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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ebert; Eberty; Eberwein

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Ebert - Eberwein.

mühlen und Dampfziegeleien, Schiffahrt, Handel mit Holz, Getreide und Steinkohlen und (1880) 11,524 Einw. E. ist Sitz eines Amtsgerichts (mit Strafkammer), eines Hauptsteueramts, einer Forstakademie und eines Gymnasiums. Es erhielt Stadtrechte um 1257. In der Nähe die ansehnlichen Papierfabriken Spechthausen und Wolfswinkel, ein der Mansfelder Gewerkschaft gehöriger Kupferhammer und ein Eisenwerk. 9 km nordöstlich das ehemalige Cistercienserkloster Chorin (s. d.). Vgl. Bellermann, Beschreibung der Stadt Neustadt-E. (Berl. 1829); Danckelmann, Die Forstakademie E. 1830-1880 (das. 1880).

Ebert, 1) Johann Arnold, Dichter und Übersetzer, geb. 8. Febr. 1723 zu Hamburg, bezog 1743 die Universität Leipzig, um Theologie zu studieren, wandte sich aber bald den philologischen Studien zu. Dem Kreis der "Bremer Beiträge" angehörig, versuchte er sich auf Anregung Hagedorns als Nachdichter griechischer Skolien und ward dadurch der Vorläufer der Halberstädter Poetenschule, schrieb poetische Episteln und vermischte Gedichte und förderte, im heilsamen Gegensatz zur unbedingten Mustergültigkeit französischer Litteratur, in weitern Kreisen das Interesse an englischer Dichtung. Mit Giseke und Cramer gab er die Wochenschrift "Der Jüngling" (1747) heraus. Im J. 1748 erhielt er eine Lehrerstelle an dem Carolinum zu Braunschweig, ward 1753 ordentlicher Professor, später Hofrat; starb 19. März 1795. E. lieferte mehrere Übersetzungen, namentlich von Glovers "Leonidas" (1749) und Youngs "Nachtgedanken" (Braunschw. 1760-71, 4 Bde.; 2. Aufl., Leipz. 1790-95, 5 Bde.). Seine "Episteln und vermischten Gedichte" erschienen Hamburg 1789; einen zweiten Teil mit Eberts Leben gab Eschenburg (das. 1795) heraus. Bekannt ist Klopstocks Ode an ihn.

2) Friedrich Adolf, Bibliograph, geb. 9. Juli 1791 zu Taucha bei Leipzig, war nach beendigtem Gymnasialkursus mehrere Jahre Amanuensis an der Leipziger Stadtbibliothek, studierte von 1808 an in Leipzig und Wittenberg Theologie, mehr noch historische Wissenschaften und erhielt 1814 die Sekretärstelle an der königlichen Bibliothek zu Dresden, deren "Geschichte und Beschreibung" (Leipz. 1822) er herausgab. Im J. 1823 als Bibliothekar nach Wolfenbüttel berufen, kehrte er schon nach zwei Jahren in gleicher Stellung nach Dresden zurück, ward wenige Monate später Privatbibliothekar des Königs, 1828 Oberbibliothekar daselbst und starb 13. Nov. 1834. Von seinen Werken nennen wir noch: "Torquato Tassos Leben und Charakteristik, nach Ginguené dargestellt" (mit ausführlichen Ausgabenverzeichnissen, Leipz. 1819); "Die Bildung des Bibliothekars" (das. 1820); "Allgemeines bibliographisches Lexikon", der erste Versuch dieser Art in Deutschland (das. 1821-1830, 2 Bde.); "Zur Handschriftenkunde" (das. 1825 bis 1827, 2 Bde.); "Kulturperioden des obersächsischen Mittelalters" (Dresd. 1825); "Überlieferungen zur Geschichte, Litteratur und Kunst der Vor- und Mitwelt" (das. 1825-27, 2 Bde.) u. a.

3) Karl Egon, Dichter, geb. 5. Juni 1801 zu Prag, studierte daselbst die Rechte, ward bereits 1825 Archivar und Bibliothekar des Fürsten von Fürstenberg zu Donaueschingen, später Archivdirektor, Konferenzrat und fürstlicher Güteradministrator, lebte teils in Donaueschingen, teils auf den böhmischen Besitzungen des Fürsten und in Prag und trat 1857 in den Ruhestand. Er starb 24. Okt. 1882 in Prag. Von Jugend auf poetisch angeregt und thätig, begann er zuerst mit einer Reihe von Tragödien und Dramen aus der böhmischen Geschichte, von denen mehrere in Prag mit Beifall aufgeführt wurden, aber nur das Drama "Bretislaw und Jutta" (Prag 1835) im Druck erschien. Reicher, kräftiger und glücklicher entwickelte sich sein Talent als Lyriker und Balladendichter in den "Gedichten" (Prag 1828; 3. Aufl., Stuttg. 1845). Eklektisch unter den Einflüssen bald der klassischen Dichter, bald der Romantiker stehend, fand E. sein eigentliches Vorbild in Uhland, dem er nacheiferte, ohne einen Zug zum Düstern, Gewaltsamen in seiner Lebensdarstellung überwinden zu können. In seinem großen böhmisch-nationalen Heldengedicht "Wlasta" (Prag 1829) wird die charakteristische, konkrete Behandlung des sagenhaften Stoffs durch poetisch-rhetorische Allgemeinheiten beeinträchtigt. Das Idyll "Das Kloster" (Stuttg. 1833), der Sonettencyklus "Ein Denkmal für Karl Egon, Fürsten von Fürstenberg" (Prag 1855), die didaktischen Gedichte "Fromme Gedanken eines weltlichen Mannes" (Leipz. 1859), die poetische Erzählung "Eine Magyarenfrau" (Wien 1865) sind die spätern Produktionen Eberts, deren poetischer Wert über die Bedeutung seiner frühern Dichtungen nicht hinauswuchs. Seine "Poetischen Werke" erschienen gesammelt in 7 Bänden (Prag 1877).

4) Adolf, roman. Philolog, geb. 1. Juni 1820 zu Kassel, studierte 1840-43 in Marburg, Leipzig, Göttingen und Berlin, wurde dann Professor an der Universität zu Marburg und 1863 auf den neugegründeten Lehrstuhl der romanischen Sprachwissenschaft zu Leipzig berufen, den er noch gegenwärtig innehat. Er veröffentlichte: "Quellenforschungen aus der Geschichte Spaniens" (Kass. 1849); "Handbuch der italienischen Nationallitteratur", eine historisch geordnete Anthologie nebst litterargeschichtlichem Abriß (Marb. 1854); "Entwickelungsgeschichte der französischen Tragödie, vornehmlich im 16. Jahrhundert" (Gotha 1856); "Tertullians Verhältnis zu Minucius Felix" (Leipz. 1868) und "Allgemeine Geschichte der Litteratur des Mittelalters im Abendland" (das. 1874-80, Bd. 1 u. 2). Mit Ferdinand Wolf gab er das "Jahrbuch für romanische und englische Litteratur" (Berl., später Leipz. 1859-63, 5 Bde.; fortgesetzt von Lemcke bis 1876) heraus, worin von ihm unter anderm erschienen: "Die englischen Mysterien" (Bd. 1) und "Die ältesten italienischen Mysterien" (Bd. 5).

Eberty, Felix, Schriftsteller, geb. 26. Jan. 1812 zu Berlin, studierte 1831-34 dort und in Bonn Rechtswissenschaft, wurde 1840 Kammergerichtsassessor und dann Richter in Hirschberg, Lübben und Breslau, wo er sich 1849, aus dem Justizdienst ausscheidend, habilitierte, über Natur- und Kriminalrecht las und 1854 außerordentlicher Professor wurde. Er starb 7. Juli 1884 zu Arnsdorf im Riesengebirge. E. schrieb: "Die Gestirne und die Weltgeschichte; Gedanken über Raum, Zeit und Ewigkeit" (anonym, Bresl. 1846; 3. Aufl., das. 1874; auch ins Englische übersetzt und für eine Originalarbeit ausgegeben, was v. Voigts-Rhetz veranlaßte, die Schrift ins Deutsche zurück zu übersetzen, Leipz. 1860); "Versuche auf dem Gebiet des Naturrechts" (das. 1852); "Walter Scott. Ein Lebensbild" (das. 1860, 2. Aufl. 1870; mehrfach übersetzt); "Lord Byron" (das. 1862, 2. Aufl. 1879); "Geschichte des preußischen Staats" (Bresl. 1866-73, 7 Bde.) und die lebendig-anmutigen "Jugenderinnerungen eines alten Berliners" (Berl. 1878).

Eberwein, Traugott Maximilian, Violinvirtuose und Komponist, geb. 27. Okt. 1775 zu Weimar als Sohn eines Hofmusikus, studierte 1792 bei Kunze