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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frankreich

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Frankreich (Geschichte: das Konsulat).

unschädlich machen, welcher dem drohenden Militärdespotismus die Wege ebnete. 52 Deputierte und 2 Direktoren, Carnot und Barthélemy, wurden deportiert. Gleichwohl glaubte Bonaparte die Zeit noch nicht gekommen, um selbst die Zügel der Herrschaft zu ergreifen. Durch ein kühnes Abenteuer, die ägyptische Expedition, wollte er erst noch seinen Ruhm erhöhen. Diese Unternehmung hatte nun zwar nicht den erträumten Erfolg, indem die französische Flotte 1. Aug. 1798 in der Bucht von Abukir von Nelson vernichtet, die französische Armee in Ägypten abgeschnitten wurde und der Zug nach Syrien im März 1799 unter den Mauern von Akka scheiterte. Dennoch hatten glänzende Kriegsthaten, wie der Sieg bei den Pyramiden, die Begeisterung der Armee für den jungen General gesteigert und das für militärischen Ruhm so empfängliche eitle Volk geblendet. Dazu kam, daß im Sommer 1798 während Bonapartes Abwesenheit in Ägypten auf Betreiben Rußlands eine neue Koalition gegen F. sich gebildet hatte, der sich England, Österreich, die italienischen Fürsten und die Türkei anschlossen. Die Franzosen wurden 1799 aus Süddeutschland und aus Italien vertrieben. Ein Angriff der Verbündeten auf F. selbst wurde nur dadurch verhindert, daß es Masséna gelang, den Feinden in der Schweiz mehrere Niederlagen beizubringen und ihre Vereinigung zu hindern. In diesem Augenblick landete Bonaparte, der das Heer in Ägypten im Stiche gelassen hatte, in F., entschlossen, die allgemeine Unzufriedenheit mit der Verfassung zu seinen eignen gunsten auszunutzen. Im Einverständnis mit den Direktoren Sieyès, der schon längst gegen die Verfassung gearbeitet hatte, und Roger Ducos sprengte er 18. Brumaire (9. Nov. 1799) mit militärischer Gewalt die Räte und setzte ein provisorisches Konsulat ein, welches er, Sieyès und Roger Ducos bildeten. Damit war im Grund nicht allein die Revolution, sondern auch die Republik vernichtet. An ihre Stelle trat die Herrschaft des genialen und siegreichen Feldherrn, welcher den von der Freiheit und ihren Unordnungen übersättigten Franzosen die Ruhe im Innern und den militärischen Ruhm nach außen verbürgte.

Das Konsulat.

Augenblicklich machte allerdings der Zustand Frankreichs eine starke Regierung notwendig. Die republikanische Partei bestand fast nur noch aus exaltierten Anhängern des Bergs, die große Mehrheit der Nation glaubte nicht mehr an die Republik; um so gefährlicher waren die Royalisten. Da die Assignaten als gänzlich wertlos verschwunden waren (im J. 1798 hatte das Direktorium nur die anderweitige Schuld in eine feste Rentenschuld von einem Drittel ihres nominellen Betrags verwandelt), da die Steuern schlecht eingingen und die Ausgaben enorm waren: so befanden sich die Finanzen in völliger Zerrüttung, die Armee war schlecht bezahlt und darum zur Insubordination, ja zum Aufruhr geneigt. Die drei Konsuln begannen hier Ordnung herzustellen, indem sie die indirekten Abgaben wieder einführten und die Steuerlisten neu aufstellen ließen. Dann arbeiteten sie (Dezember 1799) die neue Verfassung (Verfassung des Jahrs VIII) aus. Die höchste Staatsgewalt ruhte in dem Ersten Konsul, welchem seine beiden Genossen nur als Gehilfen ohne entscheidende Stimme beigeordnet waren; ein von ihm ernannter Staatsrat stand ihm zur Seite. Das Volk bildete durch Wahl sogen. Notabilitätslisten. Ein Senat von 60 Mitgliedern, der sich selbst ergänzte und die Wacht über die Konstitution erhielt, wählte aus diesen Listen die 100 Mitglieder des Tribunats, welches die vom Staatsrat eingebrachten Gesetze zu diskutieren, aber nicht über sie zu entscheiden hatte, und den aus 300 Mitgliedern bestehenden Gesetzgebenden Körper, welcher die Meinungen des Staatsrats und des Tribunats über jedes Gesetz zu vernehmen und ohne Diskussion dasselbe anzunehmen oder zu verwerfen hatte. Diese künstliche Verfassung, von Sieyès ausgearbeitet, aber von Bonaparte beeinflußt, von dem Volk mit 3 Mill. Stimmen angenommen, gab die Macht in die Hand Bonapartes, der Erster Konsul wurde; zu den beiden andern wurden Lebrun und Cambacérès ausersehen. Sofort wurden die Gerichte neu organisiert und durch die Einsetzung eines Präfekten und mehrerer Unterpräfekten in jedem Departement die Verwaltung vollkommen in der Hand der Regierung zentralisiert. Politische und zumal Preßpolizei wurde mit großer Strenge gehandhabt. Die Einrichtung der Bank von F. (Januar 1800) diente dazu, die finanziellen Maßnahmen der neuen Regierung zu unterstützen.

Nach diesen umfassenden innern Umgestaltungen und nach endgültiger Beruhigung der Vendée durch den Frieden von Montfaucon (18. Jan. 1800) wandte Bonaparte sich den äußern Angelegenheiten wieder zu. Da Paul I. von Rußland sich von der Koalition zurückgezogen hatte, blieben in derselben nur England, Österreich und einige deutsche Staaten. Bonaparte zeigte sofort sein unvergleichliches Feldherrngenie, indem er den österreichischen General Melas, welcher bereits bis nach Nizza vorgedrungen war, 14. Juni 1800 bei Marengo bis zur Vernichtung schlug. In seiner Betäubung überließ Melas durch den Waffenstillstand von Alessandria fast ganz Italien den Franzosen. Da aber der Waffenstillstand bei der feindlichen Haltung Englands nicht zum Frieden führte, begann Bonaparte im Herbst 1800 den Krieg von neuem. Während Brune im Venezianischen vordrang, schlug Moreau die Österreicher bei Hohenlinden 3. Dez. 1800. Erschreckt schloß der österreichische Bevollmächtigte Cobenzl auch ohne England 9. Febr. 1801 mit F. den Lüneviller Frieden, welcher das linke Rheinufer F. jetzt offen zusprach und das Haus Habsburg in Italien auf das Land östlich von der Etsch beschränkte. Toscana wurde zu gunsten der spanischen Bourbonen in ein Königreich Etrurien verwandelt; Parma und andre Provinzen vergrößerten die mit der Cispadanischen vereinigte Cisalpinische Republik; Piemont blieb in der Hand der Franzosen, welche somit ganz Italien beherrschten. Neapel, Portugal, Rußland und die Türkei folgten noch im Lauf des Jahrs 1801 dem Beispiel Österreichs und schlossen mit F. Frieden. Nachdem die Franzosen Ägypten, wo sie nach dem Tod Klébers nur Niederlagen erlitten, geräumt hatten, schloß auch England zu Amiens Frieden mit F. (27. März 1802), in welchem England alle seine überseeischen Eroberungen mit Ausnahme Ceylons und Trinidads an F., Holland und Spanien zurückgab.

Nach Herstellung des Friedens schritt Bonaparte, der jetzt auf dem Höhepunkt seines Ruhms stand, um so eifriger zur innern Organisation seiner Herrschaft. Das royalistische Komplott der Höllenmaschine nutzte er zu Maßregeln der Strenge nicht nur gegen die Royalisten, sondern auch gegen die Republikaner aus; 130 Personen wurden als "Terroristen" ohne Urteil nach Cayenne deportiert. Dann wurden die Straßen zu Wasser und zu Lande ausgebessert und von den zahlreichen Räubern, die sie unsicher gemacht hatten, gereinigt. Ein neues Zivilgesetzbuch (Code Napoléon), auf vorzüglichen Grundlagen beruhend, wurde aus-^[folgende Seite]