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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Farnesina; Farnesische Kunstwerke; Farnhaar

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Farnesina - Farnhaar.

Ihm folgte in der Regierung beider Herzogtümer sein Sohn Alessandro (Alexander von Parma), geb. 1547 zu Rom. Derselbe erhielt eine kriegerische Erziehung, focht 1571 im Heer des Juan d'Austria bei Lepanto gegen die Türken mit und ward Juans vertrauter Ratgeber, als derselbe 1576 die Statthalterschaft der Niederlande übernommen hatte. Nach Juans Tod (1578) mit der Statthalterschaft betraut, zeigte er in dieser Stellung ebensoviel Mut und Standhaftigkeit wie Schlauheit und Arglist und bewährte sich als ausgezeichneten Feldherrn. Durch kluge Benutzung des religiösen Zwiespalts zwischen den nördlichen protestantischen und den südlichen katholischen Provinzen wußte er die letztern zu Spanien zurückzubringen. Er nahm 1579 Maastricht ein, bemächtigte sich 1584 Gents, Brügges und Yperns, zwang Brüssel durch Hunger zur Kapitulation und nötigte Antwerpen (17. Aug. 1585) zur Übergabe. 1586 ward er Herzog von Parma und Piacenza und eroberte noch Grave, Venloo und Neuß und 1587 die Festung Sluys. Nach dem Untergang der Armada entsetzte er 1590 das durch Heinrich IV. belagerte Paris sowie im folgenden Jahr das bedrängte Rouen. Er starb 3. Dez. 1592 in Arras. Ihm folgte in der Regierung sein ältester Sohn, Ranuccio I., geb. 1569, ein finsterer, habsüchtiger Tyrann, ließ die Häupter der angesehensten Familien wegen angeblicher Verschwörung gegen ihn 19. Mai 1592 hinrichten und ihre Güter einziehen; starb 1622. Sein Sohn und Nachfolger Odoardo, geb. 28. April 1612, führte wegen des von der päpstlichen Kammer zur Deckung der Farneseschen Schulden mit Beschlag belegten Herzogtums Castro Krieg gegen Papst Urban VIII.; starb 12. Sept. 1646. Die letzten Sprößlinge des Hauses, Ranuccio II. Francesco (gest. 1727) und Antonio (gest. 1731), sind ohne Bedeutung. Nach des letztern Tod fiel das Herzogtum Parma an den Infanten Don Carlos, Sohn König Philipps V. von Spanien und der Elisabeth F., nachmaligen König Karl III. von Spanien. S. Parma (Geschichte).

Der Palast F. in Rom, am gleichnamigen Platz, nahe dem Tiber, der Farnesina (s. d.) gegenüber gelegen, ist eins der vorzüglichsten Bauwerke der Ewigen Stadt. Der Bau wurde von Alessandro F. vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl nach dem Plan des jüngern Ant. da Sangallo 1530 begonnen, dann unter Leitung Michelangelos fortgesetzt (von ihm namentlich das herrliche, reichverzierte Hauptgesims, das große Marmorfenster über dem Haupteingang und der Hof, mit Ausnahme der untern Arkadenreihe), schließlich von della Porta (von ihm die Loggia an der Rückseite) 1580 vollendet. Ein Saal des Palastes, die sogen. Galerie, enthält umfangreiche und berühmte Freskogemälde mythologischen Inhalts von Annibale Carracci. - Die Farnesischen Gärten auf der Nordseite des Palatins, von Paul III. angelegt, zeigen jetzt nur noch Spuren ihrer ehemaligen Pracht. Napoleon III., der 1860 in Besitz derselben kam, unternahm dort bedeutende Ausgrabungen, die seit 1870 von der italienischen Regierung fortgesetzt werden. Von Ruinen antiker Bauwerke liegen hier die Paläste des Tiberius, Caligula, der Flavier u. a.

Farnesina, Villa in Rom (Trastevere), an der Via Longara, dem Palast Farnese gegenüber, erbaut von Raffael oder Peruzzi 1509 im Auftrag des Kaufmanns Agostino Chigi, ein Juwel der Renaissancebaukunst und ausgezeichnet durch den Freskenschmuck von Raffael (Geschichte von Amor und Psyche und Galatea), Soddoma (Hochzeit Alexanders mit Roxane), Sebastiano del Piombo und Peruzzi.

Farnesische Kunstwerke, eine Reihe antiker Kunstwerke, als "Farnesische" bezeichnet, teils weil sie unter dem Papst Paul III. (aus dem Haus Farnese) aufgefunden oder restauriert wurden, teils weil sie lange eine Hauptzierde der Kunstsammlungen im Farnesischen Palast zu Rom waren, von wo sie nach dem Aussterben des Hauses Farnese (1790) in den Besitz des Königs von Neapel übergingen, der sie dem Museo Rorbonico (jetzt Museo nationale) in Neapel einverleibte. Die vorzüglichsten derselben sind: Die Farnesische Flora, eine 3,5 m hohe Marmorstatue, aus den Bädern des Caracalla stammend, nach Visconti eine Personifikation der Hoffnung, nach Winckelmann eine tanzende Muse, nach neuerer Vermutung eine Hebe. Man fand nur den Rumpf erhalten, weshalb Paul III. Kopf, Vorderarme und Füße von Guglielmo della Porta ergänzen ließ. Eine neue Ergänzung, die wie die erste eine Flora voraussetzt, wurde 1796 in Neapel ausgeführt. Der Farnesische Herakles (Herkules), eine Statue von 5,3 m Höhe, aus parischem Marmor, ist nach der Inschrift ein Werk des Atheners Glykon, welches sich an ein älteres athenisches Vorbild anlehnt. Herakles ist dargestellt, wie er nach der Erbeutung der Hesperidenäpfel, welche er in der Hand hält, matt und gebeugt auf seine Keule gestützt, ausruht; die Körperbildung ist eine übertrieben kräftige (s. Taf. "Bildhauerkunst IV", Fig. 8). Die Statue wurde 1540 in den Thermen des Caracalla gefunden und im Farnesischen Palast aufgestellt. Die Restauration der verloren gewesenen Beine besorgte G. della Porta so glücklich, daß man die antiken, später ebenfalls aufgefundenen, nicht einmal an ihre alte Stelle zu bringen für nötig hielt, sondern sie neben die Statue niederlegte. Der Farnesische Stier (Toro Farnese) ist ein Werk der Künstler Apollonios und Tauriskos von Tralles (s. d.), den wilden Stier darstellend, an dessen Hörner Amphion und Zethos soeben die Dirke binden, die ihre Mutter Antiope mißhandelt hatte (s. Tafel "Bildhauerkunst II.", Fig. 9). Es ist die größte aus dem Altertum übrige Gruppe, aber leider durch umfassende moderne Ergänzungen sehr entstellt. Einst stand das Werk in der Bibliothek des Asinius Pollio und kam dann in die Bäder des Caracalla. Erst 1546 oder 1547 wurde es wieder aufgefunden und unter Paul III. zweimal schlechten Restaurationen unterworfen. Bei der ersten Restauration arbeitete man auf eine Ergänzung von "Herkules mit dem kretischen Ochsen" hin; erst bei der zweiten hatte man den eigentlichen Mythus vor Augen. 1786 nach Neapel versetzt, ist die Gruppe jetzt ein Prachtstück des dortigen Museo nazionale. Von geringerer Bedeutung sind die übrigen Farnesischen Kunstwerke: der Fechter, der Kopf des Caracalla, Venus und Apollo.

Farnhaar (Paleae Cibotii, Cibotium), haarförmig entwickelte, trockne Schuppen (paleae) der Wurzelstöcke mehrerer Farne, welche seit langer Zeit als blutstillendes Mittel benutzt werden. Schon im Mittelalter kamen derartige behaarte Wurzelstöcke als Frutex tartareus in den Handel und wurden mit Hilfe einiger ansitzender, trockner, holziger Wedelstiele in die Gestalt eines Tiers gebracht, welches als Baranetz oder Agnus scythicus zugleich zu allerlei abergläubischen Zwecken diente. Von der Ostseite Sumatras kommen solche Lämmer noch jetzt als Pengawar Dschambi (Heilmittel aus Dschambi) auf alle Märkte Javas. Die Stammpflanze ist Polypodium Raromez L. (Aspidium Baromez. Willd., Cibotium Baromez Kunze). Dieser Farn (vielleicht