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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Felletin; Fellin; Felling; Fellner; Fellow; Fellows

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Felletin - Fellows.

längere Zeit zu seiner weitern Ausbildung und hielt sich dann in Paris auf. Heimgekehrt, wurde er nacheinander von dem heimischen Patriziat, gegen dessen engherziges Regiment er geschrieben hatte, und von den Franzosen bei deren Einfall 1798 geächtet, aber bald zurückgerufen und als Gesandter nach Paris geschickt, wo er erfolgreich für Erleichterung der Schweiz wirkte. Bald aber trat er freiwillig vom politischen Schauplatz ab, um, früher im Elternhaus empfangener Anregung folgend, von da an sein Leben der Hebung und Veredelung des Volkes zu widmen. Er kaufte 1799 gemeinschaftlich mit seinem Vater das Gut Hofwyl in der Nähe von Bern, das er nach des Vaters Tod (1801) ganz an sich brachte, und suchte durch Musterwirtschaft und landwirtschaftliche Schriften belehrend auf seine Umgebung zu wirken. Mit dem landwirtschaftlichen Betrieb verband er nach und nach eine ganze Anzahl von Lehr- und Erziehungsanstalten: für verwahrloste Kinder (mit Wehrli, 1804), für junge Landwirte (1807), für Lehrer und für Söhne höherer Stände (1808) etc. Seine Gattin errichtete auch eine Anstalt für junge Mädchen. Zweimal wurde versucht, diese Anstalten mit denen Pestalozzis zu verschmelzen (1804 und 1817); allein die Eigenarten beider Männer fanden sich nicht zusammen. Im J. 1820 trat F. in den Großen Rat seines Kantons, wurde 1831 Präsident desselben und Mitglied des Erziehungsdepartements und des Verfassungsrats, 1833 Landammann von Bern, zog sich aber nach einigen leidenschaftlichen Fehden wieder ganz in seine Anstalten zurück und starb 21. Nov. 1844. Die Fellenbergschen Anstalten bestehen, teilweise als Besitz seiner Nachkommen, teilweise als Fellenberg-Stiftung (begründet 1871), in verkleinertem Umfang noch fort. Die Einwirkung Fellenbergs auf seine Heimat war bei seiner größern Umsicht und Stetigkeit fast nachhaltiger und segensreicher als die seines ältern Zeitgenossen und Landsmannes Pestalozzi. F. schrieb: "Landwirtschaftliche Blätter von Hofwyl" (Aarau 1808-17, 5 Hefte); "Der dreimonatliche Bildungskurs" (Bern 1833). Vgl. Hamm, Fellenbergs Leben und Wirken (Bern 1845); Schöni, Der Stifter von Hofwyl (Schaffh. 1874), und namentlich V. A. Huber in Gelzers "Protestantischen Monatsblättern" 1867 sowie Elvers' Biographie V. A. Hubers, Bd. 1 (Brem. 1872).

Felletin (spr. fell'tang), Stadt im franz. Departement Creuse, Arrondissement Aubusson, an der Creuse in rauher Gebirgsgegend und an der Orléansbahn, mit seit dem 14. Jahrh. berühmten Teppichfabriken, ferner Wollspinnereien, Tuchfabriken und (1876) 2913 Einw.

Fellin (esthnisch Willandi, russ. Welian), Stadt im russ. Gouvernement Livland, am See gleichen Namens, hat Ruinen eines Schlosses, ein 1797 gegründetes Fräuleinstift, eine schöne Kirche und (1881) 3460 Einw., meist Deutsche. Die Stadt bestand schon zu Anfang des 13. Jahrh. und fiel 1710 an Rußland. Vgl. Holst, Entwickelung der Stadt F. (Dorpat 1864).

Felling, Stadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tyne, unterhalb Gateshead, hat chemische und Farbenfabriken, Glashütten, Schiffswerfte und (1881) 17,137 Einw.

Fellner, Ferdinand, Maler, geb. 12. Mai 1799 zu Frankfurt a. M., studierte die Rechte und ließ sich in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Seiner Neigung zu künstlerischer Thätigkeit folgend, besuchte er 1825-31 die Akademie in München, wo er durch Hinweisung auf die Wichtigkeit gründlicher Kostüm- und Architekturstudien zum Zweck der Historienmalerei bedeutenden Einfluß ausübte, und wählte dann Stuttgart zu seinem Aufenthaltsort. Er war vorzugsweise als Illustrator thätig (zwölf Zeichnungen zur Geschichte der sieben Schwaben). Für den Kaisersaal zu Frankfurt a. M. malte er Konrad I. und Friedrich den Schönen, für die Kirche in Burgberg ein Altarbild. Er starb 4. Sept. 1859 in Stuttgart.

Fellow (engl., spr. fello), Genoß, Mitglied einer Genossenschaft, ist die in England übliche Bezeichnung für das vollberechtigte Mitglied eines gelehrten Vereins oder einer gelehrten Körperschaft, wohingegen die Mitglieder geselliger Vereine oder Klubs als Members bezeichnet werden. Ausnahmsweise kommt aber auch die Bezeichnung Member für die nicht vollberechtigten Mitglieder gelehrter Körperschaften vor wie z. B. beim College of Physicians. Am meisten bekannt im Ausland ist ihr Gebrauch im Universitätsleben. In Oxford und Cambridge hießen ursprünglich diejenigen Studenten Fellows, welche in einem College als ordentliche Mitglieder Aufnahme fanden, während die übrigen an den wissenschaftlichen Übungen teilnehmenden Studenten als Commoners bezeichnet wurden. Bei dem steigenden Reichtum der Kollegien verschob sich dies Verhältnis allmählich, indem die Fellows aus den Reihen der bereits Graduierten (bachelors, masters, doctors) genommen zu werden pflegten, während die eigentlichen Studenten als Under-graduates bezeichnet wurden. Aus der Zahl der Fellows wurden dann einzelne als Tutors, d. h. Aufseher und Studienleiter, am Kollegium festgehalten, die übrigen durften ihre oft sehr beträchtlichen Einkünfte auswärts verzehren und hatten meist nur die Pflicht eines jährlichen Aufenthalts von 6-8 Wochen in der Anstalt (residence). Sie bildeten mit dem Haupt (master, warden, president provost, principal rector, dean) die eigentliche Behörde des College. So ist im wesentlichen der Zustand noch heute; doch ist man auf dem Weg der Gesetzgebung (Gesetz über Universitätsreform vom 10. Aug. 1877) sowie der Selbstverwaltung bemüht, die idle fellowships (unthätigen Fellowstellen) zu gunsten der wissenschaftlichen Forschung und einer Vermehrung des eigentlichen Lehrerstandes allmählich einzuschränken. Auf diese Art werden die Fellows mehr und mehr Universitätsprofessoren, während diese bisher fast nur die Inhaber einer Anzahl allmählich von den Königen, Prinzen und andern hohen Gönnern begründeter Stellen außerhalb der Kollegien waren. Daß daneben die Bezeichnung als F. in mancher aus altem Herkommen stammender Anwendung von etwas anderm Sinn geblieben ist und noch lange bleiben wird, liegt in der Zähigkeit, mit der in England nicht bloß allgemeine Sitten, sondern auch örtliche Bräuche festgehalten zu werden pflegen. So spricht man immerhin in Oxford und in Cambridge noch von F.-commoners, doch haben die Vorrechte dieser den höhern Ständen angehörigen Studierenden längst aufgehört oder sind doch höchstens noch äußerlicher Natur. Über die üblichen Abkürzungen (wie F. R. S. etc.) s. Artikel "F" (Abkürzungen).

Fellows (spr. -los), Sir Charles, engl. Archäolog, geb. 1799 zu Nottingham, ließ sich 1820 in London nieder, bereiste seit 1832 Italien, Griechenland und die Levante und erwarb sich einen Weltruf durch seine Entdeckungen in Kleinasien, besonders in Lykien, wo er unter anderm die Ruinen von Xanthos, der alten Hauptstadt Lykiens, auffand. Seine Forschungen veröffentlichte er in den Werken: "Journal written during an excursion in Asia Minor" (Lond. 1839, 2. Aufl. 1852; deutsch, Leipz. 1855); "An account of discoveries in Lycia" (1841); "The Xanthian marbles"