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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Englische Litteratur

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Englische Litteratur (Philologie, Naturwissenschaften).

Jeremy Bentham (gest. 1832) und Lord Brougham (gest. 1868) unermüdlich thätig. Mit besonderm Eifer ließ man es sich angelegen sein, die nationalökonomischen Lehren von Adam Smith (gest. 1790) durch Ergänzungen und Verbesserungen weiter auszubauen. Th. R. Malthus (gest. 1834) beschäftigte sich vorzüglich mit der Bevölkerungsfrage und erwarb sich durch sein Werk "An essay on the principle of population" (1806) einen dauernden Namen; David Ricardo (gest. 1823) legte in seinen "Principles of political economy and taxation" (1817) seine berühmte Theorie der Grundrente dar; Thomas Tooke (gest. 1858) und W. Newmarch lieferten in ihrer "History of prices" eine ausführliche Sammlung von Thatsachen und Lehren über den Güterumlauf und den Kredit etc. Vorzüglich verdient aber machte sich um Förderung der Nationalökonomie und Verbreitung volkswirtschaftlicher Kenntnisse J. ^[John] Stuart Mill (gest. 1873) durch seine klassischen "Principles of political economy". Zahlreiche tüchtige Leistungen haben die englischen Volkswirte im Gebiet der praktischen Nationalökonomie, in erster Linie in der Geld- und Bankfrage, aufzuweisen. Viele von ihnen, wie insbesondere Senior, Mac Culloch u. a., hatten sich bisher etwas exklusiv verhalten und sich mit den Errungenschaften eines einseitigen Smithianismus begnügt. In der neuern Zeit machte sich jedoch eine regere Thätigkeit, der Drang nach Selbständigkeit und damit ein Umschwung der Anschauungen bemerkbar, indem Cliffe Leslie, Ingram u. a. mehr der Methode der deutschen realistischen, bez. historischen Schule zuneigen. - Auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft nimmt vor andern W. Blackstone (gest. 1780) mit seinen "Commentaries on the laws of England" eine ehrenvolle Stellung ein. Im übrigen besteht die juristische Litteratur Englands meist aus Sammlungen von Gesetzen und Parlamentsakten, Darstellungen spezieller Rechtsfragen und Angaben praktischer Hilfsmittel.

Die philologischen Studien wurden schon frühzeitig gepflegt; zu tonangebender Bedeutung gelangten sie durch Richard Bentley (1662-1742), den Begründer der sogen. kritischen Schule. Unter den klassischen Philologen der spätern Zeit ragen besonders Clarke, Tyrrwhitt, Musgrave, R. Porson (gest. 1808), R. Payne Knight (gest. 1824), P. Elmsley (gest. 1825), ferner Gaisford, H. J. ^[richtig: C. J. für Charles James] Blomfield, Arnold u. a. hervor. Selbst ein Staatsmann wie Gladstone erwarb sich durch seine "Studies on Homer and Homeric age" einen Namen. Durch archäologische Forschungen auf dem Boden Griechenlands und Italiens, in Ägypten, Kleinasien, Assyrien etc. haben sich Belzoni (gest. 1822), Sir W. Gell, Jos. Forsyth ("Remarks on antiquities etc. in Italy"), W. M. Leake (gest. 1860), Rich. Chandler und Rich. Revett, ferner Jam. Rich. Layard, Rawlinson, Newton u. a. verdient gemacht. Auf dem Gebiet der Sprachforschung glänzt besonders der Name Max Müllers ("Lectures on the science of language"). Bedeutende Orientalisten sind außer ihm: die Sanskritforscher Will. Jones (gest. 1794), H. Thom. Colebrooke (gest. 1837), John Crawfurd (gest. 1868), Muir (gest. 1882) und Monier Williams, der Assyriolog George Smith (gest. 1876) u. a. Daneben wird neuerdings auch das wissenschaftliche Studium der neuern Sprachen, insbesondere des Englischen selbst, mit Eifer betrieben.

In den Naturwissenschaften tritt uns zuerst Bacon von Verulam (gest. 1626) epochemachend entgegen, insofern er die bisher herrschende scholastische Methode beseitigte und die Forschung einzig auf die Erfahrung basierte. Ein Jahrhundert später kam der große Isaak Newton (gest. 1727), der als der erste Physiker im modernen Sinn, spekulativen Geist mit Scharfsinn und mathematischer Methode verbindend, den physikalischen Wissenschaften eine neue Ära eröffnete, indem er durch seine Lehre von der allgemeinen Schwere der Mechanik eine neue Grundlage gab, durch seine Optik und Farbenlehre bahnbrechend wirkte und fast auf allen Gebieten der Physik und Astronomie einen mächtigen Aufschwung hervorrief. Eine Fülle der wichtigsten Entdeckungen in den genannten Wissenschaften, wie in der Chemie, wurde gemacht, und in gleicher Weise fanden auch die übrigen Zweige der Naturkunde die sorgfältigste und erfolgreichste Pflege. Aus der großen Zahl naturwissenschaftlicher Schriftsteller, welche die e. L. aufzuweisen hat, seien hier als zu den bedeutendsten gehörig genannt: der Chemiker Sir Humphry Davy (gest. 1829), der Verfasser der "Elements of agricultural chemistry" und "Consolations in travel"; der Astronom J. ^[John Frederick William] Herschel (1792-1871, "Outlines of astronomy"), der zugleich in seinem "Preliminary discourse on the study of natural philosophy" einen trefflichen Überblick des frühern und gegenwärtigen Zustandes der Naturwissenschaften gibt; ferner als um Popularisierung der Astronomie verdient: Mary Somerville (gest. 1872, "The mechanism of the heavens" und "The connection of the physical sciences") und J. ^[Joseph] Norman Lockyer (geb. 1836, "The expanse of the heaven", "Light science for leisure hours"); der Gletscherforscher J. ^[James] David Forbes (gest. 1868) und der Ethnolog James Prichard (gest. 1848), der Verfasser der "Natural history of man"; ferner die großen Physiker und Chemiker Dan. Brewster, der Erfinder des Kaleidoskops (gest. 1868, "Treatise on the microscope", "The stereoscope" etc.), und Mich. Faraday (gest. 1867), der in seinen Schriften: "On various forces of matter" und "Chemical history of a candle" Muster von gemeinverständlicher Behandlung naturwissenschaftlicher Gegenstände gibt. Ihnen schließen sich in dieser Beziehung Johnstons "Chemistry of common life", Groves "Correlation of physical forces" u. Tyndalls Schriften: "Heat a mode of motion", "Sound", "Lectures on light" u. a. ebenbürtig an. In der Geologie erfordern Hervorhebung: James Hutton (gest. 1797, "Theory of the earth"), der Begründer des Plutonismus; William Buckland (gest. 1856, "Geology and mineralogy"), der die Resultate der Forschungen mit der Bibel in Einklang zu bringen suchte; Adam Sedgwick (gest. 1873), I. ^[Roderick Impey] Murchison (gest. 1871) und Archibald Geikie (geb. 1835), der Erforscher der schottischen Hochlande ("Scenery of Scotland viewed in connection with its physical geology"), namentlich aber Charles Lyell (gest. 1875), der Begründer der neuern Geologie. Letzterer bekämpfte in seinen klassischen "Principles of geology" die in Frankreich (Buffon, Cuvier) aufgekommene und damals auch in England allgemein angenommene sogen. Katastrophentheorie (nach welcher infolge gewaltsamer Erdrevolutionen ganze organische Schöpfungen beseitigt und durch neue ersetzt worden sein sollten) und zeigte, daß dasjenige, was uns, in Einen Anblick zusammengedrängt, wie das notwendige Produkt einer gewaltsamen Katastrophe erscheint, das Werk langer Epochen gewesen ist, indem die bisherigen Lebewesen durch veränderte Lebensverhältnisse zu einem langsamen Aussterben gebracht und ebenso allmählich durch neue Formen ersetzt wurden. Durch diese auf ausgedehnten Untersuchungen beruhenden Aufstellungen wurde Lyell zum Reformator der Geologie und Begründer einer neuen