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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Europa

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Europa (geologische Übersicht).

gen Zuflüsse des Pontus öffnen sich mit weiten Flußbuchten (Limanen). Das Donaugebiet umfaßt das ganze Innere des östlichen Mittelgebirgslandes, die Nordabdachung der griechischen Halbinsel, den größten Teil der Alpen und des südlichen Teils des deutschen Mittelgebirgslandes. Auch die Steppenseen Ungarns, der Neusiedler und Plattensee, werden vom Donaugebiet umfaßt. Abgesehen von dem Donau-Mainkanal besitzt nur noch das große ungarische Tiefland Kanalverbindung. Von den übrigen größern Zuflüssen des Schwarzen Meers entspringt nur der Dnjestr am Rande der östlichen Mittelgebirgslande; der Dnjepr und der in das Asowsche Meer sich ergießende Don gehören ganz dem Tiefland an. Der Dnjepr ist durch Kanäle mit den Zuflüssen der Ostsee verbunden. Das Gebiet des Don beträgt 430,252 qkm (7814 QM.), das des Dnjepr 526,946 qkm (9570 QM.). Außer den schon erwähnten Seen finden sich noch einzelne zerstreute größere in Irland, im W. der italischen Halbinsel der Trasimenische und der Fuciner See, und im W. der griechischen Halbinsel die Seen von Ochrida und Skutari. E. gehört zu den in hydrographischer Hinsicht begünstigtsten Teilen der Erde, mit dem nur noch Nordamerika wetteifert.

Geologische Übersicht.

Wenn sich aus Marcous geologischer Karte der Welt E. als der geologisch am reichsten gegliederte Erdteil darstellt, so ist nicht zu vergessen, daß in Wirklichkeit dieser Unterschied nicht oder doch nicht so grell besteht, und daß er mehr der Ausdruck bessern geologischen Wissens hinsichtlich der Verhältnisse Europas ist: ist doch alle geologische Kenntnis von diesem Erdteil ausgegangen und er am längsten und eingehendsten Objekt der wissenschaftlichen Untersuchungen gewesen. Als Oberflächenbildungen treten zunächst die Gesteine der archäischen Formationsgruppe in den zentralen Partien der großen europäischen Kettengebirge auf, so in den Alpen, den Karpathen, dem Kaukasus, ferner, als ein langes, schmales Band nordsüdlich vom Nördlichen Polarmeer bis in die Breiten des Nordendes des Kaspisees streichend, im Grenzgebirge gegen Asien, im Ural. Untergeordnet ist ihr Vorkommen in den Gebirgen der Iberischen Halbinsel, einschließlich der Pyrenäen, bedeutender in Zentralfrankreich, ferner auf Sardinien und Corsica. In Deutschland bestehen die Mittelgebirge, die Vogesen, der Schwarzwald, Odenwald, Harz, zum Teil aus den genannten Gesteinen. Die im geologischen Sinn so vollkommene Arrondierung Böhmens beruht in der Entwickelung der archäischen Gesteine in sämtlichen Grenzgebirgen des Landes. Als weitere Gebiete, in welchen sie sich in bedeutendern Massen vorfinden, sind die Balkanhalbinsel und Südrußland zwischen Bug und Dnjepr zu nennen; im N. sind die skandinavische Halbinsel sowie die nordwestlichen Provinzen Rußlands zwischen dem Bottnischen Meerbusen und Weißen Meer ganz überwiegend aus diesem altkristallinischen Material zusammengesetzt, das auch in Schottland und Nordirland zu Tage tritt. Silur und Devon, oft in inniger Verknüpfung mit Diorit und Diabas und deren Tuffen, den Schalsteinen, sind außer in England, dessen Provinzen ihnen den Namen gegeben, auch in Schottland und Irland weitverbreitet, in Frankreich besonders im nordwestlichen Teil, der Bretagne. Breite Streifen der beiden Formationen durchziehen ostwestlich Portugal und Spanien und beteiligen sich an der Zusammensetzung der Pyrenäen. Deutschland besitzt außer unbedeutenden Vorkommnissen in Thüringen und dem Fichtelgebirge Silur und namentlich Devon in großer Verbreitung im NW., wo die betreffenden Schichtsysteme über die Landesgrenze hinweg mit den belgischen in engem Zusammenhang stehen. In Österreich-Ungarn sind Schichten gleichen Alters aus dem Herzen Böhmens, aus Nordmähren und den Grenzländern gegen die Balkanhalbinsel aufzuführen. Wichtig sind endlich diese untersten Schichtsysteme der paläozoischen Gruppe im N. und O. Europas, in Skandinavien, welches neben diesen Schichten und den schon erwähnten ältesten Gesteinen jüngere Bildungen nur an seinen südlichen Grenzen aufzuweisen hat, sowie in Rußland. Im letztgenannten Land sind übrigens diese Gesteine sowie diejenigen der Kohlenformation in einem eigentümlichen Zustand der Unfertigkeit: anstatt der Thonschiefer setzen Thone, anstatt der Sandsteine Sande die Schichten zusammen, wohl infolge des Mangels an Bedeckung durch jüngere Schichten seit der Zeit der Ablagerung. Auch auf die Gesteine der Kohlenformation dehnt sich diese Eigentümlichkeit aus und gibt diesen alten russischen Kohlen eher das Aussehen jungtertiärer Braunkohlen. Bei der Verbreitung der Kohlenformation ist daran zu erinnern, daß sich dieselbe nicht mit dem Vorkommen bauwürdiger Kohle deckt, indem einesteils dieses technisch so überaus wichtige Material häufig auch dort in der Tiefe aufgesucht wird, wo jüngere Bildungen an der Oberfläche anstehen, andernteils aber die Verbreitung der ganzen Formation eine größere ist als diejenige des erfahrungsmäßig allein bauwürdige Kohle bergenden Gliedes derselben. Unbedeutend entwickelt auf der Iberischen Halbinsel und in Frankreich, spielt die Kohlenformation in England, Schottland und Irland eine bedeutende Rolle; in Deutschland ist sie in Westfalen, den Rheinlanden, Nassau und in Schlesien über große, zusammenhängende Territorien verbreitet, während sie in Sachsen und Thüringen kleinere, in Süddeutschland nur ganz unbedeutende Erstreckung besitzt. In Böhmen tritt sie um Pilsen herum auf, ferner in Nordmähren, nur unbedeutend in den Alpen, mächtiger dagegen im O. Europas, wo sie, teils längs des Urals, teils vom Weißen Meer ausgehend, bis in die Gegend südlich von Moskau langgestreckte Territorien bildet, nicht selten Kohle führend. - Die Dyasformation, besonders das Rotliegende, tritt an vielen Stellen als das Oberflächengebirge der Steinkohlenformation auf, ist übrigens in Großbritannien, Spanien und Frankreich meist nur untergeordnet als schmaler Streifen zwischen dieser und den Triasformationen entwickelt, während sie in Deutschland, und zwar deutlich in ihre zwei Glieder geschieden, eine nicht unbedeutende Verbreitung besitzt. Im Schwarzwald, in dem Donnersberg, den Vogesen, dem Odenwald und dem Erzgebirge kommt Rotliegendes, mit Porphyren als gleichzeitigem eruptiven Material eng verknüpft, entweder ganz ohne Zechstein oder doch nur mit geringen Andeutungen desselben vor, im N., so im Spessart, Thüringer Wald, Harz etc., daneben Zechstein, welcher als salzführende unterirdische Bildung bis in die norddeutsche Tiefebene nachgewiesen ist. Im O. Europas tritt die Formation, freilich in einer besondern, die Zweiteilung nicht mehr klar verratenden Facies, als sogen. Perm, in einer überaus weiten Verbreitung auf. - Die nächstjüngern Triasformationen finden ihre typischte Entwickelung in Deutschland, wo ihre drei Glieder immer nachweisbar sind und sie, abgesehen von einem kleinern Vorkommen in Oberschlesien, große, zusammenhängende Territorien bilden, die sich von Norddeutschland nach Süd-^[folgende Seite]