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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Estreicher; Estrella; Estremadura

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Estreicher - Estremadura.

Soissons ernannt; er starb 5. Mai 1670 in Paris und hinterließ "Mémoires de la régence de Marie de Médicis" (Par. 1666).

3) Jean, Graf d', Sohn des vorigen, geb. 1624, diente zuerst unter Turenne, geriet aber in Gefangenschaft, in welcher er über zehn Jahre schmachtete. Vom König 1668 zum Befehlshaber der Seetruppen ernannt, züchtigte er die Raubstaaten, befehligte 1672 gegen Holland die vereinigte Flotte von Frankreich und England und kämpfte gegen den holländischen Admiral de Ruyter in der Southwoldsbai (7. Juni). 1673 verhinderte er durch seine Unthätigkeit die Engländer am Sieg in der Schlacht beim Texel. 1676 entriß er den Holländern Cayenne, eroberte Gorée und die Insel Tobago, ward 1681 Marschall, besiegte 1685 die Raubstaaten Tripolis und Tunis und wurde 1686 zum Vizekönig der amerikanischen Kolonien ernannt. 1688 züchtigte er Algier, focht 1691 glücklich gegen die Engländer und erhielt 1704 das Gouvernement von Nantes. Er starb 9. März 1707 in Paris.

4) Victor Marie, Herzog d', Sohn des vorigen, geb. 30. Nov. 1660, beteiligte sich als Schiffskapitän an seines Vaters Expeditionen nach Amerika, Tripolis und Algier, befehligte im März 1691 die Galeeren, welche die Einnahme von Villafranca, Nizza und Oneglia bewirkten, und bombardierte 1697 Barcelona und Alicante. 1701 zum Marschall von Frankreich und zum spanischen Granden erhoben, trug er wesentlich zum Seesieg bei Malaga (1704) bei, wurde nach dem Tod seines Vaters Gouverneur von Nantes und Coucy sowie Vizekönig von Amerika. 1715 wurde er zum Präsidenten des Marinerats und zum Vizepräsidenten des Handelsrats ernannt, 1717 in den Regentschaftsrat eingeführt und 1720 mit dem Gouvernement der Bretagne betraut. Später gelangte er auch zur Herzogswürde, ward 1733 in den Staatsrat aufgenommen und empfing 1734 die Auszeichnungen eines ersten Marschalls von Frankreich. E. war Mitglied mehrerer Akademien; starb 27. Dez. 1737 in Paris.

5) Louis César Letellier, Chevalier de Louvois, Herzog d'E., Neffe des vorigen, geb. 2. Juli 1695, diente, in den Malteserorden aufgenommen, in Spanien, Böhmen, 1743-45 in den Niederlanden, ward 1756 Marschall von Frankreich und erhielt im März 1757 den Oberbefehl der Armee in Deutschland. Er ging über die Weser, schlug 26. Juli den Herzog von Cumberland bei Hastenbeck; mußte aber infolge von Hofkabalen sein Kommando an den Herzog von Richelieu abgeben. 1762 übernahm er nochmals mit Soubise das Kommando der Hauptarmee, ohne jedoch etwas auszurichten. Seit 1763 Herzog von E., blieb er Mitglied des geheimen Konseils bis an seinen Tod, 2. Jan. 1771. Mit ihm erlosch der Name E.

Estreicher, Karl E., Ritter von Rosbierski, poln. Bibliograph und Litterarhistoriker, geb. 22. Nov. 1827 zu Krakau, studierte daselbst Rechtswissenschaft und erhielt eine Anstellung am Landesgericht in Lemberg, wandte sich dann aber der polnischen Bibliographie und Litteraturgeschichte zu und wurde 1862 Bibliothekar und Professor an der Universität zu Warschau, von wo er 1868 als Bibliothekar der Jagellonischen Universitätsbibliothek nach Krakau übersiedelte. Sein Hauptwerk: "Bibliografia polska", umfaßt die polnische Bibliographie von 1800 bis 1882 (im ganzen etwa 140,000 Drucke) sowie die Bibliographie des 15.-18. Jahrh. chronologisch zusammengestellt und erschien in 10 Bänden (Krak. 1870-86). Von seinen übrigen Publikationen sind hervorzuheben: "Adam Mickiewicz" (Wien 1863); "Polnische Bibliographie des 15. und 16. Jahrhunderts" (Krak. 1875); eine Zusammenstellung von 1400 polnischen Zeitschriften (das. 1879); "Das Repertoire der polnischen Bühne von 1750 bis 1781" (die Titel von 3800 Stücken, das. 1871); das bedeutende Werk "Die polnischen Theater" ("Theatra w Polsce", das. 1873-79, 3 Bde.); "Beschreibung der Jagellonischen Bibliothek" (das. 1882) und zwei größere Monographien über polnische Dichter: "Thomas Kajetan Wegierski" (2. Aufl., Leipz. 1883) und "Vinzenz Pol und seine Gesellschaft" (Lemb. 1882). Auch veröffentlichte er eine Schrift über die polnische Gaunersprache: "Gwara ztoczyńców" (Warsch. 1867).

Estrella (Serra da E., bei den Römern Mons Hermunius), Gebirge in Portugal, ein westliches Glied des Kastilischen Scheidegebirges, bildet einen ungeheuern, kahlen, platten Bergwall, der sich in nordöstlich-südwestlicher Richtung zwischen den Flüssen Mondego und Zezere (Provinz Beira) 60 km weit hinzieht und mit der Sierra de Gata (in Spanien) zusammenhängt. Der südwestliche Teil, der am höchsten ist und schroff zerklüftet abfällt, heißt Serra brava, der nördliche, wo sich das Gebirge sanft abdacht, Serra mansa. Der westliche Ausläufer der E. ist die Serra de Louza: Der 3 km breite, mit Gras, Kräutern, Wacholdergebüsch bedeckte Kamm trägt vom Oktober bis Juni eine Schneehülle; in seiner Mitte liegt der 1993 m hohe Malhão de Serra, eine breit gewölbte Hochfläche mit vier tiefen, kristallhellen Alpenseen. Mehrere der höhern Spitzen heißen Cantaros ("Krüge") wegen des überall hervorsprudelnden Wassers, so Cantaro Magno u. a. Die Bestandteile der E. sind Granit nebst darauf lagerndem Sand- und Kalkstein und zahlreichen, jedoch wenig ausgebeuteten Erzlagern. Die E. beherbergt noch viele Wölfe. Vgl. Rivoli, Die Serra da E. (Ergänzungsheft 61 zu "Petermanns Mitteilungen", Gotha 1880).

Estremadura, 1) portug. Provinz in der Mitte des Landes, grenzt nördlich an die Provinz Beira, östlich und südlich an Alemtejo und im W. an den Atlantischen Ozean und hat einen Flächenraum von 17,958 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 17,878 qkm = 324,7 QM.). Der gegen SW. fließende Tejo teilt das Land in zwei fast gleiche Teile, deren nördlicher die südwestlichsten Ausläufer des Kastilischen Scheidegebirges (mit der Serra de Aire, Monte Junto und Serra de Cintra) umfaßt und daher ziemlich gebirgig ist. Flüsse sind hier der Zezere, der in den Tejo fällt und den Nabao aufnimmt, und der Küstenfluß Lis. Die gebirgige Mitte dieses Teils ist von großer landschaftlicher Schönheit. Der südliche Teil ist weit weniger gebirgig. Hier dehnen sich im S. und SO. des Tejo die ungeheuern Einöden der Heiden von Setubal aus sowie weiter nördlich das öde Plateau der Cemas de Ourem, in denen der Boden aus tiefem weißen Sand besteht. Ähnliche, nur mit Cistusheiden bedeckte Einöden finden sich auch im N. bei Leiria und Pombal. Die Küste ist an einigen Stellen flach und sandig, z. B. bei Lissabon, an andern dagegen hoch und steil, besonders im S. zwischen dem Kap Espichel und Setubal, wo sich die Kalkmauer der Serra d'Arrabida längs derselben hinzieht. An Gewässern besitzt der südliche Teil namentlich den Küstenfluß Sado. Die Provinz hat ein herrliches Klima, dessen Hitze (bis 40° C.) die fast beständig wehenden Nord- und Nordostwinde mildern, wird aber häufig von Erdbeben heimgesucht. Mineralschätze sind vorhanden, aber noch ziemlich unbeachtet geblieben. Am Sado und um Setubal gewinnt man in Salzgruben (Marinhas) ungeheure Mengen Seesalz. Auch Mineralquellen gibt es viele, als deren wichtigste die Thermen von Torres Vedras,