Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dejean; Dejektion; Dejerieren und Dejeration; Dejeuner; Dejizieren; Dejotărus

625

Dejean - Dejotarus.

liebenswürdigste Sünderin von Paris, die geistreichste und witzigste Salondame der Hauptstadt". 1869 erhielt sie von Napoleon III. eine Pension von 2000 Frank. Eine Sammlung ihrer stets treffenden, geistreichen Einfälle enthält das Buch "Le perroquet de D." Vgl. Lecomte, V. D. (Par. 1866), und Duval, V. D. (das. 1876). -

Ihr Sohn Eugène D., gest. 19. Febr. 1880 in Paris, hat sich durch eine Reihe von Operetten: "Un mariage en l'air" (1861), "L'argent et l'amour" (1863), "Monsieur de Belle-Isle" (1865) u. a., ihre Tochter Hermine (gest. 18. Dez. 1877) ebenfalls durch eine Komposition und als Sängerin bekannt gemacht.

Dejean (spr. döschāng), 1) Jean François Aimé, Graf, franz. General, geb. 6. Okt. 1749 zu Castelnaudary, diente unter Dumouriez in Belgien und wurde 1793 zum Kommandanten des Geniekorps und Direktor der Befestigungen, 1794 unter Pichegru zum Brigadegeneral und nach dem berühmten Rheinübergang in der Nacht vom 5. zum 6. Sept. 1795 zum Divisionsgeneral befördert. Von Bonaparte zum Staatsrat ernannt, erhielt er die Aufsicht über die Küsten von Bretagne. Nachdem er bei Marengo mitgefochten, war er als Präsident der Konsulta von Genua bei der neuen Organisation Italiens beschäftigt. 1802 wurde er zum französischen Kriegsminister ernannt und verwaltete dies Amt, bis ihm 1809, da man ihm die schlechte Verteidigung von Antwerpen zur Last legte, das Portefeuille genommen wurde. 1810 ward er zum Grafen, 1812 zum Senator ernannt und war Vorsitzender des Kriegsgerichts über die Generale Mallet, Lahorie und Guidal, bei welcher Gelegenheit er eine ehrenvolle Unabhängigkeit bewies. 1814 schloß sich D. den Bourbonen an, ward Pair und Gouverneur der polytechnischen Schule, trat aber 1815 wieder zu Napoleon I. über, verlor deshalb nach der zweiten Restauration seine Stelle als Pair, erhielt sie 1819 wieder, ward Generaldirektor in der Kriegsadministration, nahm 1820 seinen Abschied und starb 12. Mai 1824 in Paris.

2) Pierre François Aimé Auguste, Graf, Entomolog, Sohn des vorigen, geb. 10. Aug. 1780 zu Amiens, studierte anfangs Medizin, trat, noch sehr jung, in den Militärdienst, begleitete seinen Vater nach Holland und zeichnete sich später als Kommandeur eines Dragonerregiments in Spanien aus. Als Brigadegeneral focht er in fast allen Schlachten des russischen Feldzugs, ward 1813 Divisionsgeneral und 1814 zur Disponibilität gestellt. 1815 fungierte er bei Waterloo als Napoleons I. Adjutant; nach der zweiten Restauration ward er verbannt, kehrte aber 1818 nach Frankreich zurück, trat 1824 in die Pairskammer, 1830 wieder in den aktiven Dienst und machte den Feldzug in Belgien mit. Er starb 18. März 1845. Von Jugend auf eifrig mit dem Studium der Ornithologie und Entomologie beschäftigt, brachte er während seiner Feldzüge und seines Exils in Kärnten, Krain, Steiermark und Dalmatien sowie durch seine Verbindung mit fast allen Entomologen Europas eine Sammlung zu stande, die als die größte und reichste des Kontinents angesehen werden kann. Er lieferte 1821 einen systematischen Katalog der Käfer (2. Aufl. 1833-37) und schrieb: "Iconographie des coléoptères d'Europe" (Par. 1829 bis 1836, 5 Bde.) und "Species générales des coléoptères" (das. 1825-37, 5 Bde.; den 6. Band fügte Aubé hinzu), ein zwar unvollendetes, aber klassisches Werk. Mit M. Brisduval gab er heraus: "Histoire naturelle et iconographie des coléoptères d'Europe" (Par. 1828-38, 50 Lfgn.). Die Mehrzahl der von D. aufgestellten Spezies wie auch seine Änderungen im System haben allgemeine Anerkennung gefunden.

Dejektion (lat.), Ab- und Ausstoßung; D. aus dem Besitz, gewaltsame Entsetzung aus dem Besitz. In der Medizin bezeichnet man mit D. die Exkremente, den Auswurf, und was sonst vom Körper des Kranken stammt.

Dejerieren und Dejeration, s. Dejurieren.

Dejeuner (franz., spr. -schöneh), die erste Mahlzeit des Tags, das Frühstück, besteht in Deutschland in der Regel aus Kaffee oder Thee mit Weißbrot oder Kuchen, in Frankreich aus schwarzem Kaffee oder Schokolade, in England aus Thee mit Eiern und Fleisch. In Frankreich nennt man ganz speziell D. (déjeuner à la fourchette, Gabelfrühstück) diejenige Hauptmahlzeit, welche gegen 12 oder 1 Uhr genossen wird und aus einer oder mehreren warmen und kalten Speisen besteht. Dieses D. unterscheidet sich vom Mittagsessen, dem Diner, durch die Zahl und Art der Gerichte, namentlich aber durch die Art, wie es serviert wird. Man pflegt es ohne Tischtuch aufzutragen. Geschäftsleute dejeunieren in der Regel nicht in der Familie, sondern im Restaurant, da die Arbeits- und Geschäftszeit durch eine eigentliche Frühstückspause nicht unterbrochen wird. Déjeuner dînatoire (richtiger D.-dîner), ein größeres, feines Frühstück an Stelle eines Mittagsmahls. Der Unterschied von letzterm besteht darin, daß es zu früherer Stunde (zwischen 12-2 Uhr mittags) stattfindet, und daß die Gerichte in andrer Auswahl und Reihenfolge aufgetragen werden. D. dansant, ein Frühstück, an welches sich Tanz anschließt. Dejeunieren, frühstücken. - Le Déjeuner war auch Name eines Schriftstellervereins unter dem ersten Kaiserreich.

Dejizieren (lat.), herabwerfen; ausstoßen, aus dem Besitz vertreiben.

Dejotărus, Tetrarch (Vierfürst) von Galatien, erhielt wegen der wichtigen Dienste, die er den römischen Feldherren Sulla, Servilius Isauricus, Murena, Lucullus und Pompejus in den Kriegen in Asien geleistet, vom römischen Senat den Königstitel und die Herrschaft über Kleinarmenien und stand mit M. Cato, Pompejus, Cäsar, Crassus, den Brüdern M. und Quintus Cicero, M. Brutus u. a. in Verbindung. Im Bürgerkrieg zwischen Pompejus und Cäsar schloß er sich dem erstern an und zog ihm mit 600 Reitern zu Hilfe, trennte sich aber nach der Schlacht bei Pharsalus von Pompejus und begab sich nach Galatien zurück, wo er durch den Angriff des Pharnakes in größte Bedrängnis geriet. Als Cäsar 47 v. Chr. gegen Pharnakes zu Felde zog, wurde er von D. unterstützt, weshalb er denselben begnadigte, in seiner Königswürde bestätigte und ihm den größten Teil seines Reichs zurückgab. Cäsar hielt sich damals eine Zeitlang am Hof des D. in Lucejum auf, und da man bei diesem einen Groll gegen Cäsar wegen Verkürzung seines Besitzes voraussetzte, so benutzte auf Anstiften der Schwiegersöhne des D., Brogitarus und Kastor, des letztern Sohn Kastor diesen Umstand, um zu Rom 45 den D. anzuklagen, daß er Cäsar während seines Aufenthalts in Lucejum habe ermorden wollen, was nur durch den Eintritt unerwarteter Umstände verhindert worden sei. Cicero übernahm die Verteidigung des Angeklagten mit Geschick und brachte es wenigstens dahin, daß Cäsar die Sache fallen ließ. D. aber tötete aus Rache die Eltern Kastors. Cäsars Tod brachte eine neue Wendung in die Angelegenheiten des D. Er ließ der Fulvia, der Gemahlin des Antonius, eine