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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Endokarp - Endosperm.

Endokarp, s. Perikarp.

Endometritis, Gebärmutterkatarrh.

Endommagieren (franz., spr. angdomasch-), in Schaden bringen, beschädigen.

Endophlebitis (griech.), Entzündung der innern Venenhaut.

Endophyten (griech.), auf andern Pflanzen wachsende Schmarotzerpilze, welche mit ihrem Mycelium im Innern der Gewebe ihrer Nährpflanzen, nicht auf der freien Oberfläche der letztern leben und höchstens ihre Fruktifikationsorgane über die Oberfläche der Nährpflanze hervortreiben, im Gegensatz zu den Epiphyten, welche mit allen ihren Teilen oberflächlich leben (s. Schmarotzer und Pilze).

Endor (jetzt Endur), Stadt im israelit. Stamm Isaschar, südwestlich vom See Tiberias, bekannt durch die von Saul kurz vor seinem Ende befragte Zauberin (Hexe von E.). Erst Schwierigkeiten machend, da Saul kurz vorher die Zauberer und Wahrsager vertrieben hatte, gehorchte sie doch, und der von ihr citierte Geist Samuels verkündete Saul die Niederlage seines Heers und seinen eignen Tod (I. Sam. 28).

Endoskop (griech.), chirurgisches Instrument zur Besichtigung der Harnröhre und der Harnblase, besteht im wesentlichen aus einer in die betreffenden Organe einzuführenden Röhre mit Beleuchtungsapparat zur Untersuchung innerer Organe (s. Beleuchtungsapparate). Vgl. Grünfeld, Der Harnröhrenspiegel (Wien 1877); Derselbe, Die Endoskopie (Stuttg. 1880).

Endosmose und Exosmose (Diosmose, Osmose), der gegenseitige Austausch zweier miteinander mischbarer (s. Diffusion) Flüssigkeiten, welche durch eine fein poröse Scheidewand voneinander getrennt sind. In dem Hals eines Fläschchens, dessen Boden abgesprengt ist, werde mittels eines durchbohrten Korks eine Glasröhre befestigt und der fehlende Boden durch eine darübergebundene Schweinsblase ersetzt. Dieses mit einer Flüssigkeit, z. B. Weingeist, gefüllte Gefäß (Endosmometer) werde nun in ein weiteres, Wasser enthaltendes Gefäß eingesenkt. Man wird nun bemerken, daß der Weingeist in der Röhre steigt und nach einigen Stunden oben ausfließt, selbst wenn die Röhre 40-50 cm hoch ist. Es ist demnach Wasser durch die Blase zu dem Weingeist in das Gefäß der Schwerkraft entgegen hineingedrungen (Endosmose); anderseits aber ist auch Weingeist aus dem Gefäß zu dem Wasser herausgetreten (Exosmose), wie man leicht an der Färbung des Wassers bemerkt, wenn der angewendete Weingeist gefärbt war. Das Steigen der Flüssigkeit in der Röhre beweist, daß mehr Wasser zu dem Weingeist durch die Blase hinein- als Weingeist zu dem Wasser heraustrat. Ersetzt man aber die Schweinsblase durch eine Kautschukplatte, so findet man, daß mehr Weingeist zum Wasser wandert als umgekehrt. Es kommt also bei diesem Austausch wesentlich auf die Beschaffenheit der Scheidewand an. Daß die beiden Flüssigkeiten in ungleichem Maß zu einander übergehen, erklärt sich daraus, daß die Scheidewand in ihre Poren von verschiedenen Flüssigkeiten verschieden große Mengen aufzusaugen oder zu resorbieren vermag. So nehmen z. B. nach Liebig 100 Gewichtstteile ^[richtig: Gewichtsteile] trockner Ochsenblase in 24 Stunden in sich auf: 268 Gewichtsteile Wasser, 133 Kochsalzlösung, 38 Weingeist, 17 Knochenöl. Sind daher Weingeist und Wasser durch eine solche Blase voneinander getrennt, so nimmt diese von der einen Seite Wasser, von der andern Weingeist in dem Verhältnis von 268 zu 38 in sich auf; das in der Blase aufgesaugte Wasser tritt aber vermöge der Anziehung (Adhäsion), welche zwischen den Wasser- und den Weingeistteilchen besteht, zu dem Weingeist hinüber, der resorbierte Weingeist ebenso zu dem Wasser, und zwar werden für je 268 Teile Wasser, welche zu dem Weingeist hineingehen, nur 38 Teile Weingeist zu dem Wasser heraustreten. Senkt man eine kurze Glasröhre, welche an einem Ende mit Blase bespannt ist und eine abgewogene Menge Kochsalz enthält, mit dem verschlossenen Ende in Wasser, so tritt allmählich etwas Wasser ein, löst das Kochsalz, und nun beginnt die Endosmose und Exosmose, d. h. es tritt beständig Wasser ein, während Kochsalz in das umgebende Wasser austritt. Erneuert man letzteres wiederholt, so verläßt endlich auch die letzte Spur des Kochsalzes die Röhre, und diese enthält eine Menge reines Wasser, welche, wenn man den Versuch unter denselben Verhältnissen wiederholt, stets gleich groß ist. Bei Anwendung verschiedener Salze erhält man dagegen ungleiche Mengen; die Zahl, welche angibt, wie viele Gewichtsteile Wasser gegen einen Gewichtsteil einer bestimmten Substanz durch die Membran hindurchgehen, nennt man das endosmotische Äquivalent derselben. Dasselbe beträgt für:

^[Liste]

Kochsalz 4,3

Kalihydrat 215

Glaubersalz 11,6

Schwefelsäure 0,39

Schwefelsaures Kali 12

Saures schwefelsaur. Kali 2,3

Schwefelsaure Magnesia 11,7

Alkohol 4,2

Schwefelsaures Kupferoxyd 9,5

Zucker 7,1

Das endosmotische Äquivalent ist aber vom Konzentrationsgrad der Lösungen abhängig und wächst im allgemeinen mit der Temperatur. Im alltäglichen Leben begegnen uns mancherlei Beispiele endosmotischer Wirkung. Bohnen und Erbsen, welche man in Wasser einweicht, quellen auf, weil mehr Wasser durch die Zellhäute in die Zellen hineindringt, als von dem Zellinhalt heraustrittt ^[richtig: heraustritt]. Bestreut man einen in Scheiben geschnittenen Rettich mit Kochsalz, so zieht er Wasser; die in den Zellen enthaltene wässerige Flüssigkeit tritt nämlich in größerer Menge zu der konzentrierten Salzlösung heraus, welche sich bei Berührung des Salzes mit den feuchten Schnittflächen gebildet hat. Die Endosmose spielt im Leben der Pflanzen und Tiere eine überaus wichtige Rolle, denn der Austausch der Säfte zwischen den rings geschlossenen Zellen und Blutgefäßen kann nur endosmotisch durch deren Wandungen hindurch erfolgen. Graham hat gezeigt, daß Körper, welche im festen Zustand kristallinisch sind, und die er deshalb Kristalloidsubstanzen nennt, wie z. B. Zucker, Salze etc., viel leichter durch eine poröse Scheidewand hindurchgehen als gewisse unkristallinische Körper, wie Leim, Eiweiß, Gummi, Karamel, lösliche Kieselsäure u. a., welche mit Wasser gallertartige Massen bilden und von Graham Kolloidsubstanzen genannt werden. Man kann sich dieses Verhaltens bedienen, um Körper von beiden Arten, welche miteinander gemischt sind, durch Endosmose voneinander zu trennen. Man nennt dieses Verfahren Dialyse und führt dasselbe aus mittels des Dialysators, eines flachen Gefäßes aus Hartkautschuk, dessen Boden aus Pergamentpapier besteht; diese Vorrichtung läßt man in einem eine beträchtliche Menge Wasser enthaltenden Gefäß schwimmen. Gießt man nun in den Dialysator z. B. eine aus Gummi und Zucker gemischte Lösung, so wird der Zucker nach einiger Zeit fast vollständig durch das Pergamentpapier in das Wasser übergegangen sein, während im Dialysator eine fast reine Gummilösung zurückbleibt.

Endosperm (griech.), in der Botanik ein Zellgewebe in den Samen (s. Same).