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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutzia - Devay.

1673 bemächtigten sich die Kaiserlichen der Stadt, deren Festungswerke nach dem Nimwegener Frieden geschleift wurden. Zur Zeit der französischen Herrschaft hob sich D. sehr durch Schleichhandel. Seit 1816 ist es von der preußischen Regierung wieder befestigt worden. Unmittelbar bei D. liegt der aufblühende Ort Kalk (s. d.). Vgl. Bone, Das römische Kastell in D. (Köln 1880).

Deutzia Thunb. (Deutzie), Gattung aus der Familie der Saxifragaceen, kleine Sträucher in Japan und China, mit ganzen, fein gezahnten und mit sternförmigen Haaren bedeckten, gegenständigen Blättern und weißen, meist geruchlosen Blüten in endständigen Trauben oder doldentraubenförmigen Rispen. D. crenata S. et Z. (fälschlich als gracilis in den Gärten bezeichnet), ein prächtiger, 2 m hoher Strauch mit graugrünen, 5-8 cm langen Blättern, blüht ungemein reichlich in 8 und mehr Zentimeter langen Trauben und kommt in Gärten mit gefüllten, weißen und roten Blüten vor. D. gracilis S. et Z., ein niedriger, buschiger Strauch mit grünen, bis 5 cm langen Blättern, blüht ebenfalls reichlich in meist verästelten Trauben, ist etwas empfindlich in unserm Klima, läßt sich aber vortrefflich treiben.

Deux (franz., spr. dö), zwei; d. à d., je zwei; à d. mains, für beide Hände passend, zum Doppelgebrauch.

Deux-Ponts (spr. dö-pong), franz. Name von Zweibrücken.

Deux-Sèvres (spr. dö-ssähwr), franz. Departement, s. Sèvres.

Deva, 1) Stadt in der span. Provinz Guipuzcoa, an der Mündung des Flusses D. in den Viscayischen Meerbusen, mit (1878) 3267 Einw., kleinem Hafen und besuchten Seebädern. - 2) (Déva) Stadt im ungar. Komitat Hunyad (Siebenbürgen), Amtssitz des Komitats, an der Maros und der Bahn Arad-Karlsburg, mit Franziskanerkloster (seit 1710) und Oberreal-Lehrerpräparandie, hat ein großes Militärverpflegungsmagazin, Spital, (1881) 3935 ungarische und rumän. Einwohner, starken Wein- und Obstbau, ein ergiebiges Kupferbergwerk und ist Sitz eines Gerichtshofs. Dabei auf steilem Trachytberg die Ruinen eines alten, 1849 zerstörten Schlosses. - D. hieß im Altertum Dacopolis, lag in Dacien und war schon früh berühmt. König Decebalus soll hier begraben sein. Hier besiegte Johann Török 1555 die Türken. Ehemals war D. eine Festung, von welcher noch viele Schanzen in der Umgegend übrig sind.

Devalisieren (franz.), einem sein Felleisen (valise) nehmen, einen Reisenden seiner Habe berauben.

Devalvation (neulat.), die Herabsetzung des Nennwertes einer Geldsorte durch die Staatsgewalt (im Kurs gesunkenes Papiergeld, verschlechterte Münzen wie überhaupt solche, deren Nominal- und Metallgehalt voneinander abweichen). Dieselbe kam früher oft bei Scheidemünzen zum Nachteil der Besitzer vor. Devalvationstabellen, Tabellen mit der Angabe des wirklichen (Metall-) Wertes der Münzen nach dem geltenden Münzfuß.

Devânagarî (sanskr.), Benennung der Sanskritschrift ("Nagarischrift der Götter" oder "der Brahmanen"). Die ursprüngliche Bedeutung des Namens Nagari, mit dem mehrere indische Schriftarten bezeichnet werden, ist zweifelhaft; wahrscheinlich ist er von dem Sanskritwort nagara ("Stadt") abzuleiten und deutet vielleicht darauf hin, daß die Schreibkunst in Indien zuerst in Städten ausgeübt wurde. Diese Schrift besteht aus 50 (47) Buchstaben, worunter 37 Konsonanten und 13 Vokale, nebst einer großen Anzahl kombinierter Schriftzeichen, die durch die Verschlingung mehrerer aufeinander folgender Buchstaben entstehen; sie ist ihrem vorherrschenden Charakter nach eine Silbenschrift wie die semitische, aus der sie entstanden ist, und bezeichnet daher die Vokale in der Mitte des Wortes nur durch beigesetzte Haken u. dgl., wird aber von links nach rechts geschrieben wie unsre Schrift. Eigentümlich ist, daß niemals nach dem Schluß eines Wortes ein Absatz gemacht wird. Die von den indischen Grammatikern herrührende Anordnung der D.-Schrift ist eine streng systematische, indem die mit dem gleichen Organ ausgesprochenen Laute reihenweise zusammengestellt sind. Vgl. Schrift und Indische Sprachen.

Devancier (franz., spr. döwangssjeh), Vorgänger, Vorfahr; devancieren, einem vorangehen, ihn überholen; den Vortritt haben.

Devantière (franz., spr. döwangtjähr), Art Reitrock für Frauen, vorn und hinten geschlitzt.

Devastieren (lat.), verwüsten, verheeren; Devastation, Verwüstung; Devastator, Verwüster.

Devaux (spr. döwoh), Paul, belg. Staatsmann, geb. 20. April 1801 zu Brügge, betrat 1820 die advokatorische Laufbahn und nahm seitdem den lebhaftesten Anteil an den auf die politische Befreiung Belgiens gerichteten Bestrebungen. Als Mitredakteur des Oppositionsblattes "Politique" vertrat er die Idee der Union zwischen den Liberalen und den Katholiken gegen die Herrschaft der Oranier. Während der Revolution selbst vertrat er im Kongreß den republikanischen Tendenzen gegenüber die konstitutionelle Monarchie als das einzige Mittel zur festen Organisation Belgiens und entwarf mit Nothomb die Verfassung. Im zweiten Ministerium des Regenten Surlet de Chokier war er im März 1831 Staatsminister ohne Portefeuille, brachte die Ernennung des Prinzen Leopold zum König der Belgier vorzüglich mit in Anregung und wirkte im Juni 1831 als Kommissar bei der Londoner Konferenz wesentlich mit zur Beseitigung der Schwierigkeiten, welche sich der Annahme der Krone von seiten des Prinzen entgegenstellten. Nach der Erhebung desselben zum König der Belgier zog er sich von den Staatsgeschäften zurück und blieb nur noch Mitglied der Kammer der Abgeordneten. Im J. 1839, als es sich um die definitive Annahme der 23 Artikel handelte, erklärte sich D. im Nationalinteresse für die Annahme derselben. Gleichzeitig mit dem Aufkommen des Ministeriums Lebeau-Rogier 1840 gründete er die für den Liberalismus tonangebende "Revue nationale". 1863 unterlag er bei den Wahlen in Brügge dem katholischen Gegner und zog sich seitdem ganz vom politischen Schauplatz zurück. Er blieb bloß Mitglied des Gemeinderats von Brügge, bis er 1875 erblindete, und starb 30. Jan. 1880. Seit 1846 war er Mitglied der belgischen Akademie. Er schrieb: "Études politiques sur l'histoire ancienne et moderne et sur l'influence de l'état de guerre et de l'état de paix" (Par. 1875) und "Études politiques sur les principaux événements de l'histoire romaine" (Brüss. 1880, 2 Bde.). Vgl. Juste, Paul D. (Brüss. 1881).

Dévaványa, Markt im ungar. Komitat Jász-N. Kun-Szolnok, mit (1881) 17,619 Einw. (meist Reformierte) und starker Viehzucht.

Devay, Matthias Biro, Begründer der reformierten Kirche in Ungarn. Gebürtig aus Siebenbürgen, studierte er zu Krakau Theologie, trat ins Kloster und ging, vom Geiste der Reformation ergriffen, 1529 nach Wittenberg, woselbst er Luther nahetrat. Seit 1531 in Ungarn als Prediger für die Reformation wirkend, hatte er den vollen Haß der katholischen