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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Engel

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Engel.

(Dan. 4, 10), Israel z. B. im Erzengel Michael (Dan. 12, 1), sondern auch die einzelnen Individuen haben ihre Schutzengel (Matth. 18, 10). Diese ausgebildete Engellehre durchzieht auch das ganze Neue Testament, wo ihnen insonderheit Geschlechtslosigkeit zugeschrieben wird (Matth. 22, 23 ff.); dieses im Gegensatz zu den Sadducäern, welche den Glauben an E. verwarfen. Allmählich nahmen die E. auch Flügel an und wuchsen mehr oder weniger in die Gestalt der geflügelten Genien hinüber, welche die altklassische bildende Kunst erfunden hatte. Die Rangordnung der E. beschrieb dann mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit Dionysius Areopagita (s. d.), und die kirchliche Dogmatik baute die Engellehre bis ins einzelnste aus. Im übrigen s. Angelolatrie. Vgl. Oswald, Angelologie, die Lehre von den guten und bösen Engeln im Sinn der katholischen Kirche (Paderb. 1883).

Engel, 1) Johann Jakob, Schriftsteller, geb. 11. Sept. 1741 zu Parchim in Mecklenburg, besuchte das Gymnasium zu Rostock, studierte hier sowie in Bützow und Leipzig zuerst Theologie, wandte sich aber dann philologischen, philosophischen und mathematischen Studien zu. 1776 ward er Professor der Philosophie und der schönen Wissenschaften am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin. Später zum Mitglied der Akademie und zum Lehrer des Prinzen Friedrich Wilhelm (nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm III.) ernannt, nahm er in den damaligen Berliner Schriftstellerkreisen bald eine wichtige und hervorragende Stellung ein. In der Gruppe derjenigen Schriftsteller, die ihre geistigen Anschauungen dem aufklärenden und moralisierenden Rationalismus entnahmen, in der Form aber dem Muster Lessings nachstrebten, sich dabei vor allem der Pflege einer klaren Prosa befleißigten, war E. einer der talentvollsten und tüchtigsten. Seine dramatischen Anfänge, die Lustspiele: "Der dankbare Sohn", "Der Diamant" u. a., das Schauspiel "Der Edelknabe" sowie seine "Ideen zu einer Mimik" (Berl. 1785-86; neu hrsg. von B. Dawison, das. 1869), verschafften ihm nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II. (1786) die Direktion des neuerrichteten Berliner Nationaltheaters, welche er bis 1790 führte. In den weitern Kreisen des Publikums hatten ihn inzwischen seine "Lobrede auf Friedrich II." (Leipz. 1781), seine "Anfangsgründe einer Theorie der Dichtungsarten" (mit Vorwort von Fr. Nicolai, das. 1783) und "Der Philosoph für die Welt" (das. 1775-77), die letzte hervorragende moralische Wochenschrift nach dem einst beliebten Muster des Addisonschen "Spectator", bekannt gemacht. In ihr vertrat er, gegenüber der beginnenden Sturm- und Drangperiode, mit Konsequenz und Scharfsinn den Standpunkt der moralisierenden Poesie und des nüchternen Realismus. In populärphilosophischen und poetischen Arbeiten suchte er in seinem Sinn auf die Zeitgenossen zu wirken und vermochte sich längere Zeit hindurch selbst dem Genie Bürgers, Goethes und Schillers gegenüber zu behaupten. Seine "Kleinen Schriften" (Berl. 1785), sein "Fürstenspiegel" (das. 1798), vor allem aber sein durch feine Beobachtung des Kleinen und Alltäglichen ausgezeichnetes, im übrigen poesieloses Charaktergemälde "Herr Lorenz Stark" (zuerst in Schillers "Horen" 1795 und 1796, das. 1801) fanden, namentlich in Norddeutschland, verdiente und übertriebene Bewunderung. Nach der Niederlegung seines Amtes als Direktor des Nationaltheaters verließ E. Berlin, lebte in Schwerin und Parchim, um seinen Zerfall mit dem in Preußen herrschenden Wöllnerschen System äußerlich zu dokumentieren, ward 1798 von seinem Zögling Friedrich Wilhelm III. nach Berlin zurückgerufen und starb 28. Juni 1802 in Parchim, wohin er eine Besuchsreise unternommen hatte. Eine Sammlung seiner "Sämtlichen Schriften" ward noch bei Engels Lebzeiten begonnen (Berl. 1801-1806, 12 Bde.; neue Ausg., das. 1851, 14 Bde.).

2) Joseph, Mediziner, geb. 29. Jan. 1816 zu Wien, studierte daselbst, wurde 1840 Assistent der pathologischen Anatomie, ging 1844 als Professor der Anatomie nach Zürich, 1849 als Professor der pathologischen Anatomie nach Prag und wirkte 1854-1874 in derselben Stellung an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie in Wien. E. lieferte wichtige Arbeiten über die Entwickelung der Knochen, Haare und Federn, über das Wachstumsgesetz der Zellen etc.; auch suchte er die Anatomie zu einer wissenschaftlichen Physiographie zu erheben, indem er eine wissenschaftliche Terminologie und Charakteristik der anatomischen Eigenschaften gesunder und kranker Organe aufstellte. Er schrieb: "Entwurf einer pathologisch-anatomischen Propädeutik" (Wien 1845); "Anleitung zur Beurteilung des Leichenbefunds" (das. 1846); "Die Leichenerscheinungen" (das. 1854); "Spezielle pathologische Anatomie" (das. 1856); "Sektionsbeschreibungen" (das. 1861); "Allgemeine pathologische Anatomie" (das. 1865) u. a.

3) Karl, Musikhistoriker, geb. 6. Juli 1818 zu Thiedenwiese bei Hannover, erhielt seine Ausbildung im Klavierspiel und in der Komposition in letzterer Stadt durch den Organisten Enckhausen sowie von 1837 an in Weimar durch Hummel und Lobe und ließ sich dann in Hamburg nieder, wo er zuerst mit Liedern und Klavierstücken als Komponist in die Öffentlichkeit trat. Nachdem er später einige Jahre in Warschau und Berlin zugebracht und in letzterer Stadt den fördernden Umgang mit Rungenhagen genossen hatte, begab er sich 1846 nach Manchester, siedelte aber 1850 nach London über, wo er eine erfolgreiche Thätigkeit als Lehrer, namentlich aber als Musikschriftsteller entfaltete. Er starb im November 1882 in Kensington bei London. Die von ihm veröffentlichten, vorwiegend die Nationalmusik verschiedener Völker und Zeiten behandelnden Arbeiten sind folgende: "The pianist's handbook" (Lond. 1853); "Reflections on church music" (1856); "The music of the most ancient nations" (2. Aufl. 1870); "An introduction to the study of national music" (1866); "A descriptive catalogue of the musical instruments in the South Kensington Museum" (1874); "Catalogue of the special exhibition of ancient musical instruments" (2. Aufl. 1873); "Musical myths and facts" (1876); "The literature of national music" (1879); "Researches into the early history of the violin-family" (1883); außerdem zahlreiche Aufsätze für die Londoner Musikzeitung "Musical Times".

4) Ernst, hervorragender Statistiker, geb. 26. März 1821 zu Dresden, widmete sich ursprünglich dem Bergfach, studierte in Freiberg 1842-45 und später in Paris. 1850 zum Vorstand des Statistischen Büreaus in Dresden ernannt, gab er die "Statistischen Mitteilungen aus dem Königreich Sachsen" (4 Bde.), die "Sächsische statistische Zeitschrift" und das "Jahrbuch der Statistik und Staatswissenschaft" heraus. 1858 trat er wegen ungerechter Angriffe in den sächsischen Ständekammern zurück und begründete in Dresden eine Hypothekenversicherungs-Gesellschaft, womit er einen neuen Zweig des Versicherungswesens ins Leben rief. Nach Dietericis Tod wurde er als