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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Epernon - Ephesia.

schöfe von Reims daselbst veranlaßte die Erbauung der Stadt, die im 9. Jahrh. zum Schutz gegen die Normannen mit einer Citadelle versehen wurde. Diese wurde 923 zerstört. Nachdem sich die Grafen von Champagne derselben bemächtigt, teilte diese die Schicksale der Champagne. 1544 wurde E. von Franz I. in Asche gelegt, dann an Peter Strozzi als Entschädigung geschenkt und wieder aufgebaut, hierauf zur Zeit der Ligue von den Spaniern eingenommen, aber 1592 von Heinrich IV. wiedererobert. 1642 kam E. durch Tauschvertrag an den Herzog von Bouillon. Vgl. Fiévet, Histoire de la ville d'E. (Reims 1869, 3 Bde.); Nicaise, E. et l'abbaye Saint-Martin de cette ville (Châlons 1870, 2 Bde.).

Epernon (spr. epärnóng), Stadt im franz. Departement Eure-et-Loir, Arrondissement Chartres, Station der Westbahn, mit Ruinen eines Schlosses sowie einer Priorei (aus dem 11. Jahrh.) u. (1876) 1993 Einw., welche Mühlsteine verfertigen und Gerberei treiben.

Eperon (franz., spr. ep'róng), Sporn; Widerlage der Strebepfeiler, Eis- oder Wellenbrecher; im Festungswesen ein kleines vorspringendes Außenwerk.

Epeus, Heros, s. Epeios.

Epexegese (griech.), in der Rhetorik ein zur Erklärung beigefügter Satz; auch s. v. w. Apposition.

Epfig, Flecken im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Schlettstadt, am Fuß der Vogesen und an der Eisenbahn Schlettstadt-Zabern, mit Pfarrkirche, Schloßruine und (1880) 2567 meist kath. Einwohnern. Auf dem Kirchhof eine romanische Kapelle aus dem 11. Jahrh.

Epha, Hohlmaß der alten Hebräer, der zehnte Teil des Chomer, ca. 40 Lit.

Epheben (griech.), bei den Griechen die zur Mannbarkeit herangereifte männliche Jugend. Der Eintritt in dies Alter (Hebe), der nach athenischem Gesetz nach zurückgelegtem 16. Lebensjahr erfolgte, ward durch ein Fest (Ephebia) gefeiert, bei welchem die Eltern des E. dem Herakles ein Trankopfer (Önisteria) darbrachten. Von da an begann eine zweijährige Übungszeit des E. im Gymnasium, die durch die Mündigkeitserklärung und Aufnahme in die Bürgerliste ihren Abschluß fand. Die E. wurden hierauf dem Volk vorgestellt, im Heiligtum des Agraulos mit Schild und Speer bewaffnet und durch den Ephebeneid zur Verteidigung des Vaterlandes verpflichtet. Hierauf wurden sie auf zwei Jahre als Peripoloi in die Wachthäuser von Attika postiert, um im Land zu patrouillieren und als Sicherheitswache zu dienen. Nach dem 20. Jahr begann dann die Verpflichtung zum Kriegsdienst auch außerhalb des Landes. In Sparta, wo die Zeit der Ephebie vom 18. bis zum 30. Lebensjahr dauerte, standen die E. unter strenger Aufsicht, lebten in einer abgesonderten Wohnung (Ephebion), durften den Volksversammlungen nicht beiwohnen und wurden in ihren eignen Angelegenheiten von ihren Verwandten oder Freunden vertreten. Erst mit dem 30. Jahr erlangten sie die volle bürgerliche Mündigkeit und das Recht, sich einen Hausstand zu gründen. Vgl. Dumont, Essai sur l'éphébie attique (Par. 1875-77, 2 Bde.); Grasberger, Erziehung und Unterricht im klassischen Altertum, Bd. 3: Die Ephebenbildung (Würzb. 1880).

Ephedra L. (Meerträubchen), Gattung aus der Familie der Gnetaceen, aufrechte oder schlingende, sehr verästelte Sträucher von schachtelhalmähnlichem Ansehen, mit gegliederten Ästen und meist nur 2-4-zähnigen Scheiden an Stelle der Blätter, in deren Winkel die Blütenkätzchen stehen. Die Frucht ist nußartig, von der fleischig gewordenen Hülle umgeben und stellt eine falsche Steinfrucht dar. 18 Arten in den Mittelmeerländern und Amerika. E. vulgaris A. Rchd., ein bald nur einige Zentimeter, bald 1 m hoher Strauch mit zahlreichen gelblich-, aber auch blaugrünen, selten etwas rötlichen Ästen, gelblichgrünen Blüten und roten Früchten, in Südeuropa, im Orient, Nord- und Hochasien, auf Madeira und in Nordafrika, variiert sehr und wird in mehreren Abarten als Zierstrauch kultiviert. Blüten und Früchte waren früher offizinell und sind noch jetzt als Volksmittel gebräuchlich, die Früchte werben in Südsibirien gegessen.

Ephedrítes Göpp., vorweltliche Pflanzengattung aus der Familie der Koniferen (s. d.).

Ephektiker (griech., "Zurückhalter"), Beiname der skeptischen Philosophen, sofern sie bei jeglicher Erscheinung Zweifel hegten und mit ihrem Urteil zurückhalten zu müssen glaubten.

Epheliden (griech.), Sommersprossen.

Ephemer (griech.), "eintägig", von kurzer Dauer, schnell vergehend.

Ephemera (griech.), plötzlich und besonders bei Kindern eintretendes und in 1-3 Tagen wieder verschwindendes Fieber, welches oft ohne jede Lokalerscheinung verläuft oder von Entzündungen verschiedener Schleimhäute, Rachenentzündungen, rheumatischen Erscheinungen, Neuralgien begleitet ist, die zur Höhe des Fiebers in keinem Verhältnis stehen. E. heißt auch das eintägige Wechselfieber.

Ephemera, Eintagsfliege; Ephemeridae (Ephemeren, Ephemeriden), Familie aus der Ordnung der Falschnetzflügler, s. Eintagsfliegen.

Ephemeriden (griech., "Tagebücher, Tageblätter"), Schriften, worin Tagesbegebenheiten nach der Zeitfolge aufgezeichnet werden; auch Zeitungen und andre periodisch erscheinende Blätter; insbesondere aber astronomische Jahrbücher, worin die Stellung der Sonne, des Mondes, der Planeten und die übrigen Erscheinungen am Himmel tagweise und zwar im voraus verzeichnet stehen. Dergleichen gab zuerst Peurbach für die Jahre 1450-61 heraus, weit genauere aber Regiomontanus 1475-1506 und nach diesem Stöfler, Kepler, Manfredi, Zanotti u. a. Gegenwärtig sind die vorzüglichsten das 1776 von Bode begründete "Berliner Astronomische Jahrbuch", herausgegeben von Förster und Powalki, der seit 1767 erscheinende und hauptsächlich von den Seefahrern benutzte "Nautical Almanac" sowie die seit 1769 erscheinende "Connaissance des temps" in Paris.

Epheserbrief, eins der dem Apostel Paulus zugeschriebenen Sendschreiben, gleichzeitig mit den Briefen an die Kolosser und an Philemon und, wenn echt, während seiner Gefangenschaft, sei es zu Cäsarea, sei es zu Rom, verfaßt. Der Brief ist ein Umlaufschreiben an eine Reihe von Gemeinden des prokonsularischen Asien, daher sehr allgemein gehalten, ohne jede nähere Beziehung auf lokale und individuelle Verhältnisse. Dies fällt um so mehr auf, als Paulus gerade die Gemeinde in Ephesos sehr wohl kannte und ohne Zweifel anders an sie geschrieben haben würde. Unpaulinische Ausdrucksweise und Anschauungen vollenden den Eindruck des Unechten, welchen zuerst De Wette und Schleiermacher, dann Baur, Schwegler, Hilgenfeld, ferner auch Ewald, Pfleiderer, Hausrath und fast alle kritischen Theologen der Gegenwart gewonnen und im einzelnen begründet haben. Vgl. Holtzmann, Kritik der Epheser- und Kolosserbriefe (Leipz. 1872).

Ephesia (griech.), Beiname der Artemis von ihrem Tempel zu Ephesos; auch nächtliches Fest derselben