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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fontanges - Fonvielle.

Streifen aus Musselin, Bändern, Blumen oder Federn (s. Abbildung und Tafel "Kostüme III", Fig. 9). Name und Sache rühren von der Herzogin von Fontanges (s. d.) her, die, als ihr um 1680 auf der Jagd der Kopfputz vom Wind aufgelöst worden war, denselben durch Bänder wieder befestigte, deren Schleifen ihr auf die Stirn herabfielen, was dann bis etwa ums Jahr 1720 Mode war. F. heißt auch altväterischer Frauenkopfputz überhaupt.

Fontanges (spr. fongtāngsch), Marie Angélique de Scoraille, Herzogin von, Mätresse Ludwigs XIV., geb. 1661 aus einer alten, aber herabgekommenen Familie von Rouergue, wurde in ihrem 17. Jahr Ehrendame der Herzogin von Orléans. Von beschränktem Geist, aber schön, bezauberte sie Ludwig XIV., verdrängte bei ihm die Frau v. Montespan und genoß kurze Zeit die ausschließliche Gunst des Monarchen, die sie durch Hochmut und unglaubliche Verschwendung mißbrauchte. Infolge einer Entbindung ihrer Schönheit beraubt, wurde sie bald vom König vernachlässigt und zog sich in die Abtei Port-Royal zurück, wo sie 28. Juni 1681 starb. Nach ihr wurde ein von ihr in Mode gebrachter Kopfputz benannt (s. den vorhergehenden Artikel).

Fonte Avellāna, Kongregation von, ging aus dem 1001 von Ludolf, nachherigem Bischof von Eugubio, gegründeten Stammkloster in der Einöde Fonte Avellana bei Faenza hervor und kam vorübergehend durch den Abt Peter Damiani (s. d.) zu Bedeutung. Aber die von ihm eingeführte, fast wahnsinnige Schärfung der ohnehin schon sehr strengen Askese gab nicht bloß Anlaß zur Umkehr zu mildern Ordensregeln, sondern allmählich auch zu völliger Zuchtlosigkeit, weshalb die Kongregation 1570 der zu den Kamaldulensern gehörigen des Michael von Murano einverleibt wurde. Vgl. Flagellanten.

Fontenay aux Roses (spr. fongt'näh o rohs'), Dorf im franz. Departement Seine, Arrondissement Sceaux, 4 km südlich von der Enceinte von Paris, an der Orléansbahn, so benannt von der früher hier ausschließlich getriebenen Rosenzucht, jetzt überwiegend mit Erdbeer- und Veilchenkultur beschäftigt, hat zahlreiche Landhäuser der Pariser und (1876) 2804 Einw.

Fontenay le Comte (spr. fongt'näh lö kóngt'), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vendée, im schönen Thal des von hier aus schiffbaren Vendéeflusses, an der Eisenbahn Taillebourg-Velluire, von freundlichem Äußern, im Innern aber eng und schlecht gebaut, hat eine schöne Kirche, Notre Dame, mit 79 m hohem Turm, mehrere Häuser und eine schöne Fontäne im Renaissancestil, ein Theater, (1881) 8173 Einw., Fabriken für Hüte, Leinwand, Tuch und Leder, große Getreidemärkte, eine Bibliothek, ein Collège und eine Mineralquelle. 1587 wurde die Stadt von Heinrich IV. durch Kapitulation eingenommen. Hier erfochten 16. Mai 1793 die Republikaner unter Chabot einen Sieg über die Vendéer, 25. Mai erlitten sie aber eine Niederlage.

Fontenelle (spr. fongt'näl), Bernard le Bovier de, franz. Schriftsteller, geb. 11. Febr. 1657 zu Rouen, Neffe des großen Corneille, studierte anfangs die Rechte, wandte sich dann aber der Litteratur zu, ward 1691 Mitglied der Académie française, 1697 immerwährender Sekretär der Académie des sciences und starb 9. Jan. 1757, fast 100 Jahre alt. Weder mit poetischem Gemüt oder schöpferischer Phantasie noch mit hervorragendem Verstand begabt, schrieb er doch eine Menge poetischer, historischer, oratorischer, philosophischer und wissenschaftlicher Werke, die wegen ihres klaren, eleganten Stils einst allgemein bewundert wurden, jetzt freilich meist der Vergessenheit anheimgefallen sind. Die bekanntesten seiner prosaischen Schriften sind: "Dialogues des morts", in Lukians Manier (1683); "Entretiens sur la pluralité des mondes" (1686 u. öfter, neue Ausg. 1864; deutsch von Gottsched, Leipz. 1727), ein vielgelesenes Buch, in dem er sich nicht ohne Glück bemühte, die Wissenschaft zu popularisieren; "Histoire des oracles" (1687); "Histoire de l'Académie des sciences" und die "Éloges des académiciens" (1708; neue Ausg. von Bouillier, 1883). Durch letzteres Werk wurde F. der Schöpfer der akademischen Lobreden, für welches Genre er Muster blieb. Außerdem schrieb er Opern, mehrere Tragödien, Lustspiele, Fabeln, Epigramme und Schäfergedichte. Seine "Œuvres complètes" erschienen Paris 1758, 11 Bde.; mit Lalandes Anmerkungen 1790, 8 Bde., und 1825, 5 Bde.; eine Auswahl gab Thénard heraus (1883, 2 Bde.).

Fontenoy (spr. fong'tnŏa), 1) Dorf in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Tournai, an der Schelde, mit 857 Einw., geschichtlich denkwürdig durch den im österreichischen Erbfolgekrieg von den Franzosen unter dem Marschall von Sachsen über die verbündeten Österreicher, Niederländer und Engländer unter dem Herzog von Cumberland 11. Mai 1745 errungenen Sieg. -

2) F. en Puisaye (spr. puisäh), Dorf im franz. Departement Yonne, Arrondissement Auxerre, mit 750 Einw., das alte Fontanetum, denkwürdig durch die blutige Schlacht zwischen den Söhnen Ludwigs des Frommen 25. Juni 841, in welcher Kaiser Lothar unterlag. 1860 wurde zur Erinnerung daran hier auf einem Hügel ein 5,5 m hoher Obelisk errichtet.

Fontevrault (spr. fongtöwroh), Stadt im franz. Departement Maine-et-Loire, Arrondissement Saumur, von Wald umgeben, hat (1876) 2651 Einw. und eine große Korrektionsanstalt (durchschnittlich von 1700 Korrigenden). Diese Anstalt wurde 1804 in der einst berühmten, während der ersten Revolution aufgehobenen Abtei F. (mittellat. Fons Ebraldi) eingerichtet, welche 1109 durch Robert von Arbrissel als Stammsitz eines Klosterordens gegründet wurde und sowohl Mönche als Nonnen unter der Autorität einer Äbtissin vereinigte. Der Orden zählte im Mittelalter 18 Konvente, war sehr reich und angesehen, die Äbtissinnen gehörten nicht selten der königlichen Familie an. Sehenswert ist die schöne einschiffige Kuppelkirche aus dem 12. Jahrh., welche die wertvollen frühgotischen Grabdenkmäler englischer Herrscher (Heinrich II., Richard Löwenherz, Eleonore von Guienne) enthält. Vgl. Edouard, F. et ses monuments (Mars. 1874).

Fontinalia, röm. Brunnenfest, s. Fons.

Fontinālis L. (Quellenmoos, Brunnenmoos), Laubmoosgattung der pleurokarpen Moose, perennierende, unter Wasser wachsende, diözische Moose mit stielloser Büchse und kegelförmigem Deckel, ohne Ring. F. antipyretica L. mit bis 2,5 m langem, ästigem, flutendem Stengel mit dreireihigen, fast dreiseitigen, rippenlosen Blättern, in Bächen und Flüssen besonders an Pfählen und Steinen wuchernd, dient zum Verstopfen der Wände.

Foenum graecum, s. Trigonella.

Fonvielle (spr. fongwjäll), Wilfrid de, Schriftsteller, geb. 1828 zu Paris, war Lehrer der Mathematik, machte sich bekannt durch zahlreiche Arbeiten für Journale und widmete sich dann vollständig der Popularisierung der Wissenschaften. In den letzten Jahren stieg er zu wissenschaftlichen Zwecken wiederholt mit dem Luftballon auf und leistete dabei Bemerkenswertes; 1858 blieb er zwei Tage im Ballon, 1869