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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elektrisches Licht

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Elektrisches Licht (Bogenlicht: Lampen von Brush etc.).

eine Gelenkstange e an seinem untern Ende so geführt ist, daß er sich bei den Schwingungen von c_{1}c_{2} nur senkrecht auf und ab bewegen kann. Die Zahnstange Z kann nun an dem Teil A nur langsam abwärts gleiten, weil sie beim Niedergang zugleich das Steigrad S und die kleine Auslösung E in Bewegung und dadurch das Pendel P in Schwingung versetzen muß. Alle diese Teile sind an dem Stück A gelagert und gehen deshalb mit ihm auf und ab. Die Pendelstange setzt sich nach oben über die Achse hinaus in einen Arm n fort, welcher in einer gehobenen Lage des Stücks A durch eine Kerbe in dem kleinen, bei x gleichfalls an dem Stück A gelagerten Hebel y festgehalten wird; damit ist dann die Auslösung festgehalten und die Zahnstange mit dem Stück A verkuppelt. Wenn dagegen das Stück A und damit der Hebel y sich seiner untersten Stellung nähert, so wird der letztere durch den am Gestänge sitzenden Stift v ausgehoben und die Auslösung und damit die Zahnstange Z vom Stück A frei, worauf in der oben beschriebenen Weise die Nachschiebung der obern Kohle k_{1} sich bewerkstelligt.

Die Differentiallampe von Brush unterscheidet sich von der Siemensschen dadurch, daß die beiden in dem Haupt- und Nebenzweig der Stromleitung liegenden Windungen nicht auf verschiedenen, sondern auf derselben Spule angebracht sind, sowie durch die Einrichtung der selbstthätigen Kuppelung. Brush wendet nämlich einen einfachen beweglichen Metallring an, welcher um den Kohlenhalter gelegt und am Eisenkern einseitig befestigt ist. Wird dieser Ring durch den Eisenkern seitlich angehoben, so legt er sich an den Kohlenhalter an und nimmt diesen mit in die Höhe; senkt er sich dagegen mit dem Eisenkern, so kommt er in horizontaler Stellung auf einen Anschlag zu liegen und läßt nun den Kohlenhalter durchgleiten. Die Lampen sind mit einem oder mehreren Kohlenpaaren versehen, je nach der beabsichtigten Brenndauer. Der Regulierungsmechanismus ist bei allen gleich, doch werden bei den Lampen mit mehrfachen Kohlenpaaren die verschiedenen Klemmringe nicht gleichzeitig, sondern einer nach dem andern angehoben, dergestalt, daß der zweite erst in Thätigkeit tritt, wenn die erste Kohle abgebrannt ist, u. s. f. Damit sich die Kohlen beim Nachrücken nicht zu schnell bewegen, sind die Kohlenhalter röhrenförmig konstruiert und mit Glycerin gefüllt, in welches am obern Teil des Lampengehäuses befestigte Kolben ragen. Ist das letzte Kohlenpaar abgebrannt, so bewirkt eine selbstthätige Ausschaltevorrichtung die Kurzschließung der Lampe.

Bei der Lampe von Krizik und Piette hat der in beide Spulen hineinragende Eisenkern die Gestalt eines Doppelkegels erhalten, um die Größe der anziehenden Kraft von der Stellung des Kerns zu den Spulen unabhängig zu machen und lediglich die Differenzwirkung der Stromstärken in den letztern zur Geltung kommen zu lassen. Der Eisenkern ist ferner in die Verlängerung des Kohlenhalters verlegt, wodurch eine selbstthätige Kuppelung beider Teile erspart und die Regulierung der Lampe vereinfacht wird. Da keinerlei mechanische Auslösung od. dgl. in derselben zur Anwendung kommt und auch die Schwerkraft nie zur Bewegung irgend eines Teils benutzt wird, so kann die Lampe auch in horizontaler Lage angebracht werden, was für manche Zwecke von Vorteil ist. Bei den neuern Lampen sind die beiden Drahtspulen nicht über, sondern nebeneinander angeordnet und ist dem entsprechend der Eisenkern in zwei kegelförmige Hälften zerlegt.

Die elektrische Lampe von Gülcher ist durch ganz besondere Einfachheit ausgezeichnet. Ein um eine horizontale Achse oszillierender Elektromagnet, dessen eines Ende die Anziehung eines feststehenden Eisenstücks erfährt, bremst die Bewegung der obern Kohle, indem sein andres Ende auf eine diese Kohle tragende Eisenstange wirkt. Der obere und untere Kohlenhalter sind durch Schnüre miteinander verbunden. Diese Lampe eignet sich, ohne eine Differentiallampe zu sein, unmittelbar zur Herstellung mehrerer Lichter mittels einer einzigen Stromquelle. Man erreicht dies, indem man die Lampen nebeneinander (parallel) schaltet und dafür Sorge trägt, daß in jedem eine Lampe enthaltenden Zweig des Gesamtstroms bei überall gleicher Länge des Lichtbogens der nämliche Widerstand herrscht. Da bei dieser Schaltungsweise der von den Lampen samt Zuleitungsdrähten geleistete oder der äußere Widerstand verhältnismäßig gering ist, muß auch der innere Widerstand der Stromquelle gering sein, was bei der Gülcherschen dynamoelektrischen Maschine, die der Erfinder zum Betrieb der Lampen konstruiert hat, in der That der Fall ist.

Sedlaczek und Wikulill haben eine elektrische Lampe für Eisenbahn und Schiffsbeleuchtung konstruiert, welche heftige Erschütterungen ertragen kann, ohne eine Einbuße in der Stärke und Gleichmäßigkeit des von ihr gespendeten Lichts zu erleiden. Die Erfinder verwenden kommunizierende, mit Öl oder Glycerin gefüllte Röhren als Träger für die Kohlenstäbe und bewirken die Regulierung des Kohlenabstandes entweder durch einen Elektromagnet oder, wie in obenstehender Fig. 5, durch einen Zentrifugalregulator.

Die Absicht, eine elektrische Lampe ohne Räderwerk herzustellen, führte Jablochkow bereits 1876 auf die Erfindung einer elektrischen Kerze (Fig. 6). In dieser sind die Kohlenstäbe nicht einander gegenübergestellt, sondern parallel nebeneinander befestigt und voneinander durch eine den Raum zwischen ihnen ausfüllende Masse isoliert, welche aus gleichen Teilen Gips und Schwerspat besteht. Zwischen den obern freien Enden der Kohlenstäbchen, welche in einen die Zuleitung vermittelnden Leuchter aus zwei

^[Abb.: Fig. 5. Elektrische Lampe von Sedlaczek und Wikulill.]

^[Abb.: Fig. 6. Jablochkowsche Kerze.]