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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Essigsäureäther; Essigsäuresalze

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Essigsäureäther - Essigsäuresalze.

zeugt etc. Die Alchimisten arbeiteten viel mit Essig. Geber reinigte ihn im 8. Jahrh. durch Destillation, und Basilius Valentinus erhielt im 15. Jahrh. durch fraktionierte Destillation und durch trockene Destillation des Grünspans stärkere E. Stahl ließ 1723 Essig gefrieren, beseitigte das Eis und gewann auf diese Weise ebenfalls stärkern Essig. Er stellte auch E. durch Destillation von essigsaurem Kali mit Schwefelsäure dar; und Lowitz entdeckte 1789 die reine kristallisierte E. Glauber bezeichnete 1658 die durch trockene Destillation des Holzes erhaltene Säure als E. Später wurde die Identität geleugnet, bis sie von Fourcroy und Vauquelin nachgewiesen wurde. Die ersten größern Holzverkohlungsöfen wurden aber erst 1819 zu Hausach in Baden in Betrieb gesetzt. Daß die Essigbildung auf einer Oxydation beruhe, hatte schon Lavoisier erkannt; doch ward der Prozeß erst später genauer untersucht, und Liebig zeigte den Unterschied zwischen Alkohol- und Essiggärung. Das Prinzip der Schnellessigfabrikation ward von Boerhaave 1732 angegeben, für die Technik aber 1823 durch Schützenbach in Eudingen ^[richtig: Endingen] im Breisgau und durch Wagenmann in Berlin (1825) nutzbar gemacht. In neuester Zeit gestalteten sich für die Darstellung der E. aus Holz die Verhältnisse günstiger, seitdem der 1812 im Holzessig nachgewiesene Methylalkohol für die Teerfarbenindustrie große Bedeutung gewann.

Essigsäureäther. Von den zusammengesetzten Äthern, welche die Essigsäure bildet, findet sich der Essigsäure-Äthyläther (Essigäther) C2H3O2.C2H6 ^[C_{2}H_{3}O_{2}.C_{2}H_{6}] in geringer Menge im Essig, Franzbranntwein und in einigen Weinsorten und wird durch Destillation von entwässertem essigsauren Natron mit Alkohol und Schwefelsäure erhalten. Das zur Reinigung mit wenig lauwarmem Wasser, dann mit kohlensaurem Natron geschüttelte, mit Chlorcalcium entwässerte und rektifizierte Destillat bildet eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,906, riecht und schmeckt angenehm erfrischend obstartig, mischt sich mit Alkohol und Äther, löst sich in 11 Teilen Wasser, brennt mit rußender Flamme, siedet bei 74° und wird beim Aufbewahren durch Berührung mit der Luft, namentlich wenn es wasserhaltig ist, leicht sauer. Man benutzt Essigäther als Arzneimittel bei Hysterie, Ohnmacht, Magenkrampf und als Riechmittel, dann zur Bereitung von Fruchtäthern, künstlichem Kognak, Rum, zur Verbesserung des Geschmacks von Branntwein, Essig etc. Der Essigsäure-Amyläther C2H3O2.C5H11 ^[C_{2}H_{3}O_{2}.C_{5}H_{11}] wird durch Destillation von essigsaurem Kali mit Schwefelsäure und Amylalkohol erhalten, bildet gereinigt eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,873, riecht angenehm obstartig, mischt sich mit Alkohol und Äther, ist unlöslich in Wasser, siedet bei 140° und dient zur Bereitung von Fruchtäthern. Eine Lösung in Alkohol findet sich im Handel als Birnöl. Auch andre E., wie der Butyläther und Propyläther, riechen angenehm obstartig.

Essigsäuresalze (Acetate), Verbindungen der Essigsäure mit Basen, werden durch Behandeln von Metallen, Oxyden oder Kohlensäuresalzen mit Essigsäure, auch durch Zersetzung von essigsaurem Baryt oder essigsaurem Bleioxyd mit Schwefelsäuresalzen dargestellt. Die neutralen E. sind fast sämtlich in Wasser, größtenteils auch in Alkohol löslich; in kaltem Wasser schwer löslich sind das essigsaure Silberoxyd und das Quecksilberoxydulsalz. Die meisten E. kristallisieren leicht, einige bilden mit Essigsäure saure Salze, auch sind Doppelsalze bekannt. Besonders leicht aber bildet Essigsäure basische Salze. Beim Erhitzen verlieren die E. mit schwacher Base den größten Teil ihrer Säure unverändert, und es entsteht nur wenig Aceton neben brenzligen, ölartigen Produkten; die Salze mit starker Base zerfallen in Kohlensäuresalz und Aceton. Lösungen der E. zersetzen sich namentlich leicht bei Gegenwart von freiem Alkali in kohlensaures Salz und schleimige Materie. Essigsaures Ammoniak NH4.C2H3O2 ^[NH_{4}.C_{2}H_{3}O_{2}] entsteht bei Einwirkung von Ammoniakgas auf Essigsäure, ist geruchlos, schmeckt unangenehm salzig, löst sich leicht in Wasser und Alkohol, verflüchtigt sich teilweise beim Verdunsten der wässerigen Lösung und hinterläßt saures Salz; die wässerige Lösung, durch Neutralisieren von Ammoniakflüssigkeit mit Essigsäure erhalten, reagiert schwach alkalisch, verwandelt sich nach längerer Zeit in kohlensaures Ammoniak, wirkt schweißtreibend und ist als Liquor ammonii acetici (Spiritus Mindereri, spez. Gew. 1,032-1,034) offizinell. Das saure essigsaure Ammoniak, welches auch durch Sublimation von Salmiak (Chlorammonium) mit essigsaurem Kali erhalten wird, ist farblos, sehr leicht löslich, zerfließt an feuchter Luft und dient zum Konservieren von Fleisch, Gemüsen, Früchten etc. Essigsaurer Baryt Ba(C2H3O2)2 ^[Ba(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}] wird durch Neutralisieren von Schwefelbaryum oder kohlensaurem Baryt mit Essigsäure erhalten, kristallisiert mit 1 oder 3 Molekülen Wasser, ist sehr leicht löslich in Wasser, nicht in Alkohol, reagiert alkalisch, zerfällt beim Erhitzen fast geradeauf in Kohlensäure und Aceton und dient in der Färberei und Kattundruckerei zur Darstellung von Rotbeize. Essigsaures Blei, s. Bleizucker und Bleiessig. Essigsaures Eisenoxydul Fe(C2H3O2)2 ^[Fe(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}] entsteht beim Lösen von Eisen in Essigsäure, bildet sehr leicht lösliche Kristalle mit 4 Molekülen Kristallwasser und oxydiert sich schnell an der Luft. Wird bei der Bereitung der Lösung der Luft reichlich Zutritt zu dem Eisen gestattet (durch wiederholtes Abgießen der Flüssigkeit), so entsteht eine dunkel rotbraune Lösung von essigsaurem Eisenoxyd, welche, in der Regel mit Holzessig dargestellt, als Eisenbeize (Eisenbrühe, Eisenschwärze, Schwarzbeize) zum Schwarzfärben von Baumwolle, Seide, Leder, Holz, zur Bereitung von Tinte etc. dient. Eine reine Lösung von essigsaurem Eisenoxyd, durch Lösen von Eisenhydroxyd in Essigsäure erhalten, vom spez. Gew. 1,081-1,083 (4,8-5 Proz. Eisen) ist als Liquor ferri acetici offizinell. Essigsaures Kali KC2H3O2 ^[KC_{2}H_{3}O_{2}], durch Neutralisieren von kohlensaurem Kali mit Essigsäure erhalten, kristallisiert sehr schwer, ist äußerst zerfließlich, leicht löslich in Wasser und Alkohol, reagiert schwach alkalisch, schmeckt warm, stechend salzig, schmilzt bei 300°, erstarrt kristallinisch, zersetzt sich erst in sehr hoher Temperatur, wird als harntreibendes Mittel bei Gicht und Magenkatarrh benutzt. Essigsaurer Kalk Ca(C2H3O2)2 ^[Ca(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}] wird durch Neutralisieren von Essigsäure mit kohlensaurem Kalk erhalten und im großen aus Holzessig dargestellt. Der rohe Holzessig liefert den unreinen Weißkalk des Handels (s. Essigsäure), während man aus destilliertem Holzessig viel reineres Salz gewinnt. Er bildet wasserhaltige, verwitternde Nadeln, schmeckt herb, bitter salzig, ist leicht löslich in Wasser, schwer in Alkohol, wird bei 100° wasserfrei, erträgt ziemlich hohe Temperaturen und dient zur Gewinnung von Essigsäure, in der Türkischrotfärberei und im Gemisch mit Chlorcalcium und Ammoniak zum Unverbrennlichmachen von Holz und Geweben. Essigsaures Kupferoxyd (destillierter Grünspan) Cu(C2H3O2)2 ^[Cu(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}] entsteht beim Lösen von Kupferoxyd oder Grünspan in Essigsäure und bei der Zersetzung von schwefelsaurem Kupferoxyd mit