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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Futter

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Futter (Fütterungsmethoden).

kurzes Weidegras zu verwerten vermögen, ferner für Jung- und Aufzuchtvieh aus diätetischen Rücksichten sich der Sommerweidegang empfiehlt, werden die übrigen Fütterungszwecke besser durch permanente Stallfütterung erreicht. Nur hier ist es möglich, an die Stelle "der Fütterung ad libitum" wie sie auf der Weide stattfindet, eine solche zu setzen, welche durch genaue Abmessung der Ration und zweckmäßige Einrichtung des Nährstoffverhältnisses auf das Fütterungsziel hinarbeitet. Die Fütterung ad libitum im Stall ist nur bei gewissen weniger wertvollen Futterstoffen angebracht, welche den Tieren zum Ausfressen gereicht werden (geringes Heu, Stroh u. a.). Ob man bei Sommerstallfütterung die Pflanzen im frischen oder getrockneten Zustand reichen soll, ist dagegen eine noch immer offene Streitfrage. Gegen die Grünfütterung wird hauptsächlich geltend gemacht, daß dieselbe wegen des sehr wechselnden Wassergehalts und der mit fortschreitendem Alter sich ändernden Zusammensetzung der Pflanzen die sehr wünschenswerte Regelmäßigkeit im Verzehr unmöglich mache, daß der Übergang vom trocknen Winterfutter zur Grünfütterung stets von Verdauungsstörungen begleitet sei, und daß der Transport des Vegetationswassers in den frischen Pflanzen vom Feld nach dem Hof erhebliche Kosten verursache. Anderseits sprechen für die Grünfütterung vor allem das Risiko, welches die Unzuverlässigkeit der Witterung für die Heugewinnung einschließt, der günstige Einfluß jener auf die Beschaffenheit der Milch und Butter u. a. Die Entscheidung, ob Grün-, ob Trockenfütterung, wird sich in den meisten Fällen nach den sonstigen wirtschaftlichen Verhältnissen richten. Wenn es auch im Interesse des Landwirts liegt, von den Eigentümlichkeiten der einzelnen Nutztiere bezüglich ihrer Ansprüche an das F. möglichst sich zu emanzipieren, so zwingen ihn doch Rücksichten auf das Wohlbefinden der Tiere, bei der Zuteilung der Futtermittel darauf zu achten, daß das F. von der naturgemäßen Nahrung des betreffenden Tiers nicht allzuweit sich entfernt. Abgesehen von den Unterschieden in der Nahrung der Pflanzenfresser und Omnivoren, sind die Ansprüche der verschiedenen Tiergattungen innerhalb dieser Hauptgruppen verschieden. Das Rind ist auf saftige, voluminöse, hoch gewachsene Futterpflanzen angewiesen, welche auch grobstengelig und von geringerm Nährwert sein dürfen. Wurzelfrüchte und sonstige wässerige Stoffe behagen ihm; doch müssen dieselben, um den Prozeß des Wiederkäuens nicht zu stören, mit trocknem Rauhfutter zusammen verabreicht werden. (In sehr futterarmen Jahren hat man an manchen Orten letzteres mit gutem Erfolg durch Sägespäne zu ersetzen gesucht.) Dagegen nutzt das Rind Körner in unzerkleinertem Zustand nicht gehörig aus. Das Schaf bedarf eines kurzen, trocknen, gewürzreichen Futters; wässerige Futterstoffe sind ihm in beschränktem Maß zu reichen. Es ist im stande, aus weniger wertvollen Futterstoffen, z. B. Stroh, die zartern, nahrhaftern Bestandteile herauszusuchen sowie ferner die kurzen Gewächse, Getreide-, Kleestoppel etc. abzuweiden. Das Pferd, besonders das arbeitende, bedarf eines wasserarmen, konzentrierten, proteinreichen Futters. Lange Körner werden von ihm gut verdaut. Die Omnivoren, welche nicht sorgfältig kauen und einspeicheln, nutzen das Rauhfutter gar nicht, vom Grünfutter nur die zartesten Teile aus. Sie verlangen ein leichtverdauliches und des Kauens nicht bedürftiges F.: Knollen und Wurzeln, wasserreiche Abfälle, Suppen von Mehl u. dgl.

Das F. muß eine den Bedürfnissen des Tiers entsprechende Menge verdaulicher Trockensubstanz enthalten. Dieselbe richtet sich nach der Temperatur, dem Lebendgewicht des Tiers und den Ansprüchen, die man an seine Produktivität stellt, aber auch nach seinem Alter, Geschlecht, Individualität und Rasse. Sie ist ferner abhängig von dem jeweiligen Ernährungszustand und der Gewohnheit des Tiers. Letztere ist von entschiedenem Einfluß nicht bloß auf Geschmack und Freßlust, sondern auch, besonders beim Wiederkäuer, auf das Volumen des Verdauungskanals und das damit zusammenhängende Nahrungsbedürfnis. (Das Trockengewicht des Futters kann beim Rind für 500 kg Lebendgewicht zwischen 7,5 und 17,5 kg und noch mehr schwanken!) Wenn man im allgemeinen sagen kann, daß das ganze säugende Tier 1/50, nach dem Absetzen bei voluminöserm F. bis zum Ablauf des ersten Jahrs 1/40, das erwachsene, produzierende 1/40-1/30 seines Lebendgewichts an Futtertrockensubstanz bedarf, so geht aus dem oben Gesagten hervor, daß feste Futternormen für das einzelne Tier, Futterrezepte, sich nicht aufstellen lassen, dem denkenden Landwirt es vielmehr anheimgegeben werden muß, die innerhalb gewisser Grenzen festgestellten Mengen je nach der Beschaffenheit seiner Tiere und seiner wirtschaftlichen Verhältnisse in der mannigfaltigsten Weise zu variieren. Nicht anders ist es mit der Qualität des Futters, dem Verhältnis der einzelnen Nährstoffe zu einander. Wie letzteres eine Rolle spielen kann bei der Verdaulichkeit des Futterstoffs (s. oben), so übt es auch einen wichtigen Einfluß auf dessen Nährwirkung aus. Wenn es bei ruhenden ausgewachsenen Tieren ein verhältnismäßig weites sein kann, so ist aus den Gesetzen der Ernährung leicht einzusehen, daß mit der Steigerung der Ansprüche an Produktion von Körpersubstanz, Arbeit, Milch, Wolle etc. auch die Eiweißzugabe bis zu einer gewissen Grenze gesteigert werden muß. Nachfolgende Tabelle enthält eine Anzahl Futternormen (nach den Berechnungen von Wolff) für verschiedene Tiere und Fütterungszwecke:

Art der Tiere Organische Trockensubstanz Verdauliche Nh. Nfr. =

Protein Nfr. Extraktstoffe Fett

Pfd. Pfd. Pfd. Pfd.

Ochsen in Ruhe 17,5 0,7 8,0 0,15 1:12,0

" in starker Arbeit 26,0 2,4 13,2 0,5 1:6,0

Pferde " " " 25,5 2,8 13,4 0,8 1:5,5

Wollschafe 20,0 1,2 10,3 0,2 1:9,0

Milchkühe 24,0 2,5 12,5 0,4 1:3,4

Mastochsen 1. Periode 27,0 2,5 15,0 0,5 1:6,5

" 2. " 26,0 3,0 14,8 0,7 1:5,5

" 3. " 25,0 2,7 14,8 0,6 1:6,0

Mastschafe 1. " 26,0 3,0 15,2 0,5 1:5,5

" 2. " 25,0 3,5 14,4 0,6 1:4,5

Wachsende Rinder:

Alter Mittl. Lebendgew.

2-3 Monate, 150 Pfd. 22,0 4,0 13,8 2,0 1:4,7

3-6 " 300 " 23,4 3,2 13,5 1,0 1:5,0

6-12 " 500 " 24,0 2,5 13,5 0,6 1:6,0

12-18 " 700 " 24,0 2,0 13,0 0,4 1:7,0

18-24 " 850 " 24,0 1,6 12,0 0,3 1:8,0

Wachsende Mastschweine:

Alter Mittl. Lebendgew.

2-3 Monate, 50 Pfd. 42,0 7,5 30,0 1:4,0

3-5 " 100 " 34,0 5,0 25,0 1:5,0

5-6 " 125 " 31,5 4,3 23,7 1:5,5

6-8 " 170 " 27,0 3,4 20,4 1:6,0

8-12 " 250 " 21,0 2,5 16,2 1:6,5