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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Galle

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Galle (physiologisch etc.) - Galle (Zuname).

man das eine mit Wasser, das andre mit G. tränkt; das erstere ist für Öl ganz undurchgängig, während das zweite dem Öl den Durchtritt gestattet. Ebenso erleichtert die G. den Durchgang von Fetten durch kapillare Röhren. Die G. macht also die Fettresorption mechanisch überhaupt erst möglich. Die Kotmassen erhalten von dem Gallenfarbstoff ihre braune Farbe, auch verhindert die G. die faulige Zersetzung der Kotmassen im Darm. Tiere, welchen man eine Gallenfistel anlegt, durch welche die G. nach außen abfließt, so daß in den Darm wenig oder gar keine G. gelangt, zeigen sich außerordentlich gefräßig und magern trotz massenhafter Nahrungsaufnahme sehr stark ab. Dies rührt davon her, daß, wenn keine G. im Darm vorhanden ist, auch kein Fett aus der Nahrung resorbiert werden kann. Solche Tiere sind daher ausschließlich auf die Eiweißstoffe und Kohlehydrate ihrer Nahrung angewiesen, das Fett derselben ist dagegen für sie verloren. Ist der Abfluß der G. aus der Leber in den Darm durch mechanische Momente gehindert, so geht die G. in das Blut über, und es entsteht Gelbsucht (s. d.). Beim Erbrechen tritt durch die antiperistaltische Bewegung des Darmkanals häufig G. in den Magen über und wird als grünliche, bitter schmeckende Masse mit ausgebrochen.

Für die technische Benutzung muß die G., um sie vor Fäulnis zu schützen, so schnell wie möglich von Schleim befreit werden. Man vermischt ganz frische G. mit dem doppelten Gewicht Alkohol, filtriert von dem abgeschiedenen Schleim und dampft auf dem Wasserbad ein. Um die G. zu entfärben, löst man den Rückstand wieder in konzentriertem Alkohol, schüttelt mit Tierkohle, filtriert nach einigen Stunden und dampft ein. Der Rückstand ist weiß, läßt sich ohne Zersetzung aufbewahren und wie frische G. benutzen. Billiger reinigt man G., wenn man sie (Ochsengalle) 12-14 Stunden in einem mehr hohen als weiten Gefäß ruhig stehen läßt, die klare Flüssigkeit vom Bodensatz abgießt und auf dem Wasserbad bei mittlerer Temperatur abdampft. Mischt man die mit Alkohol gereinigte G. mit Äther, bis der entstehende Niederschlag sich nicht mehr löst, so scheidet sich in einer verschlossenen Flasche reichlich glykocholsaures Natron aus, welches als kristallisierte G. in den Handel kommt. Die frische G. dient zum Reinigen von Geweben und zum Fleckenausmachen, gereinigte G. zum Überziehen von Zeichnungen, um das Verwischen zu verhindern, sowie zur Darstellung der Tusche aus Lampenschwarz und zum Anreiben feiner Wasserfarben. Die damit bereiteten Farben haften gut auf dem Papier, breiten sich schön und gleichmäßig aus, trocknen schnell und zeigen keinen störenden Glanz. Reibt man Elfenbein mit G. ab, so haften nachher die Farben ebensogut darauf wie auf Papier, und von dieser Eigenschaft macht man in der Miniaturmalerei vielfach Anwendung; ebenso benutzt man die G., um auf geöltes oder gefirnißtes Papier, welches zu Transparentbildern benutzt werden soll, malen zu können. Gallenseife erhält man durch Zusammenschmelzen von 8 Teilen eingetrockneter Ochsengalle, 60 Teilen Seife, 12 Teilen Zucker, 4 Teilen Honig, 4 Teilen venezianischem Terpentin, 2 Teilen Ammoniakflüssigkeit.

Galle, von kleinen Quellen herrührende feuchte Stelle in einem Acker (Naßgalle), die durch offene oder bedeckte Abzugsgräben und Kesselgruben unschädlich gemacht wird; dann sandige oder moorige Stelle in sonst guten Feldern (Sandgalle oder Brandacker), welche durch Abfahren des Sandes und Auffahren guter Erde verbessert werden kann. - Wassergalle ist ein nicht völlig ausgebildeter Regenbogen (s. d.); Windgalle, ein heller Fleck am Himmel, der Sonne gegenüber, gilt in der populären Anschauung als ein Zeichen eines nahen Sturms. - Beim Metallguß bezeichnet man mit Gallen die Höhlungen oder Lücken, welche durch die in der erstarrenden Metallmasse zurückbleibenden Gasblasen besonders dann entstehen, wenn die Gußform keine besondern Windpfeifen hat. Diese Gallen werden beim Gußstahl durch das Hämmern flach zusammengedrückt und erscheinen, wenn sie bei der Bearbeitung zu Tage treten, als Risse (Gallenrisse), die meist die Haltbarkeit des Gegenstandes wenig beeinträchtigen. - Über G. in der Tierarzneikunde und in der Botanik s. Gallen.

Galle, 1) Philipp, niederländ. Kupferstecher, geb. 1537 zu Haarlem, trat 1570 in die Antwerpener Malergilde und wurde 1571 Bürger. Seine Stiche sind nicht ohne Verdienst, wenn sie auch die seines Sohns Cornelius nicht erreichen. Später trieb er einen einträglichen Kupferstichhandel. Er starb 29. März 1612 in Antwerpen. G. stach viel nach Stradanus, Heemskerk, Fr. Floris u. a. und veröffentlichte eine Folge von Bildnissen berühmter Männer.

2) Theodor, Kupferstecher, Sohn des vorigen, geboren um 1570, lernte bei seinem Vater, begab sich aber später nach Italien und kehrte vor 1600 wieder nach Antwerpen zurück, wo er 1633 starb. Seine Stiche sind sehr zahlreich, jedoch nicht von hervorragendem Wert.

3) Cornelius der ältere, Kupferstecher, der tüchtigste Künstler der Familie, Bruder des vorigen, geboren um 1575, lernte bei seinem Vater, Bildete sich dann in Italien aus, wo er eine größere Formauffassung sich aneignete, und wurde 1610 in die Lukasgilde zu Antwerpen aufgenommen. Seine Stiche entbehren nicht der niederländischen Sauberkeit der Ausführung. Er starb 1650 in Antwerpen. G. hat viel nach Rubens (Judith und Holofernes, die vier Kirchenväter, Himmelfahrt Christi etc.), van Dyck (Kreuztragung) und andern Niederländern gestochen, aber auch nach Italienern: G. B. Paggi, Fr. Vanni, Bassano etc. Ein Hauptwerk von ihm ist die "Pompa funebris Alberti Pii archiducis etc." (Brüss. 1623).

4) Cornelius der jüngere, Kupferstecher, Sohn des vorigen, geboren um 1605 zu Antwerpen, war ebenfalls ein trefflicher Kupferstecher, namentlich in Bildnissen, während er in der Nachbildung von Historienbildern den Vater nicht erreichte. Seine Stiche (nach Rubens, Stradanus, Diepenbeeck, E. Quellinus, A. van Dyck, N. van der Horst) sind zahlreich. Er lebte noch 1619.

5) Johann Gottfried, Astronom, geb. 9. Juni 1812 zu Pabsthaus bei Gräfenhainichen unweit Wittenberg, studierte 1830-33 in Berlin Mathematik und Naturwissenschaft, ward 1835 unter Encke Observator der Sternwarte in Berlin, promovierte 1845 mit einer Abhandlung über gewisse Beobachtungen Römers und ist seit 1851 Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte in Breslau. Er hat drei Kometen (2. Dez. 1839 in der Jungfrau, 25. Jan. 1840 im Drachen und 6. März 1840 im Schwan) entdeckt und den von Leverrier theoretisch entdeckten Planeten Neptun 23. Sept. 1846 aufgefunden. Außerdem machte er viele Beobachtungen, besonders an Kometen, am Neptun und an den kleinen Planeten, und stellte auch mit Erfolg Untersuchungen über Meteore und verschiedene Lichtphänomene am Himmel sowie meteorologische Forschungen über das Drehungsgesetz der Winde, über Höfe und Nebensonnen an. Er