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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Furcht - Furkett.

findet vorwiegend in südlichen Ländern Verwendung, namentlich bei Gartenkulturen, wobei die Beete zwischen den einzelnen Furchen 1-2 m breit hergestellt werden. In nördlichern Gebieten wird die F. zuweilen bei der Nutzung stickstoffreicher Abwässer von Fabriken oder der Spüljauche angewendet.

Furcht, Affekt, welcher aus der Vorstellung eines künftigen (wirklich oder vermeintlich bevorstehenden) Übels entsteht. Minderer Grad der F. heißt Bangigkeit, höherer und besonders, wenn er von physischer Beklemmung begleitet wird, Angst (s. d.); letztere geht, wenn sie plötzlich entsteht, in Schrecken (s. d.), wenn sie nicht bloß die Glieder, sondern den Geist lähmt, in Entsetzen (s. d.) über. Gegenteil der F. ist die Hoffnung, insofern sie durch ein in Aussicht stehendes Gut erregt wird. Die habituell gewordene F. heißt Furchtsamkeit. Augenblickliche F. kann auch den Mutigen befallen; Furchtsamkeit aber verträgt sich nicht mit dem Mute, der als habitueller Gemütszustand ihr Gegenteil ausmacht. Dieselbe kann auf physischer, geistiger oder moralischer Schwäche beruhen, aber durch Ausdauer des Willens überwunden werden. Im geselligen Verkehr erscheint sie in Rede, Gang und Gebärde als Schüchternheit (Blödigkeit, s. d.) und, wenn sie mit niederträchtiger Selbstsucht verbunden und dadurch teilweise mit bedingt ist, als Kriecherei. Die bloße Abwesenheit der F., die Furchtlosigkeit, ist noch nicht Mut, weil die Vorstellung eines drohenden Übels, welche dieser voraussetzt, nicht vorhanden sein muß. Auch der Furchtsame ist ohne F., wenn er die Gefahr nicht kennt.

Furchtbar ist dasjenige, was Furcht (s. d.) erregt, daher das Tragische (s. d.) stets f., das Furchtbare dagegen, wo es nicht als unverdientes Schicksal Mitleid, sondern als verdientes nach der Idee der Billigkeit (s. d.) Befriedigung erregt, keineswegs tragisch ist.

Furchung (Eifurchung), die ersten Vorgänge bei der Entwickelung des tierischen Eies zum Embryo, führt zur Umbildung des Eies in einen meist kugeligen Haufen (Blastula) von Zellen (Furchungskugeln), der im Innern einen Hohlraum (Furchungshöhle) voll Flüssigkeit oder Nahrungsdotter besitzt. Weiteres s. Ei, S. 349 f. - Im Pflanzenreich spielt die Zellteilung durch Einschnürung eine sehr untergeordnete Rolle. Da die typischen Pflanzenzellen stets von einer chemisch unterscheidbaren Membran umgeben werden, so fällt für sie die Möglichkeit einer solchen Art von Teilung fort. Dagegen wurde die vollkommene Analogie der Kernteilung bei Pflanzen und Tieren durch neuere Untersuchungen nachgewiesen. Vgl. Strasburger, Über Zellbildung und Zellteilung (3. Aufl., Jena 1880).

Füred (ungar. Balaton-F.), berühmter Badeort im ungar. Komitat Zala, am Plattensee (Balaton) in einer der schönsten Gegenden Ungarns gelegen, mit 1788 Einw., einer Winzerschule und drei seit dem 17. Jahrh. bekannten Mineralquellen (erdig-salinischen Eisensäuerlingen von 12,5° C.), von denen eine zum Baden und zwei zum Trinken benutzt werden. Das Wasser hat eine tonisch zusammenziehende, gelind auflösende und abführende Wirkung und wird besonders bei Hyperämie der Leber, Hämorrhoidalleiden, weißem Fluß etc. mit Erfolg gebraucht. F., das ein sehr mildes und gleichmäßiges Klima hat, gehört zu den schönsten und besuchtesten Kurorten Ungarns und ist mit der längs des Plattensees erbauten Bahn (Budapest-Groß-Kanizsa) durch das zwischen F. und der gegenüberliegenden Station Siófok verkehrende Dampfschiff verbunden. Vgl. Mangold, Der Kurort F. (4. Aufl., Wien 1885).

Für fremde Rechnung (für Rechnung eines andern) wird ein Rechtsgeschäft abgeschlossen, wenn dabei auf seiten eines Kontrahenten die Absicht besteht, daß die Vorteile ebenso wie die Nachteile aus dem Geschäft nicht diesen Kontrahenten, sondern einen Dritten treffen sollen. Den Gegensatz bildet das Handeln auf eigne Rechnung, ein Unterschied, der namentlich im Handelsrecht wichtig ist. So ist insbesondere die Seeversicherung f. f. R. für den Versicherer nur dann verbindlich, wenn entweder der Versicherungsnehmer zur Eingehung derselben von dem Versicherten beauftragt war, oder wenn der Mangel eines solchen Auftrags von dem Versicherungsnehmer bei dem Abschluß des Vertrags dem Versicherer angezeigt wird. Der Mangel dieser Anzeige kann dadurch nicht ersetzt werden, daß der Versicherte die Versicherung nachträglich genehmigt (deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 785 ff.). Im übrigen ist es nicht notwendig, daß derjenige, welcher f. f. R. kontrahiert, nun auch in fremdem Namen handelt. So schließen Spediteure und Kommissionäre zwar in eignem Namen, aber f. f. R. Verträge ab, während der Agent in der Regel nicht nur f. f. R., sondern auch in fremdem Namen kontrahiert.

Furfur (lat.), Kleie.

Furia francese (ital., spr. -tschese, "französisches Ungestüm"), der heftige Vorstoß der französischen Soldaten beim ersten Angriff.

Furien, Rachegöttinnen, s. Erinnyen.

Furier (franz. fourrier), ein Unteroffizier bei jeder Kompanie, welcher die Quartierangelegenheiten und die Herbeischaffung und Verteilung der Lebensmittel besorgt. Dem F. werden zur Unterstützung in seinem Dienst auf Märschen mehrere gemeine Soldaten (Furierschützen) beigegeben. Auf Märschen und in Kantonnements regelt ein Furieroffizier die Quartiere für die Truppe. Die zur Besorgung der Einquartierung der höhern Stäbe kommandierten Unteroffiziere nennt man Stabsfuriere. Bei den Hofhaltungen hießen Hoffuriere die Hofoffizianten für das Lieferungswesen.

Furina (Furrina), alte röm. Gottheit, der in Rom ein Hain geweiht war, worin der jüngere Gracchus getötet wurde. Das Wort kommt auch in der Mehrzahl (Furinae oder Forinae) vor und soll "die Dunkeln" bedeuten. Ihr Fest (25. Juli) hieß Furrinalia.

Furios (lat.), wütend, rasend; furioso (ital.), in der Musik Bezeichnung für einen stürmischen, leidenschaftlich erregten Vortrag.

Furka, ein Paß von 2436 m Höhe zwischen den Schweizer Kantonen Uri und Wallis, verbindet die beiden Alpenlandschaften Ursern und Oberwallis. Die beiden Grenzkantone haben (1863-65) unter Beihilfe des Bundes eine Kunststraße gebaut, die freilich nur im Sommer offen erhalten wird, dann aber eine Hauptlinie der Touristenzüge bildet. Von Andermatt-Hospenthal führt der Weg durch Ursern nach Realp (1542 m), dann sofort in vielen aussichtsreichen Windungen bergan; auf der Paßhöhe steht ein Gasthaus. Bald öffnet sich der Blick auf den Rhônegletscher und die Finsteraarhorngruppe. In sieben Schlangenwindungen erreicht die Straße die Tiefe des Gletschers (1753 m), welcher das Gewässer der Rhônequelle verstärkt.

Furkett, der unten zugespitzte, oben mit eiserner Gabel versehene Stab zur Unterstützung der Hakenbüchsen und Musketen beim Schießen; er verschwand erst nach Einführung der Gewehre kleinern Kalibers, zuerst in den Niederlanden um etwa 1620, dann durch Gustav Adolf im schwedischen Heer.