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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dardanellengeschirr; Dardaner; Dardania; Dardanos; Dardesheim; Dardistan

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Dardanellengeschirr - Dardistan.

neuem bestimmt hatte, liefen im Februar 1878 dennoch englische Kriegsschiffe in das Marmarameer durch die D., um Konstantinopel vor einer Eroberung durch die Russen zu schützen. Der Berliner Friede vom 13. Juli 1878 legte dem Sultan von neuem die Pflicht auf, kein fremdes Kriegsschiff die D. passieren zu lassen.

Kleine D. heißen die beiden Schlösser am Eingang des Meerbusens von Lepanto, der den Peloponnes von Mittelgriechenland scheidet: Kastro Rumelias auf dem Festland und Kastro Moreas im Peloponnes.

Dardanellengeschirr, glänzend und farbenreich glasierte Fayencegefäße, welche an der Dardanellenküste und im Innern Kleinasiens für den Hausgebrauch verfertigt werden. Bemerkenswert sind darunter langhalsige Krüge mit blaugrüner, gelber und brauner Glasur und mit rohen Malereien, Vergoldungen und Reliefs. Hauptfabrikationsort ist Kutahia, wo die alte Fabrik, deren Blüte in das 14. und 15. Jahrh. fällt, wieder in Betrieb gesetzt worden ist.

Dardaner, illyr. Volksstamm in Obermösien an der obern Morawa. Ihr Gebiet ward von Diokletian zu einer besondern Provinz Dardania mit der Hauptstadt Naissus (Nisch) erhoben. D. hießen auch die Bewohner der mythischen Stadt Dardania am Fuß des Ida in Kleinasien (s. Dardanos) sowie die mit den Trojanern verbundenen Teukrer.

Dardania, Stadt, s. Dardaner.

Dardanos, im Altertum Stadt in der Landschaft Troas, am Hellespont zwischen Ilion und Abydos gelegen, Kolonie der Äolier. Hier im Peloponnesischen Krieg 411 v. Chr. Seeschlacht zwischen den Athenern und Peloponnesiern, später Friedensschluß zwischen Sulla und Mithridates, 84 v. Chr. Im Frieden mit Antiochos d. Gr. wurde die Stadt für frei erklärt. Von D. erhielten die Dardanellenschlösser ihren Namen.

Dardanos, nach der griech. Mythe ein Sohn des Zeus und der Elektra, einer der Töchter des Atlas, der mythische Stammvater der Dardaner (Troer) und durch Äneas auch der Römer. Sein Heimatsland war Arkadien, wo er mit seiner ersten Gattin, Chryse, die bei ihrer Vermählung von Pallas das Palladion und die Heiligtümer der großen Götter als Mitgift erhalten hatte, den Deimas und Idäos erzeugt haben soll. Des D. Bruder Iasos oder Iasion wird nach den einen vom Blitz erschlagen, nach andern von D. ermordet, was dann wieder dessen (zunächst wohl durch Wassers- und Hungersnot veranlaßte) Auswanderung über wild empörtes Meer, als Sühne, begründen muß. Auf der Wanderung war Samothrake für D. und Idäos nur Station. Auch von hier durch Überschwemmung vertrieben, wandten sie sich nach dem asiatischen Festland, wo D. am Fuß des Idabergs, vom König Teukros freundlich aufgenommen und durch die Gnade, die der Sohn bei der "idäischen" Göttermutter fand, nun aufs neue dem Schutz der Götter befohlen, die feste, noch in vorhistorischer Zeit zu Grunde gegangene Stadt Dardania gründete. Mit seiner zweiten Gattin, Bateia, der Tochter des Teukros, zeugte er den Zakynthos, den Erichthonios und den Ilos und ward so Stammvater des troischen Königshauses.

Dardesheim, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Halberstadt, mit evang. Pfarrkirche, Ackerbau und (1880) 1482 Einw.

Dardistan (Land der Dardu, früher Darada, s. Karte "Zentralasien"), Land in Hochasien, das im N. vom Karakorum (mittlere Paßhöhe 5550 m), im W. von der Gebirgskette, welche Tschitral im N. abschließt (mit Gipfeln bis 5594 m Höhe), im O. von der Gebirgskette zwischen dem Indus und dem Krischnaganga (Diamer, 8114 m), im NO. von den Landschaften Rongdo und Balti begrenzt wird. Das Land ist in viele Thäler zerlegt, deren mittlere Höhe zu 1500 bis 2000 m angenommen werden kann; erforscht ist nur das Thal von Gilgit bis Jassin durch Hayward, der hier 1870 ermordet wurde, dann von Hasora bis Gilgit durch Leitner, den die Regierung des Pandschab 1864 zu sprachlichen Untersuchungen dahin absandte. Der Reisende A. Schlagintweit wurde 1856 durch Aufstände in Gilgit am Vordringen nördlich von Hasora verhindert. Das Gilgitthal ist reich an Wein und Aprikosen, erzeugt auch vorzüglichen Weizen. Die Thäler zu beiden Seiten des Indus sind wahrscheinlich im Klima wie in Produkten dem nahen Tschitral ähnlich und mögen in geschütztern Lagen an fruchtbarem Ackerland wie Getreide keinen Mangel haben; die Bergflächen sind dagegen kalt und unbewohnbar. Gerühmt wird schon von den alten Geographen wie im indischen Epos der Goldreichtum, den neuere Nachrichten bestätigten. Abgeschlossen und nur auf wenigen Pässen zugänglich (die Reise von Srinagar, der Hauptstadt von Kaschmir, bis Gilgit erfordert 22 Tagereisen, von Skardo am Indus dahin 14 Tagemärsche), wurde D. langer Zeit als ein Sitz der Wunder und Heiligkeit betrachtet. Die Bevölkerung bilden die Dardu (Darada, von den angrenzenden Völkern Kandschut genannt, deren Hauptstamm sich selbst Schinaki oder Schinalok nennt), jetzt schiitische Muselmanen, im 3. Jahrh. v. Chr. Buddhisten. Arischen Stammes, sind sie breitschulterig, gut proportioniert, mit braunem, auch schwarzem Haar und braunen Augen. Thätig und ausdauernd, fassen sie schnell und haben scharfen Verstand. Sie kleiden sich in Wolle, eine wollener Sack dient als Mütze, die Füße werden mit Leder umbunden. Sie zeigen in den Lebensgewohnheiten und Sitten große Ähnlichkeit mit den Bewohnern des nördlichen Kaschmir; ihre Sprache ist aber merkwürdigerweise eine sanskritische, die in viele Dialekte zerfällt, mit Beimischung persischer Wörter. Auch zum Schreiben bedient man sich persischer Schriftzeichen. Die Dardu sind somit Arier, wie die Bewohner im Kuenlün und in Turkistan. Ihre Zahl kann nicht groß sein; selbst die Hauptorte, wie Gilgit, bestehen nur aus 200 Häusern. In politischer Beziehung zerfällt D. in so viele staatliche Gemeinschaften (Chanate), wie es Thäler gibt. Es werden eine Menge Namen genannt; die bedeutendsten dieser Gebiete sind die von Hasora, Gilgit und Jassin. Der Radscha von Kaschmir sucht sie unter seine Botmäßigkeit zu bringen und führt fortwährend Krieg gegen sie. Durchschlagende Erfolge sind noch nicht erzielt worden; doch wurden die Landschaften Gilgit wie Jassin von den letzten Reisenden durch kaschmirsche Truppen verwüstet gefunden. Gefährlich sind die Dardu den Karawanen, welche von Badachschan durch Wakhan nach Kaschgar gehen. Der Darkotpaß nach dem Oxus, längs des War Tschagam, wurde von Europäern noch nicht begangen; zum Transport größerer Massen, insbesondere für europäisches Militär, scheint dieser Paß russischerseits für gangbarer gehalten zu werden als die durch Tschitral dahin führenden und 1870-71 erforschten Pässe, denn "der nächste Weg aus Turkistan nach Indien (heißt es) führt die russische Armee durch Kaschmir". Vgl. Leitner, Results of a tour in D. etc. (Lahor 1867-70, 4 Bde.); "On the races and languages of D." (im Journal der Londoner