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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ganglien - Gannat.

ernannt, in welchem er sich der liberalen Verfassungspartei anschloß. Seine reichstreue Gesinnung bewährte er bei der Jubelfeier der Gründung des Stifts Kremsmünster, indem er, entgegen dem Verlangen des Bischofs Rudigier von Linz, beim Festbankett den ersten Toast nicht dem Papst, sondern dem Landesherrn, dem Kaiser, weihte. 1881 wurde er nach dem Tod Kutschkers zum Fürsterzbischof von Wien und 1884 zum Kardinal ernannt.

Ganglien (griech., Nervenknoten), Anhäufungen von Ganglienzellen im tierischen Körper. Jedes Ganglion sendet Nervenfasern zu den ihm zugehörigen Sinnesorganen, Muskeln etc. aus und steht mit den andern G. desselben Tiers durch Bündel von Nervenfasern (Kommissuren) in Verbindung (vgl. Nervensystem). Die Ganglienzellen (Nervenzellen, s. Figur) sind runde oder längliche Zellen von oft bedeutender Größe, mit deutlichem Kern; sie laufen in Fortsätze aus (nach deren Anzahl man sie unipolar, bipolar oder multipolar nennt) und verbinden sich damit entweder untereinander oder mit einer Nervenfaser. Bei den Wirbeltieren finden sich G. sowohl im Gehirn und Rückenmark als auch sonst noch in vielen Körperteilen vor; doch bezeichnet man bei ihnen gewöhnlich nur die selbständigen G. als solche (im engern Sinn), schließt also die Anhäufungen von Ganglienzellen im Gehirn oder Rückenmark aus. Solche einzelne G. sind je eins an jedem von dem Rückenmark ausgehenden Nerv (Spinalganglien) vorhanden, ferner einige im Kopf, z. B. das Ganglion ciliare der Augenhöhle etc. Besonders reich ist an ihnen der Sympathikus (s. d.). Die G. sind als die wirksamen Formelemente der nervösen Zentralorgane aufzufassen, aus den Lebensvorgängen in diesen Zellen resultieren nicht allein die Automatie u. der Reflex, sondern auch die eigentliche Seelenthätigkeit, die Vorstellung. Diese Erkenntnis verdanken wir weniger dem direkten physiologischen Experiment, dem an den so zarten Gebilden bisher jeder Angriffspunkt fehlte, als vielmehr der Beobachtung, daß überall da, wo wir auf Automatie, Reflex und Vorstellung stoßen, auch Ganglienzellen angetroffen werden.

^[Abb.: a Bipolare Ganglienzelle, b Ganglienzelle aus dem Rückenmark des Menschen, n Kern, p Farbstoff.]

Gangliensystem, s. Sympathikus.

Ganglion (griech.), Ganglienzelle, auch Überbein.

Gangotri (im Sanskrit Gangâwatarî, "Herabkunft des Ganges"), berühmter Wallfahrtstempel der Hindu, liegt 3144 m ü. M. in der Himalajalandschaft Garwhal, rechts am Bhagirathi, unfern nordwestlich von dessen Quelle und besteht aus einem kleinen, viereckigen, 6 m hohen Tempel, der in seinem dunkeln Innern kleine Statuen von Ganga, Bhagiratha etc. enthält, und wenigen schlechten Häusern aus Holz. Der Handel in mit dem heiligen Wasser gefüllten Flaschen ist bedeutend.

Gangräna (griech.), der Brand von tierischen Geweben oder Körperteilen; G. nosocomialis, Hospitalbrand; G. senilis, Altersbrand; gangränös, brandig; gangräneszieren, brandig werden; Gangräneszenz, das Brandigwerden.

Gangri ("Gletscherberg", auch Kailas, "Sitz des Berggipfels"), Name einer Gebirgskette im westlichen Tibet, am obern Indus längs seines rechten Ufers; sie bildet den Südrand der Hochthäler und Wüstenplateaus, die sich über Tibet bis zum Kuenlün hinziehen. Die höchsten Gipfel liegen im W. der Kette (Rakipuschi 7788 m). Der namengebende Gebirgsstock der Kailasgruppe liegt im O., erhebt sich 6728 m hoch und wird von den Indern seit Jahrtausendenals Sitz der Götter und als Quellgebiet der Hindostan bewässernden Flüsse verehrt.

Gangspalte, s. Kluft.

Gangspill, Schiffswinde, welche durch Matrosen mittels Handspaken (Hebebäumen) im horizontalen Kreis gedreht wird. Auf Hochseedampfern sind sie überall durch Dampfwinden ersetzt.

Gangsystem (v. engl. gang, spr. gäng, "Truppe, Horde"), eine in England zuerst angewendete Art der Verwendung von meist heimatslosen ländlichen Arbeitergruppen. Der Gangmeister (gangmaster) übernimmt im Akkord die Ausführung von Arbeiten, für welche es den Grundbesitzern an den nötigen Kräften fehlt. Hierfür wirbt er auf eigne Rechnung Arbeitergruppen (Gänge) an, die, von Ort zu Ort umherziehend, bei ungenügendem Lohn und unzureichender Unterkunft nach Marx ein echtes "wanderndes Ackerbauproletariat" bilden. Da auch Weiber und Kinder solchen Gruppen angehörten, was zu sittlicher Verwilderung führte, so sah man sich genötigt, auf dem Weg der Gesetzgebung einzuschreiten; weibliche Horden sollen nur weiblichen Führern unterstellt werden. Gelegenheit, wandernde Arbeitergruppen zu beschäftigen, bietet unter anderm auch der Eisenbahnbau, welcher schon viele italienische und polnische Arbeiter nach Deutschland gezogen hat. Doch waren letztere meist genossenschaftlich vereinigt, sie hatten infolgedessen nicht durch den Übelstand des echten englischen Gangsystems, die Ausbeutung durch den Gangmeister, zu leiden.

Gangwoche (Betwoche, Bittwoche, Kreuzwoche), die Woche, welche mit dem Sonntag Rogate, dem fünften Sonntag nach Ostern (Betsonntag) beginnt, so genannt nach den drei Bet- oder Bitttagen vor dem Himmelfahrtsfest, an welchen man in katholischen Ländern mit Kreuzen und Fahnen, Litaneien betend, prozessionsweise durch die Äcker zieht, um den Segen des Himmels für das Gedeihen der Feldfrüchte herabzurufen. S. Bittgänge.

Ganister, s. Mauersteine.

Gannat (spr. -na), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Allier, am Andelot, Knotenpunkt der Eisenbahn Paris-Nevers-Nîmes und der Orléansbahn, mit einer Kirche aus dem 11.-14. Jahrh., al-^[folgende Seite]