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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gazeux - Gebärmutter.

Gazeux (franz., spr. -söh), gashaltig.

Gazi, Ort in Ostafrika, s. Gasi.

Gazon (franz., spr. -sóng), Rasen, Rasenplatz.

Gazzīno, Giuseppe, ital. Schriftsteller, geb. 30. Juni 1807 zu Genua, studierte daselbst Rechtswissenschaft und Litteratur und wurde 1850 zum Professor der Litteratur und Geschichte, später zum Direktor der höhern Töchterschule seiner Vaterstadt ernannt. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Sommario delle istorie liguri" (Genua 1849 u. öfter); "Manuale di letteratura italiana" (1852); "La mitologia comparata alla storia" (das. 1853); "Indice cronologico degli illustri Italiani" (Mail. 1857). Auch veröffentlichte G. Poesien, wie die Dramen: "Giulietta e Romeo" (Mail. 1832) und "Francesco Ferrucci" (Genua 1847), die Gedichtsammlung "Libertà e patria" (das. 1848), "Canzoncine sacre e morali" (das. 1865), die Parabeln: "Fede, speranza e carità" (das. 1869) u. "La benedizione nuziale" (das. 1881) sowie zahlreiche Übersetzungen, darunter eine von Goethes "Faust" (2. Aufl., Flor. 1862).

Gazzoletti, Antonio, ital. Lyriker, geb. 1813 zu Nago am Gardasee, lebte lange Zeit als Advokat in Triest und erhielt 1860 nach der Vereinigung der Lombardei mit Piemont eine Staatsanstellung in Mailand, wo er 22. Juli 1866 starb. G. pflegte mit Vorliebe die Ballade und folgte in dieser Hinsicht den Anregungen, welche Tommaseo den Italienern durch seine Übertragung slawischer Volksgesänge gegeben. Von ihm rührt auch ein seiner Zeit vielgesungenes patriotisches Gedicht her: "Qual' è la patria dell' Italiano?", eine Nachahmung des Arndtschen Vaterlandslieds. Er veröffentlichte die Dichtungen: "Versi" (Triest 1838); "Galatti" (das. 1840); "Piccarda dei Donati" (das. 1841); "Memorie e fantasie" (das. 1842); "Falco Lovaria" (das. 1845); "Poesie" (das. 1846); "La grotta d'Adelsberga", in drei Gesängen (das. 1853); "Umberto Biancamano", Legende (Mail. 1863) u. "Canzone per la festa secolare di Dante" (Brescia 1865). Seine Tragödie "Paolo, l'apostolo delle genti" (Turin 1857, neue Ausg. 1873) wird unter die besten dramatischen Schöpfungen des modernen Italien gezählt. Ferner schrieb er einen Operntext: "La schiava greca" (Flor. 1868).

Gdow, Kreisstadt im russ. Gouvernement St. Petersburg, östlich vom Peipussee, mit 5 Kirchen und (1879) 3145 Einw.

G dur (ital. Sol maggiore, franz. Sol majeur, engl. G major), s. v. w. G mit großer (harter) Terz. Der G dur-Akkord = g h d. Über die G dur-Tonart, ein ♯ vorgezeichnet, s. Tonart.

Ge, Göttin, s. Gäa.

Géant, Glacier du (spr. glaßjeh dü scheāng), s. Montblanc.

Geäse, das Maul der Hirsche und Rehe. Geäs (Äsung), die Nahrung des eßbaren Wildes, die bei Sauen und Raubtieren Fraß heißt.

Geaster Mich. (Erdstern, Hüllenstreuling), Pilzgattung aus der Unterordnung der Gastromyceten und der Ordnung der Basidiomyceten, auf der Erde wachsende größere Pilze mit kugelrunder Peridie, die sich in einen lederartigen, sternförmig aufreißenden äußern und einen häutigen, an der Spitze sich öffnenden innern Teil trennt; bemerkenswert als Beispiel hygroskopischer Bewegung im Pflanzenreich, indem die äußere Peridie abwechselnd bei Feuchtigkeit sich schließt, bei Trockenheit sternförmig sich ausbreitet. G. hygrometrĭcus Pers., 2-4 cm im Durchmesser, ist die gemeinste Art in Sandgegenden Europas (s. Tafel "Pilze").

Geba (Große G.), ein Vorberg der Rhön, am linken Rande des Werrathals, westlich von Meiningen, 750 m hoch, gewährt weite Aussicht und ist neuerdings mit einem Aussichtsturm versehen.

Gebal, Stadt, s. Dschebil.

Gebangpalme, s. Corypha.

Gebärdenspiel, s. Gestikulation.

Gebärdensprache, die Kundgebung der Gedanken, Empfindungen und des Willens durch Gebärden, d. h. durch eine gewisse Haltung und Bewegung der einzelnen Teile des Körpers, z. B. Erheben einer Hand, Falten der Hände etc. Die G. unterscheidet sich von der Gestikulation des Redners, die das gesprochene Wort durch begleitende Gebärden unterstützt, und von der Mimik (s. d.), die, meist auch mit lebendiger Rede verbunden, das Gebaren einer bestimmten Person, sei diese wirklich vorhanden (empirische Mimik) oder dichterisch vorgestellt (idealisierende Mimik), nachahmend darstellt. Wenn die G. sich auf die Anwendung solcher Gebärden (Gesten) beschränkt, die sich unmittelbar und ungesucht aus dem Verkehr eines bestimmten Kreises ergeben, so heißt sie natürliche G. Eine solche wird sich immer nur in ziemlich engen Grenzen bewegen. Wenn dagegen gewisse Gebärden durch Übereinkommen als Zeichen für Vorstellungen festgestellt werden, mit denen sie nur in entferntem oder an sich in gar keinem Verhältnis stehen, so nennt man das künstliche G. So wurden z. B. in der früher verbreiteten G. für Taubstumme die Vokale des Alphabets durch die Finger der linken Hand, vom Daumen angefangen, bezeichnet, die Konsonanten teils durch Fingerstellungen und Verbindungen, teils durch Berührung von Körperteilen, deren Namen mit dem anzudeutenden Laut beginnen. Man nennt diese künstliche G. daher auch Fingersprache, Handalphabet oder Daktylologie. Diese G., schon von dem Spanier Juan Pablo Bonet (um 1620) als Vorstufe für die Lautsprache angewandt, wurde später in England und Frankreich systematisch ausgebildet und verdrängte eine Zeitlang die Lautsprache, die neben der Schrift allein den Taubstummen zum Verkehr mit seiner Umgebung befähigt, fast ganz. Der Abbé de l'Epée (s. d.) bevorzugte sie; nach einer sehr verwickelten Methode vervollkommte sie Epées Nachfolger Rochambroise Cucurron Sicard (1742-1822). Nach der deutschen Methode des Taubstummenunterrichts ist die künstliche G., als der Ausbildung in der Artikulation hinderlich, überhaupt ausgeschlossen, und selbst die für den Beginn des Unterrichts unentbehrliche natürliche G. soll, um die Kinder zum Absehen der Lautsprache und zum eignen Sprechen zu gewöhnen, in möglichst engen Grenzen gehalten werden. Während Epée in der künstlichen G. den Beginn einer Universalsprache für alle gebildeten Völker gefunden zu haben glaubte, hat sie daher heute nur noch geschichtliches Interesse. Vgl. Epée, Institution des sourds et muets par la voie des signes méthodiques (Par. 1776, 2. Aufl. 1784 u. öfter); Sicard, Théorie des signes pour l'instruction des sourds-muets (das. 1808-14, 2 Bde.; 2. Aufl. 1828); Neumann, Die Taubstummenanstalt zu Paris im Jahr 1822 (Königsb. 1827); Walther, Geschichte des Taubstummenbildungswesens (Bielef. 1882).

Gebärfähigkeit, s. Zeugungsfähigkeit. ^[richtig: Zeugungsvermögen.]

Gebärfieber, s. Kalbefieber.

Gebärmutter (Bärmutter, Fruchthalter, Uterus, Matrix), im tierischen Körper dasjenige Behältnis, in dem sich das Ei zur reifen Frucht entwickelt. Sie ist eigentlich nur eine Erweiterung des Eileiters, unterscheidet sich jedoch von ihm durch be-^[folgende Seite]