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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Deutschland

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Deutschland (Geschichte 1793-1799. Napoleonische Kriege).

Mainz und machten dem tollen Treiben der Mainzer Klubbisten ein Ende, worauf sie die Pfalz besetzten und gegen alle Angriffe der Franzosen behaupteten.

Während dieser Kämpfe nahm jedoch die Eifersucht zwischen Österreich und Preußen mehr und mehr zu. Das Projekt, Bayern gegen Belgien zu tauschen, billigte zwar der Berliner Hof, wies aber das österreichische Ansinnen, die 1791 an Preußen heimgefallenen Fürstentümer Ansbach und Baireuth abzutreten, entschieden zurück. Die Erbitterung Österreichs wuchs, als ihm der neue polnische Teilungsvertrag bekannt wurde, den Rußland und Preußen 1793 abschlossen, und durch welchen jenes einen großen Teil Litauens und Wolhyniens, dieses Danzig, Thorn und Südpreußen (Großpolen) erhielt, wogegen Österreich bloß die Zustimmung zum bayrisch-belgischen Ländertausch angeboten wurde, und das zu einer Zeit, wo Belgien nach den Niederlagen der Engländer bei Hondschoote (8. Sept.) und der Kaiserlichen bei Wattignies (16. Okt.) nur mit Mühe behauptet ward. Noch wurde zwar durch die Bemühungen Pitts die Koalition zusammengehalten und das finanziell erschöpfte, durch Verwickelungen in Polen bedrohte Preußen bewogen, gegen Zahlung von Subsidien durch die Seemächte ein Heer von 50,000 Mann unter dem Befehl Möllendorfs am Rhein zu lassen. Dieses siegte zweimal, im Mai und im September, bei Kaiserslautern über die Franzosen, beutete aber aus politischen Rücksichten diese Siege nicht zu energischem Vordringen in Feindesland aus, denn schon war Preußen im Osten in einen Krieg gegen die aufständischen Polen verwickelt. Die Österreicher wurden 26. Juni 1794 von Jourdan bei Fleurus geschlagen, und Thugut beschloß nun, Belgien ganz preiszugeben, dagegen durch engen Anschluß an Rußland Preußen bei der bevorstehenden letzten Teilung Polens zu überflügeln. Dies gelang ihm auch. Obwohl der König selbst das preußische Heer in Polen befehligte, vermochte er doch nicht der Empörung Herr zu werden. Erst den Russen unter Suworow glückte es, und Katharina II. war es wieder, die über Polens Schicksal entschied und es in einem besondern Abkommen mit Österreich (3. Jan. 1795) so teilte, daß dieses, obwohl es am Kampf gar nicht teilgenommen, Westgalizien, ein ebenso großes Gebiet wie das preußische, erhielt. Nun scheute sich Preußen auch nicht, den von Frankreich wiederholt angebotenen Separatfrieden von Basel 5. April 1795 abzuschließen. In demselben räumte es seine linksrheinischen Besitzungen Frankreich ein unter der Zusicherung, daß, wenn im allgemeinen Frieden der Rhein die französische Grenze werde, es durch geistliches Gebiet auf dem rechten Rheinufer entschädigt werden solle; unter seiner Vermittelung wurden die norddeutschen Fürsten in den Frieden eingeschlossen und das neutrale Norddeutschland durch eine Demarkationslinie von Süddeutschland getrennt. Der Baseler Friede war allerdings durch die finanzielle Erschöpfung Preußens in gewisser Hinsicht geboten, dennoch aber ein bedauerlicher Abfall von der deutschen Sache, ein Akt der Selbstsucht und feigen Schwäche, der durch Österreichs Ränke noch nicht gerechtfertigt war, und darum so verhängnisvoll für Preußen, weil es sich nebst den in seinem Machtbereich gelegenen Staaten in eitler Verblendung und kurzsichtigem Egoismus völlig von den allgemeinen Angelegenheiten zurückzog und sich in eine ganz falsche Vorstellung von seiner Macht und Sicherheit einwiegte, bis die Katastrophe von 1806 es aus seinem Traum aufschreckte. Die deutschen und europäischen Interessen auf dem Kontinent gegen Frankreich zu schützen, überließ Preußen an Österreich u. verzichtete damit auf seine Führerstellung in D. zu dessen gunsten.

Seit dem Winter 1794/95 im Besitz Hollands, das in eine "batavische Republik" umgewandelt worden, und nun auch am Niederrhein gegen einen Angriff gesichert, konnten die Franzosen 1795 mit zwei Heeren unter Pichegru und Jourdan in das rechtsrheinische D. vordringen und, nachdem sie von Clerfait über den Rhein zurückgeworfen worden waren, 1796 dies Unternehmen wiederholen. Zwar wurde Jourdan auch diesmal vom Erzherzog Karl bei Amberg (24. Aug.) und Würzburg (3. Sept.) besiegt und ebenso wie Moreau am Oberrhein zum Rückzug auf das linke Rheinufer gezwungen, auf welchem die Franzosen von dem durch unmenschliche Bedrückungen empörten Landvolk angefallen und verfolgt wurden. Inzwischen hatte aber Bonaparte die Österreicher aus Oberitalien vertrieben, alle Versuche, Mantua zu entsetzen, vereitelt, die Verbündeten des Kaisers in Italien zum Frieden gezwungen, dann Mantua erobert und trat Anfang 1797 seinen kühnen Zug in das Herz der österreichischen Erblande an, welcher den kaiserlichen Hof dermaßen einschüchterte, daß er 18. April zu Leoben in Steiermark einen Waffenstillstand mit Bonaparte schloß, der am 17. Okt. zu Campo Formio in einen definitiven Frieden verwandelt wurde. In diesem gab Österreich, Preußens Beispiel folgend, D. dem Sieger preis: das linke Rheinufer ward an Frankreich abgetreten und die Entschädigung der deutschen Fürsten, welche hier Gebiet verloren, durch säkularisiertes Kirchengut auf dem rechten Rheinufer ausgemacht; Österreich selbst erhob als Ersatz für die Niederlande auf Salzburg und einen Teil Bayerns Anspruch; für Mailand nahm es die durch einen Gewaltakt ihrer Selbständigkeit beraubte Republik Venedig nebst Istrien und Dalmatien an.

Seinen eignen Vorteil wahrte Österreich trotz fünfjähriger, meist unglücklicher Kämpfe; sein Gebiet rundete sich durch die neuen Gebietserwerbungen vortrefflich ab, und die deutschen Stände konnten sich über den Frieden von Campo Formio nicht beklagen, da sie teils gar nichts zu ihrer Verteidigung gethan hatten, teils mit der Unterwerfung unter Frankreich vorangegangen waren; so noch zuletzt im August 1796 die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden. Dennoch blieb es eine Schmach auch für Franz II., der ja noch immer die deutsche Kaiserkrone trug, daß er an der Vergewaltigung wehrloser kleiner Staaten sich selbst beteiligte und dem brutalen Sieger die Neuordnung der Dinge in D. überließ. Diese wurde auf dem Rastatter Kongreß verhandelt, der im Dezember 1797 zusammentrat. Hier gebärdeten sich die französischen Gesandten als die Herren Deutschlands: während sie außer dem linken Rheinufer auch eine Reihe fester Plätze auf dem rechten, wie Kehl, Mannheim und Kassel, forderten, nahmen sie die Bestimmung der zu säkularisierenden und mediatisierenden Stände und die Verteilung des zur Entschädigung bestimmten Gebiets in die Hand. Die Fürsten und Stände überboten sich in Erniedrigung und Demütigung vor den hochmütigen Gesandten.

Indes noch ehe die schwierige Verhandlung zu einem Resultat geführt hatte, brach Österreich sie ab und sprengte den Kongreß durch den an den französischen Gesandten verübten Mord (28. April 1799). Die ägyptische Expedition Bonapartes, welche durch die Vernichtung der französischen Flotte bei Abukir (1. Aug. 1798) von Europa abgeschnitten wurde, hatte nämlich England zur Bildung einer neuen Koalition veranlaßt, welcher Rußland, die Türkei, Neapel