhabene Zeichnungen auf mattem Grunde (damaszierte Arbeit), wenn man auf einer fein polierten Stahlfläche alle Stellen, die blank bleiben sollen, mit einer Lösung von Ätzgrund in Terpentinöl bedeckt und den so vorbereiteten Stahl über eine Mischung von Kochsalz mit etwas Schwefelsäure hält. Die sich entwickelnden Dämpfe von Salzsäure beizen den freien Stahl matt, und wenn man dann den Ätzgrund abwäscht, so ist der Zweck erreicht.

Die sehr alte Herstellung des Damaszener Stahls scheint durch die Not veranlaßt worden zu sein, indem man aus Mangel an Stahl alte Eisenstücke zusammenschweißte. Herodots Kollesis bedeutete indes mehr eine Auflötung eines Metalls auf das andre, und der Erfinder dieses Verfahrens, Glaukos von Chios, kann daher nicht als Erfinder des Damaszierens genannt werden. Die zu Turin befindliche Isistafel ist eine Art Damaszierung. Später, als unter Domitian Waffenfabriken zu Damaskus angelegt wurden und dieses sich zu einem Haupthandelsplatz erhoben hatte, erhielt das Damaszieren seinen jetzigen Namen. Durch die Kreuzzüge kam eine große Menge vortrefflicher Stahlarbeiten nach Europa, wo man in jener kriegerischen Zeit bald bemüht sein mußte, auch dem einheimischen Fabrikat die Güte und Schönheit des ausländischen zu geben. Die meisten Versuche jener und der spätern Zeit lieferten indes kein genügendes Resultat. Vor allem mangelte den in Europa gefertigten Klingen der Damast, das sogen. Wasser, worunter man die regelmäßig wiederkehrenden, fast symmetrischen Figuren versteht. Erst in der Neuzeit ist es den Bemühungen von Clouet (1780-90), Bréant, Mille, Duc de Luynes (1835), Anosow (1844) und namentlich Crivelli (1820) gelungen, Nachbildungen zu erzeugen, welche den orientalischen Mustern weder in Güte noch in Schönheit der Form nachstehen.

Damaszieren, s. Damaszener Stahl. Man nennt Damaszierung (franz. damasquinure) auch das Einhämmern von Silber oder Gold in Metallarbeiten, besonders in Schwertklingen. Richtiger bezeichnet man diese Technik jedoch als Tauschierarbeit (s. d.).

Dambach, Stadt in Elsaß-Lothringen, Bezirk Niederelsaß, Kreis Schlettstadt, am Fuß des Wasgenwaldes und an der Eisenbahn Schlettstadt-Zabern, mit kath. Kirche, starkem Weinbau und (1880) 3132 Einw.; dabei die Schloßruine Bernstein. D. erhielt 1340 Stadtrecht.

Dambach, Otto, namhafter Rechtsgelehrter, geb. 16. Dez. 1831 zu Querfurt, studierte 1848-51 in Berlin, wurde daselbst 1853 Doktor der Rechte, 1856 Gerichtsassessor und war dann als Beamter der Staatsanwaltschaft beim Berliner Stadtgericht thätig, bis er 1862 als Justitiarius in das Generalpostamt berufen ward, bei welcher Behörde er noch jetzt die Stelle eines Geheimen Oberpostrats und ersten Justitiarius der Reichspost- und -Telegraphenverwaltung bekleidet. In dieser Stellung hat er an allen großen Entwickelungsphasen des deutschen Post- und Telegraphenwesens teilgenommen und namentlich das Reichspostgesetz vom 28. Okt. 1871 abgefaßt. 1873 wurde er zum außerordentlichen Professor der Rechte an der Universität Berlin ernannt, wo er über Strafrecht, Staatsrecht und Völkerrecht liest. Er schrieb: "Beiträge zu der Lehre von der Kriminalverjährung" (Berl. 1860); "Die Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes, betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken" (das. 1871); "Das Telegraphenstrafrecht" (das. 1872; ins Franz. übers., Bern 1872); "Das Gesetz über das Postwesen des Deutschen Reichs vom 28. Okt. 1871 erläutert" (Berl. 1872, 4. Aufl. 1881); "Das Musterschutzgesetz vom 11. Jan. 1876" (das. 1876); "Das Patentgesetz für das Deutsche Reich" (das. 1877); "Der deutsch-französische Litterarvertrag" (das. 1883). Mit Heydemann veröffentlichte er: "Die preußische Nachdrucksgesetzgebung" (Berl. 1863) und als Fortsetzung dazu: "Gutachten des königlich preußischen litterarischem Sachverständigenvereins über Nachdruck und Nachbildung aus den Jahren 1864-73" (Leipz. 1874). Auch bearbeitete er in Holtzendorffs "Handbuch des deutschen Strafrechts", Bd. 3-4, die Materie "Nachdruck und Nachbildung" (Berl. 1874-77).

Damböck, Marie, s. Straßmann-Damböck.

Dambowitza, Fluß, s. Dimbowitza.

Dame (franz.; ital. Dama, Donna, v. lat. domina, "Herrin"), Ehrentitel, der ursprünglich nur den adligen Frauen zustand und als Notre Dame sogar der Muttergottes gegeben wurde. Später setzte man meist das zueignende Fürwort ma (Madame) vor. Die Königin von Frankreich wurde Madame angeredet (hier also gleichbedeutend mit Majestät), und die königlichen Prinzessinnen Frankreichs hießen Dames oder Mesdames de France (weiteres s. Madame). D. d'honneur ist Bezeichnung einer Hofdame, welcher diese Würde aus Rücksicht auf ihren Stand oder den ihres Mannes verliehen ist (s. Ehrendame), wäh-^[folgende Seite]