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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dschemila - Dscherid.

Dschemila (Dschimila), merkwürdige Ruinenstätte in Algerien, in der Provinz Konstantine bei Setif, mit Resten eines Triumphbogens des Septimius Severus und des Caracalla, eines Theaters, Tempels, Forums u. a. D. ist das alte Cuiculum.

Dschemschid, mythischer König der Iranier (Meder und Perser), der das Volk von Norden her in das Land Iran führte, Ackerbau, Gottesdienst und Kultur begründete, so daß unter seiner Regierung ein paradiesischer Zustand herrschte, die Menschen einer ewigen Jugend genossen und weder Krankheit noch Plage kannten. Später wurde er übermütig, worauf sich sein Volk gegen ihn erhob und die Macht des Bösen auf Erden herrschend wurde. Die ursprüngliche Gestalt der Sage von D. liegt im Zendavesta vor, wo derselbe Jima Kshaeta ("König Jima") heißt und der König des goldenen Zeitalters ist, der mit goldenem Stachel die Erde spaltet und vergrößert, später aber, nachdem Kälte, Schnee und Eis über die Welt hereingebrochen sind, in einem abgeschlossenen Varem (Paradies) mit auserlesenen Menschen, Bäumen, Speisen und Tieren das selige Leben der Urzeit weiterführt.

Dschemsitschi Dschischishoy, reicher indischer Parse, geb. 15. Juli. 1783 zu Bombay, schwang sich durch außerordentliche Thätigkeit und Geschäftsklugheit vom armen Flaschenhändler in 20 Jahren zum Millionär empor und war sowohl in Bombay als in London, Amsterdam, Kairo, Madras, Ceylon, Java etc. als "Nabob der Börsen" bekannt. Wahrhaft großartig erscheint seine auf alle Konfessionen und verschiedene Nationen ausgedehnte Wohlthätigkeit. Die Summe aller von ihm und seiner Gemahlin für Stiftungen, Schulen, Straßen, Hospitäler, Parsitempel etc. gespendeten Ausgaben wird auf 15-24 Mill. Mk. veranschlagt. Er warb 1842 zum britischen Baronet erhoben, 1843 von der Königin durch Übersendung einer goldenen Medaille mit ihrem eignen Bild geehrt; starb 14. April 1859 in Bombay.

Dschengis-Chan ("der sehr mächtige Chan", eigentlich Temurdschi mit Namen), wurde im J. 1154 als Angehöriger des mongolischen Volksstammes geboren. Erst mit dem 40. Lebensjahr läßt ihn die Geschichte auftreten. Der erste Gegner von Bedeutung, über den D. im J. 1202 triumphierte, war Ong-Chan, Fürst des benachbarten Keraitstammes. Mit diesem folgte der Sturz der vereinzelten Türkenstämme der Ojuraz, Kungraz und Naiman. 1206 hatte sich D. bereits sämtliche Nomaden der Gobiwüste unterworden und wurde vom Kuritta, einer Versammlung von Mongolen, zum D. erklärt; er schlug seinen Sitz in Karakorum auf. Eine neue Gesetzgebung wurde nun von ihm erlassen, Aszan genannt, worin (mit Beibehaltung der traditionellen Gebräuche und Rechtsgewohnheiten) der Krieg als erste Pflicht aufgestellt war. Von den östlichen Uiguren entlehnte D. für seine Nomaden eine Religion und für ihre Sprache Schriftzeichen. Nun begann er 1211 seinen Siegeslauf als Eroberer. Er überstieg die Chinesische Mauer, erstürmte Peking, zwang den Kaiser von China zur Entrichtung eines Tributs, wandte sich hierauf gegen Westen, unterwarf die tatarischen Stämme und drang gegen den Charesmer Fürsten Sultan Mohammed vor (1218). Er teilte sein mächtiges, 600,000 Mann starkes Heer in vier Teile. Den ersten Heerhaufen befehligten seine Söhne Tschagatai und Oktai, und der Schlüssel Turkistans von Nordosten her, die Festung Otrar, fiel. Das zweite Armeekorps operierte mit gleichem Erfolg gegen Dschend. Es fiel 1219. Das dritte Korps nahm Binaket und Chodshent. Der vierte Heeresteil unter persönlicher Anführung von D. nahm Bochara 1220. Um Samarkand sammelten sich die vier Abteilungen wieder. Es fiel 1221. Transoxanien war somit gänzlich unterworfen. Mohammed war geflohen und starb 1220 auf einer kleinen Insel im Kaspischen Meer. Mit seinem Sohn Dschelal eddin, der noch einige Zeit heldenmütigen Widerstand leistete und sich persönlich durch einen Sprung in den Indus rettete, war die Dynastie der Charesmer vernichtet. Nach Dschengis-Chans Grundsatz, niemals mild zu sein, wurde das bisher blühende Land aufs greulichste verheert, die Städte wurden zerstört, die Einwohner und Schätze weggeführt. D. zog sodann nach Karakorum, seiner Hauptstadt, zurück. 1224 verteilte er sein Reich unter seine Söhne dermaßen, das China samt der Mongolei an Oktai, den er zu seinem Nachfolger bestimmte, fiel; Tschagatai erhielt den Teil von den uigurischen Küsten bis Charesm inklusive Turkistan und Transoxanien; Batu wurde Herr über Charesm, Descht-i-Kiptschak bis zum Derbenter Paß, während Tuli über Chorasan, Persien und Indien gesetzt wurde. Nachdem er noch 1225 den Herrscher von Tangut im innern Asien besiegt hatte, starb er im August 1226 über Entwürfen zu neuen Feldzügen ins südliche China. Wenigstens 5 Mill. Menschen haben durch ihn seinen Untergang gefunden, Zerstörung und Barbarei bezeichneten überall seine Spur. Das einzige bekannte Denkmal Dschengis-Chans ist eine in den Ruinen von Nertschinsk aufgefundene Granittafel mit einer mongolischen, von Schmidt in Petersburg entzifferten Inschrift; sie war als Denkmal seiner Eroberung des Königreichs Sartagol (Karakitai) 1219-20 aufgerichtet worden. Vgl. La Croix, Histoire du grand Genghizcan (Par. 1710); F. v. Erdmann, Temudschin der Unerschütterliche (Leipz. 1862); Vambéry, Geschichte Bocharas und Transoxaniens (Stuttg. 1873); Douglas, Life of Jenghiz-Chan (a. d. Chines., Lond. 1877).

Dschenne, Stadt, s. Dschinni.

Dschennet (arab.), das himmlische Paradies.

Dscherba, zu Tunis gehörige Insel an der südlichen Einfahrt in den Golf von Gabes (Kleine Syrte) und nur durch schmale Kanäle vom tunesischen Festland getrennt, 1100 qkm (20 QM.) groß mit 40,000 Bewohnern (7/8 Berber, der Rest Juden). Das Land ist außerordentlich fruchtbar und mit Gärten bedeckt, zwischen welchen fünf Ortschaften liegen, darunter als die bedeutendste Es Suk, der Wohnsitz einiger europäischer Kaufleute. Die Küsten werden durch sechs alte Schlösser verteidigt. Hauptprodukte sind: vorzügliches Olivenöl, Datteln non mittelmäßiger Qualität, feine Wollzeuge; Ackerbau und Fischerei (Schwämme) werden lebhaft betrieben. Die Berber zerfallen in zehn Stämme, jeder unter einem Oberhaupt, das die tunesischen Behörden bei jeder Gelegenheit zu konsultieren haben. Die Juden wohnen in besondern Quartieren (Harras). D. ist die Insel der Lothophagen ^[richtig: Lotophagen] (Lothophagitis), von deren alter Hauptstadt Meninx noch sehr bedeutende Trümmerreste und Marmorskulpturen erhalten sind. Bei Es Suk befindet sich ein 1284 errichtetes spanisches Kastell; eine aus den Schädeln 1516 hier verunglückter spanischer Soldaten und Seeleute des Admirals Garcia errichtete Pyramide wurde auf Andringen der europäischen Konsuln 1837 entfernt. Vgl. v. Maltzan, Reise in den Regentschaften Tunis und Tripolis, Bd. 3 (Leipz. 1870); Exiga-Kayser, Description historique de l'île Djerba (a. d. Arab., Par. 1885).

Dscherid, s. Schott Dscherid.

Dschērid (Dschirid, arab.), Art Wurfspieß; D.-ojuno, eine Art Lanzenspiel, bei welchem der Reiter