Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

622

Engagement - Engel.

Maloja mit Italien in Verbindung. Das Unter-E. ist weit stärker (von 1610-1019 m) geneigt, wird enger und wilder; der Fluß rauscht über Felstrümmer und wühlt sich zwischen engen Wänden durch. Die wildeste seiner Schluchten ist die von Finstermünz, wo er das Schweizer Gebiet verläßt. Das untere E. ist großartiger, romantischer, tannenschwärzer, das obere freundlicher, behäbiger. Im Ober-E. liegen die Ortschaften in der breiten Thalfläche und zeugen durch ihr schmuckes Aussehen von der Sauberkeit, dem Ordnungssinn und der Wohlhabenheit der Bewohner; die Dörfer des Unter-E. hängen an den Bergböschungen hoch über dem Inn und sehen minder freundlich aus. In den waldigen Seitenthälern hausen noch Bären, Lämmergeier etc. Für den Botaniker ist das E. eine unerschöpfliche Schatzkammer, namentlich ist die Kryptogamenflora reich. Auch an nutzbaren Mineralien (Galmei, Bleiglanz, silberhaltige Bleierze, Kupferkiese etc.) ist das E. nicht arm; aber noch größere Schätze sind die berühmten Mineralquellen von St. Moritz im Ober- und Schuls-Tarasp im Unter-E. Ebenso eigentümlich wie das Land sind auch die Bewohner. Die Engadiner, ein rätoromanisches Völklein, gegen 11,600 Köpfe stark, wandern, wie überhaupt die Graubündner, nach fremden Städten, hauptsächlich als Zuckerbäcker, Cafétiers oder Handelsleute. Wer dann in der Fremde sein Glück gefunden, kehrt aus tief gewurzelter Anhänglichkeit an die heimatlichen Gebirge in sein kaltes Hochthal zurück, um hier den Rest seiner Tage zu verbringen. Das E. zählt im ganzen 21 Pfarrdörfer: im obern E. liegen Bevers, Silvaplana, St. Moritz, Samaden, Zuz (Scuoz), Scanfs und Pontresina; im untern Zernetz, Süß, Lavin, Tarasp, Schuls und Martinsbruck. - Ober-E. hatte seine eignen Grafen. Graf Dedalrich verkaufte 1139 sein Land an das Bistum Chur, von dem sich 1494 die Oberengadiner frei kauften. Im Unter-E. führten die vielfach sich durchkreuzenden Herrschafts- und Lehnrechte der Besitzer zu langen Fehden. Im Veltliner Krieg wurde das E. von den Österreichern verheert und 1622 an dieselben abgetreten, jedoch schon im folgenden Jahr an Bünden zurückgegeben. Die letzte österreichische Besitzung war Tarasp, das 1815 an Graubünden kam. Vgl. Papon, Das E. (St. Gallen 1857); Lebert, Das E., seine Heilquellen, seine Natur und seine Bewohner (Bresl. 1861); Flugi, Die Volkslieder des E. (Straßb. 1874); Biermann, St. Moritz und das Oberengadin (2. Aufl., Leipz. 1881); Caviezel, Das Oberengadin (Führer, 2. Aufl., Chur 1881); Ludwig, Das Oberengadin in seinem Einfluß auf Gesundheit und Leben (Stuttg. 1877), und die bei den Hauptorten angeführten Schriften.

Engagement (spr. anggasch'máng), Verbindlichkeit, Verpflichtung, z. B. Zahlungsverpflichtung; Anwerbung einer Person für eine Stelle, einen Dienst; Anstellung; auch s. v. w. Gefecht, Handgemenge.

Engagementsbrief (Schlußbrief, bei Prämiengeschäften Prämienbrief, bei Stellgeschäften Stellbrief genannt), der schriftliche Vertrag über zu liefernde Wertpapiere. Derselbe kann sowohl vom Käufer ausgestellt werden, indem derselbe die Abnahme verspricht, als auch vom Verkäufer, welcher die Lieferung zur vereinbarten Zeit zusichert.

Engagieren (franz., spr. anggasch-), verbindlich machen, verpflichten; in Sold und Dienst nehmen; einen zu etwas bereden; sich einlassen (in ein Gefecht).

Engano (Pulo Pertja), Insel in der Nähe der Südwestküste von Sumatra, südlich von Benkulen, bildet mit einigen umliegenden Eilanden einen Archipel von etwa 330 qkm (6 QM.), ist gebirgig und unfruchtbar und wird von einigen Tausend meist noch heidnischen Malaien bewohnt.

Engastrilog (griech.), Bauchredner (s. d.).

Engastrimantie (griech.), Weissagung mit Hilfe der Bauchrednerkunst; Engastrimánt, ein weissagender Bauchredner (s. d.).

Engbrüstigkeit, durch anatomische Verhältnisse, wie fehlerhaften Bau des Brustkastens, Verkrümmungen der Wirbelsäule und der Rippen, organische Fehler der Lungen, Vergrößerung des Herzens und andrer Organe, dann auch durch pathologische Verhältnisse verschiedener Art, besonders der Brustorgane, hervorgerufene Erschwerung des Atmens. Wird die E. durch krankhafte Prozesse hervorgebracht, so richtet sich die ärztliche Behandlung selbstverständlich gegen diese; liegen aber anatomische Verhältnisse zu Grunde, so ist keine Heilung, sondern nur eine Milderung der Beschwerden und eine Besserung der durch die mangelhafte Atmung hervorgerufenen Übel durch rationelles Verhalten zu erwarten. Der Leidende muß alles vermeiden, was den Blutandrang nach den Lungen vermehrt, und sorgsam auf möglichst unbeschränkten Genuß reiner Luft bedacht sein. - Über E. als Pferdekrankheit s. Dämpfigkeit der Pferde.

Engeddi (hebr., "Bocksquelle"), Name einer in der Bibel mehrfach erwähnten Quelle und Stadt, die in der Mitte des westlichen Ufers des Toten Meers in gebirgiger Gegend lag. In der "Wüste E.", der Umgegend der Stadt, verbarg sich David vor Saul (1. Sam. 24). Die Quelle, jetzt Ain Dschidi genannt, sprudelt, etwa 100 m über dem Toten Meer, reich und lauwarm (+27° C.) hervor und erzeugt ringsum tropische Vegetation. Von der Stadt E., die noch zu Eusebios' Zeit ein bedeutender Ort war, haben sich noch Trümmerhaufen erhalten.

Engel (v. griech. angelos, "Bote, Gesandter"), in dem religiösen Vorstellungskreis besonders der semitischen Religionen und des Christentums Mittelwesen zwischen Gott, als dessen Hofstaat oder Dienerschaft sie geradezu im Orient gedacht werden, und den Menschen, welchen sie als Verkündiger und Vollstrecker des göttlichen Willens erscheinen. Die biblische Vorstellung insonderheit steht im engsten Zusammenhang mit der hebräischen Weltanschauung überhaupt. Da diese die Lokalität von Gottes Wohnstätte über die Erde verlegt, so daß Gott, um sich unmittelbare Kenntnis vom Thun und Treiben der Menschen zu verschaffen, von Zeit zu Zeit herabsteigen muß, so bedurfte es nur einer fortgeschrittenen Entwickelung des Gottesbegriffs, namentlich einer strengern Sonderung desselben von Welt und Natur, um an die Stelle der Gotteserscheinungen (Theophanien) Engelerscheinungen (Angelophanien) treten zu lassen. Diese E. schweben in den ältern alttestamentlichen Schriften noch in der Mitte zwischen der Versinnbildlichung des Begriffs der Naturkräfte als Mittelursachen (Ps. 104, 4) und der eigentlichen Personifikation der göttlichen Exekutivgewalt (2. Kön. 19, 35). Seit den Zeiten des babylonischen Exils hat die Vorstellung von den Engeln sich in deutlich erkennbarer Weise sinnlich verdichtet; ein "Heer" von Engeln umgibt den göttlichen Thron; einige unter ihnen, wie Gabriel (Dan. 8, 16; 9, 21; Luk. 1, 19. 26), stehen als "Fürsten" und "Erzengel" Gott am nächsten; die verschiedenen Erscheinungen der Natur sowie die Vorgänge des Geschichtslebens der Menschheit werden ihrer Einwirkung unterstellt und in beiderlei Beziehung die Funktionen unter sie verteilt. Nicht bloß die Völker haben ihre besondern Vorstände in der Engelwelt