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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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De Witt - Dextrin.

sich als Porträtmaler in seinem Vaterland bald ein großes Ansehen, so daß er eine umfangreiche Thätigkeit entfalten konnte. Er malte die Mitglieder der belgischen Königsfamilie, zahlreiche Aristokraten und Künstler in einem vornehmen, nach van Dyck gebildeten Stil und in geschmackvoller malerischer Auffassung. Ein Repräsentationsporträt Leopolds I. befindet sich im königlichen Museum zu Brüssel. Er starb 13. Mai 1880 daselbst.

De Witt, Johann, s. Witt.

De Witte, Johann, russ. Ingenieurgeneral und Architekt, geb. 17. (29.) Okt. 1790 zu Riga, erhielt seine Ausbildung in der Ingenieurschule und der Akademie der Künste zu Petersburg, nahm darauf Militärdienste und beteiligte sich am Krieg von 1812. Seine wichtigsten Bauwerke sind: das kaiserliche Militärhospital in Riga, der Umbau des dortigen Schlosses und die lutherische Kirche in Windau. Sein größtes Verdienst um die russischen Ostseeprovinzen hat er sich durch Errichtung des schön gelegenen und vielbesuchten Badeorts Kemmern erworben. Die dortigen sowohl als alle übrigen Bauten De Wittes zeichnen sich durch einen leichten, gefälligen und doch die klimatischen Verhältnisse Rußlands berücksichtigenden Stil aus. D. starb im August 1854 in Charkow.

Dewittsland, veralteter Name der Nordwestküste von Australien, vom Nordwestkap bis zur Roebuckbai, nach dem Seefahrer Willem de Witt, der mit Tasman 1644 die Küste zuerst besuchte.

Dewletschâh, pers. Gelehrter, s. Dauletschah.

Dewsbury (spr. djuhsbörĭ), uralte Stadt im südwestlichen Yorkshire (England), am Calder, hat (1881) 29,617 Einw. und ist Hauptsitz der Kunstwollindustrie in England. Es liefert namentlich Koltern, Militärtuch, Drogett und Teppiche. Paulinus, der erste Bischof von York, predigte hier 627. Dabei Soothill (10,400 Einw.), Batley (s. d.) und Liversedge (12,743 Einw.).

Dexel (Dachsbeil), ein Beil, dessen Blatt quer gegen den Stiel gestellt ist, dient zur Bearbeitung konkaver und horizontal liegender ebener Flächen.

Dexiographie (griech.), das Schreiben von der Linken zur Rechten; dexiographisch, so geschrieben.

Dexippos, 1) Herennios, Staatsmann, Feldherr, Rhetor und Geschichtschreiber im 3. Jahrh. n. Chr. bis um 280, Inhaber der höchsten Ehrenstellen zu Athen, erfocht 267 einen Sieg über die Athen bedrohenden Goten. Von seinen Schriften, unter denen besonders ein Abriß der ganzen Geschichte bis auf seine Zeit und die "Scythica", eine Beschreibung der Kriege mit den Goten, geschätzt waren, sind nur noch Fragmente vorhanden, vollständig herausgegeben von Mai im 2. Bande der "Scriptorum veterum nova collectio" (Rom 1825-27) und von Niebuhr im "Corpus scriptorum byzantinorum", Bd. 1 (Bonn 1829).

2) D. der Peripatetiker, peripatetischer griech. Philosoph, um 335 n. Chr., suchte, obgleich als Schüler des Iamblichos der neuplatonischen Philosophie zugeneigt, vornehmlich die Einwürfe Plotins ("Ennead.", 6, 1) gegen des Aristoteles Kategorienlehre zu widerlegen. Ein Dialog von ihm, früher nur in der lateinischen Übersetzung von B. Félicien (Par. 1549) bekannt, wurde im Original von Spengel (Münch. 1859) herausgegeben.

Dextĕra (dextra, nämlich manus, lat.), die Rechte, rechte Hand, Symbol der Treue und der Kraft; Dexterität, Geschicklichkeit, Gewandtheit.

Dextrāle (lat.), s. Armband.

Dextri (Destri, lat.), um Kirchen, Klöster etc. ein mit Kreuzen in Form eines X (Dex) abgesteckter Platz von 30 oder mehr Schritten, innerhalb dessen das Asylrecht galt.

Dextrīn (Dextringummi, Stärkegummi, Gommeline, künstliches Gummi, Dampfgummi) C6H10O5 ^[C_{6}H_{10}O_{5}], ein zur Gruppe der Kohlehydrate gehörender Körper von gleicher prozentischer Zusammensetzung mit Stärkemehl, Holzfaser (Cellulose) und Zucker, findet sich sehr verbreitet im Pflanzenreich, vielleicht in den meisten Pflanzensäften, besonders in denjenigen Pflanzenteilen, in welchen neue Zellen gebildet werden, so daß man es als den eigentlichen bildungsfähigen Pflanzenbestandteil, aus welchem zunächst die Zellhaut sich bildet, betrachten kann. Die Getreidesamen enthalten etwa 4-6 Proz. D., aber beim Keimen steigt diese Menge um die Hälfte und mehr. Auch im tierischen Körper ist D. weit verbreitet, und sehr reich daran ist das Pferdefleisch. Wie sich das D. in Pflanzen und Tieren bildet, weiß man nicht; aber sehr leicht entsteht es aus Stärkemehl beim Erhitzen auf 160-200°, und daher findet es sich in der Brotrinde. Noch leichter bildet es sich, wenn die Stärke vor dem Erhitzen mit sehr wenig Salpetersäure befeuchtet wurde, oder wenn man sie mit verdünnter Schwefelsäure kocht. Ebenso leicht bildet es sich bei Einwirkung der im Malz enthaltenen Diastase (s. d.) auf Stärkemehl; es entsteht daher in großer Menge beim Einmaischen in der Bierbrauerei und Branntweinbrennerei und ist auch ein Bestandteil des fertigen Biers. Zur Darstellung erhitzt man Stärkemehl in schräg liegenden, rotierenden eisernen Cylindern oder unter Umrühren in flachen eisernen Kasten auf etwa 200°. Das auf diese Weise erhaltene Röstgummi (Léiogomme, fälschlich Léiocome) ist bräunlichgelb und deshalb für manche Zwecke nicht recht geeignet. Ein ganz weißes, in Wasser vollkommen lösliches D. erhält man dagegen, wenn man Stärkemehl mit 0,2 Proz. starker Salpetersäure, die hinreichend verdünnt werden muß, befeuchtet, an der Luft, dann bei 80° trocknet, mahlt, siebt und etwa 1-1½ Stunden auf 100-110° erhitzt. Das Präparat ist äußerlich von Stärkemehl nicht zu unterscheiden und vollkommen frei von Salpetersäure. Bisweilen wird Getreide mit Wasser und sehr wenig Schwefelsäure erhitzt, die Lösung mit Kalk neutralisiert und nach dem Absetzen des schwefelsauren Kalks zur Sirupskonsistenz verdampft. Solchen Dextrinsirup (Gummisirup) erhält man auch durch Behandeln von Stärkemehl mit Malzauszug; doch bildet sich hierbei stets viel Traubenzucker, welcher die Haltbarkeit des Dextrins beeinträchtigt. Reines D. erhält man durch Erwärmen von Kartoffelstärkemehl mit Wasser und Oxalsäure im Wasserbad, bis Jodlösung eine Probe nicht mehr bläut. Dann wird die Lösung mit gefälltem kohlensauren Kalk neutralisiert, nach zwei Tagen filtriert und im Wasserbad verdampft. Das D. des Handels enthält etwa 60-72 Proz. reines D., 2-9 Proz. Zucker, 13-20 Proz. Unlösliches und 6-14 Proz. Wasser. Reines D. gleicht im Äußern dem arabischen Gummi, ist amorph, farb-, geruch- und geschmacklos, leicht löslich in kaltem Wasser, nicht in Alkohol und verdankt seinen Namen der Eigenschaft, die Ebene des polarisierten Lichts nach rechts (dexter) abzulenken, während arabisches Gummi sie nach links ablenkt. Durch Jod wird es schwach amarantrot gefärbt, verdünnte Säuren verwandeln es in Traubenzucker, und beim Kochen mit Salpetersäure entsteht Oxalsäure. D. ist nicht direkt gärungsfähig; wenn die Lösung aber zugleich Traubenzucker enthält, so zerfällt bei der Gärung ein großer Teil des Dextrins, wie der Zucker, in Alkohol und Kohlensäure. Man