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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dumesnil; Dumfries; Dumfriesshire; Dümichen; Dumka; Dummheit; Dummkoller

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Dumesnil - Dummkoller.

Gibon et Mad. Pochet" (1832). Unter seinen archäologischen Schriften ist am verbreitetsten die "Notice des monuments exposés dans le cabinet des médailles" (1825 u. öfter). Von Interesse ist seine Sammlung französischer Lieder: "Chansons nationales et populaires de la France" (1845, neue Ausg. 1866) mit einer Geschichte der französischen Chansons. Außerdem sind zu erwähnen: die satirische Schrift "Le coup de fouet" (1802); "Poésies diverses" (1822); einige Romane etc.

Dumesnil (spr. dümänil), Marie Françoise Marchand, berühmte franz. Schauspielerin, geb. 7. Okt. 1711 in der Nähe von Alençon, Tochter eines vermögenslosen Edelmanns, zog zuerst mit wandernden Schauspielertruppen in der Provinz umher, bei denen sie Rollen im leichten Genre spielte, debütierte dann (1737) als Klytämnestra am Théâtre français in Paris mit großem Erfolg und wirkte seitdem nur in hochtragischen Rollen, wie Medea, Merope, Kleopatra, Athalia, Semiramis, Agrippina etc., wozu sie in hervorragender Weise beanlagt war. Sie wurde bereits nach Jahresfrist Societärin des genannten Theaters, zog sich 1776 von der Bühne zurück und starb, 90 Jahre alt, 20. Febr. 1803 in Boulogne. Sie hinterließ "Mémoires", welche A. Coste d'Arnobat (Par. 1803) herausgab.

Dumfries (spr. dommfrihs), Hauptstadt der nach ihr genannten schott. Grafschaft, am Nith, 10 km oberhalb dessen Mündung, aber mit der Flut Schiffen von 150 Ton. zugänglich, hat eine Kunstschule, Fabrikation von wollenen und Strumpfwaren und (1881) 17,092 Einw. Zum Hafengebiet gehören 35 Seeschiffe von 3304 T. Gehalt. Der direkte Verkehr mit dem Ausland ist unbedeutend. Der Dichter Burns starb hier und liegt im Kirchhof von St. Michael's begraben.

Dumfriesshire (spr. dommfrihs-schir), Grafschaft im südwestlichen Schottland, am Solway Firth gelegen, 2774 qkm (50,4 QM.) groß. Sie besteht aus drei nach ihren dem Solway Firth zuströmenden Flüssen genannten Thälern: Nithsdale, Annandale und Eskdale. Während die Küstengegenden eben sind, füllen das Innere unbewaldete, aber weidereiche Gebirge, deren Gipfelpunkt der Hartfell (708 m) ist, und die das Land gegen kalte Nordwinde schützen. Die Bevölkerung zählte 1881: 76,140 Seelen. Von der Oberfläche sind 21 Proz. Ackerland, 13 Proz. Weide, 4,6 Proz. Wald. Die Viehzucht (1884: 53,590 Rinder, 506,882 Schafe, 12,924 Schweine) ist bedeutend. Eisen und silberhaltiges Blei werden gewonnen. Die Industrie bringt wollene und baumwollene Waren, Strumpfwaren und Leder hervor. Hauptstadt ist Dumfries.

Dümichen, Johannes, Ägyptolog, geb. 15. Okt. 1833 zu Weißholz bei Groß-Glogau, studierte 1852-1855 in Berlin und Breslau Theologie und Philologie, nahm dann eine Erzieherstelle in einer schlesischen Familie an und faßte hier den Entschluß, sich der Ägyptologie zu widmen, zu welchem Zweck er 1859-62 in Berlin unter Lepsius' und Brugsch' Leitung studierte. Im Oktober 1862 unternahm er seine erste ägyptische Reise, welche er bis nach Nubien und einem Teil des Sudân ausdehnte. Erst im Oktober 1865 mit einer reichen Ausbeute von Kopien bis dahin unbekannter Inschriften und Monumente zurückgekehrt, trat D. 1868, diesmal auf Anlaß des Königs von Preußen, eine zweite Reise nach dem Nilthal an, die besonders fruchtbar durch Mitwirkung der ihm zur Verfügung gestellten photographischen Abteilung der Sonnenfinsternisexpedition wurde. Es folgten ihr noch eine dritte und vierte Reise (1869) bei Gelegenheit der Einweihung des Suezkanals, nach welcher D. neben Lepsius sich dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm als Reisebegleiter und Exeget durch Ägypten anschloß. Während des deutsch-französischen Kriegs befand sich D. in Frankreich; 1872 wurde er als Professor der Ägyptologie an die Universität zu Straßburg berufen, welche Stellung er noch gegenwärtig bekleidet. Die von D. veröffentlichten Werke enthalten meist hieroglyphische Inschriften, welche er auf seinen Reisen gesammelt hat. Es sind: "Bauurkunde des Tempels von Dendera" (Leipz. 1865); "Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler" (das. 1865-85, 4 Bde.); "Altägyptische Kalenderinschriften" (das. 1866); "Altägyptische Tempelinschriften" (das. 1867, 2 Bde.); "Die Flotte einer ägyptischen Königin" (Prachtwerk, das. 1868; auch in englischer Ausgabe erschienen); "Historische Inschriften altägyptischer Denkmäler" (das. 1867-1869, 2 Bde.); "Der ägyptische Felsentempel von Abu Simbel" (Berl. 1869); "Eine altägyptische Getreiderechnung" (das. 1870); "Resultate einer archäologischen Expedition" (mit Beiträgen von Graser und R. Hartmann, das. 1869); "Photographische Resultate einer archäologischen Expedition" (das. 1871); "Die erste bis jetzt aufgefundene sichere Angabe über die Regierungszeit eines ägyptischen Königs" (Leipz. 1874); "Baugeschichte und Beschreibung des Denderatempels" (mit 59 Tafeln, Straßb. 1877); "Die Oasen der Libyschen Wüste" (das. 1878); "Die kalendarischen Opferfestlisten von Medinet-Habu" (Leipz. 1881); "Der Grabpalast des Patuamenap in der thebanischen Nekropolis" (das. 1884-85) und "Geschichte des alten Ägypten" (Berl. 1878 ff.). Außerdem hat D. zu dem bekannten Prachtwerk "Karl Werners Nilbilder" den Text geschrieben und ist Verfasser zahlreicher Artikel in der "Zeitschrift für ägyptische Sprache".

Dumka (russ.), eine Gattung von Volksliedern, die in Kleinrußland unter Begleitung der Bandura und Kobsa gesungen werden. Sie sind zum Teil sehr alt und haben vorzugsweise die Kämpfe der Kosaken mit den Türken und Tataren oder Szenen aus dem Familienleben zum Inhalt.

Dummheit, die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen richtige Schlüsse zu ziehen. Dieser Mangel beruht zum Teil auf Unkenntnis von Thatsachen, welche zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, zum Teil aus mangelhafter Schulung des Geistes, zum Teil auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen. Jedenfalls ist die D. ein Fehler, der noch innerhalb der Grenzen der normalen Seelenthätigkeit liegt und deshalb von der krankhaften Geistesschwäche (s. d.) oder dem ausgesprochenen Mangel an richtiger Gedankenverknüpfung, wie er der Idiotie oder dem Blödsinn zukommt, unterschieden werden muß.

Dummkoller, ein bei Pferden ziemlich häufig vorkommendes fieberloses und chronisches Gehirnleiden, welches sich durch Störung der Verstandesthätigkeit, Verminderung des Gefühls in der äußern Haut und Unregelmäßigkeit der Körperbewegungen zu erkennen gibt. Dumme Pferde achten wenig auf ihre Umgebung und stehen oft wie im Schlaf, nicht selten mit unregelmäßig gestellten Füßen, oder sie nehmen eine lauschende Stellung an, zeigen dabei jedoch ein sehr unregelmäßiges Ohrenspiel; sie hören wenig oder gar nicht auf den Zuruf zum Herumtreten etc., lassen sich auch an der Halfter oder dem Zügel nur schwer hin- und herführen und noch schwerer oder gar nicht zurückschieben. Gibt man den Füßen unregelmäßige Stellungen, indem man z. B. die Vorderfüße kreuzt,