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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Enkope - Ennemoser.

Lobgedicht überhaupt auf Personen oder Sachen, auch mit komischer oder satirischer Tendenz (z. B. des Erasmus berühmtes "Moriae encomium", 1511). Daher Enkomiastik, die Kunst des Lobredens, Lobrednerei; Enkomiast, Lobredner.

Enkope (griech.), Einschnitt, Schnittwunde.

Enköping (spr. ehndschöping), Stadt im schwed. Län Upsala, an dem durch Kunst schiffbar gemachten Fluß E., unweit des Mälarsees, an der Eisenbahn Stockholm-Westerås, mit (1881) 2657 Einw., treibt starken Gemüsebau und unterhält eine tägliche Dampfschiffsverbindung mit Stockholm. An der hiesigen Kirche war der Dichter A. A. Afzelius Pastor. Hier 1365 Schlacht, in welcher die Schweden unter Albrecht dem Mecklenburger den entthronten König von Schweden, Magnus Erichson, besiegten.

Enkouragieren (franz., spr. angkurasch-), ermutigen.

Enkratie (griech.), Enthaltsamkeit.

Enkratiten (griech., "Enthaltsame"), Name mehrerer gnostischer Sekten oder wohl richtiger einer weitverbreiteten und vielgestalteten gnostisch-asketischen Richtung in der ältesten Kirche, welche durch strenge Enthaltung vom Materiellen als dem bösen Prinzip das Ziel der Vergeistigung anstrebte und daher den Genuß von Fleisch und Wein sowie die Ehe verwarf. Einige vermieden den Gebrauch des Weins selbst beim Abendmahl (Aquarier oder Hydroparastaten). Als Stifter der Sekte galt Tatian.

Enkriniten, fossile Reste von Krinoideen (s. d.) oder Seelilien, einer Gruppe der Echinodermen. Das ganze Tier gleicht einer noch geschlossenen Lilie, deren Stengel aus einzelnen, gelenkig miteinander verbundenen Gliedern besteht. Letztere bilden mitunter ganze Schichten (Trochitenkalke) und sind als Trochiten, Entrochiten, Rädersteinchen, Bischofs- oder Bonifaciuspfennige seit langem bekannt. Besonders verbreitet ist Encrinus liliiformis Schl. Vgl. die Tafeln "Devonische Formation", "Steinkohlenformation I" und "Triasformation II".

Enkrinuskalk, s. Triasformation.

Enk von der Burg, Michael Leopold, Ästhetiker, geb. 29. Jan. 1788 zu Wien, studierte daselbst, widmete sich dem geistlichen Stand und legte 1819 im Benediktinerstift Melk das Ordensgelübde ab, ward bald darauf Professor am Gymnasium daselbst und endete in einem Anfall von Melancholie 11. Juni 1843 durch Selbstmord. Die Resultate seiner psychologischen und schönwissenschaftlichen Forschungen legte er in folgenden Werken nieder: "Eudoxia, oder die Quellen der Seelenruhe" (Wien 1824); "Das Bild der Nemesis" (das. 1825); "Melpomene, oder über das tragische Interesse" (das. 1827); "Über den Umgang mit uns selbst" (das. 1829); "Don Tiburzio" (das. 1831); "Dorats Tod" (das. 1833); "Briefe über Goethes Faust" (das. 1834); "Von der Beurteilung andrer" (das. 1835); "Hermes und Sophrosyne" (das. 1838); "Studien über Lope de Vega Carpio" (das. 1839); "Die Epistel des Quintus Horatius Flaccus über die Dichtkunst, für Dichter und Dichterlinge gedolmetscht" (das. 1841); "Über Bildung und Selbstbildung" (das. 1842) u. a. Als Dichter trat er nur auf in "Die Blumen, ein Lehrgedicht" (Wien 1822). Alle diese Schriften sind von einem trüben Pessimismus erfüllt, der sich feindselig gegen Leben und Zeit kehrt. Auf die Entwickelung mehrerer österreichischer Dichter hatte E. beträchtlichen Einfluß, namentlich auf Halm, dessen Lehrer er war.

Enkyklema (griech.), Vorrichtung im altgriech. Theater, wodurch den Zuschauern der Blick in das Innere des Hauses eröffnet wurde.

Enlaidieren (franz., spr. ang-läd-), verhäßlichen.

Enlevage (franz., spr. ang-löwahsch), Ablösen, Wegätzen; Ätzdruck (s. Zeugdruckerei).

Enlevieren (franz., spr. ang-löw-), fortschaffen.

En masse (franz., spr. ang mass'), in Masse.

En miniature (franz., spr. ang miniatühr), im kleinen Maßstab, besonders von Porträten.

Enna (Henna), im Altertum stark befestigte Stadt in der Mitte von Sizilien (daher "Nabel Siziliens" genannt), wo nach dem Mythus der Raub der Persephone durch Hades geschah, daher Hauptsitz des Demeterdienstes. E. war im Sklavenaufstand von 134-132 v. Chr. der Hauptsammelplatz der Rebellen. Dies und des Verres Räubereien brachten die Stadt herunter. Jetzt Castrogiovanni.

Ennaëteris, bei den alten Griechen Cyklus von neun Jahren, welcher namentlich bei Berechnung der Festzeiten zu Grunde gelegt wurde; daher: ennaeterisches Fest, ein jedes neunte Jahr gefeiertes.

Ennata (Enata), bei den alten Griechen Opfer am neunten Tag nach dem Begräbnis, bei den Römern sacra novemdiala genannt; in der griechischen Kirche Gebete für einen Verstorbenen am neunten Tag nach dessen Tod.

Enneadekaëteris (griech.), Cyklus von 19 Jahren, vielleicht von dem Athener Meton um 430 v. Chr. eingeführt, war für die griechische Zeitrechnung, die auf das Mondjahr basiert war, von Wichtigkeit, weil allemal nach einem solchen Zeitraum die Neumonde wieder auf dieselben Tage des Sonnenjahrs fallen; s. Cyklus und Kalender.

Enneaden (griech.) heißen die Schriften des Plotinos, weil sie von dessen Schüler Porphyrios in sechs Abteilungen zu je neun Büchern geordnet wurden.

Enneagon (griech.), Neuneck.

Enneagonalzahl (Neuneckzahl), eine Zahl von der Form n/2(7n-5), wie 1, 9, 24 (für n = 1, 2, 3); vgl. Polygonalzahl.

Enneagynus (griech., "neunweibig"), Blüte mit neun Griffeln. Davon Enneagynia, Ordnung in den ersten 13 Klassen des Linnéschen Systems, Pflanzen mit neunweibigen Blüten umfassend.

Enneandrus (griech., "neunmännig"), Blüte mit neun Staubgefäßen. Davon Enneandria, neunte Klasse im Linnéschen System, Pflanzen mit neun freien Staubgefäßen enthaltend.

Enneberg (Enneberger oder Gader Thal), südliches Seitenthal des Pusterthals in Tirol, wird vom Gader Bach, der oberhalb Murz heißt, durchströmt, ist einförmig, wild und rauh, aber geognostisch interessant und wurzelt mit seinem obern, südlichen Ende im Dolomitgebiet. Die Bewohner des Thals treiben meist Holzfällerei und reden die rätoladinische Mundart, die jedoch der deutschen mehr und mehr weicht. Den Namen Enneberger Thal führt ganz besonders noch ein östliches Seitenthal mit dem Ort St. Vigil (Bezirksgericht, 549 Einw.), während das obere Gader Thal auch Abteithal oder Badia heißt.

Ennedi, afrikan. Volk, s. Baële.

Ennemoser, Joseph, medizinisch-philosophischer Schriftsteller, geb. 15. Nov. 1787 zu Hintersee im Landgericht Passeier (Tirol), studierte seit 1806 zu Innsbruck Medizin, folgte beim Ausbruch des Kriegs 1809 dem Sandwirt Hofer als Geheimschreiber und setzte hierauf seine Studien zu Erlangen und Wien fort. Im J. 1813 trat er in das Lützowsche Freikorps, beendete nach dem Pariser Frieden seine Studien in Berlin und widmete sich hauptsächlich der Begründung der neuen Lehre vom tierischen Magnetismus.