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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goët; Goethals; Góffo; Gog; Gogel; Göggingen; Gogo; Gógol-Janówskij; Gogolin; Gogra

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Goet - Gogra.

2) Damião de, berühmter portug. Diplomat und Historiker, geb. 1501 zu Alempuez, kam in seinem neunten Jahr an den Hof des Königs Dom Manoel, studierte zu Padua, ward 1523 portugiesischer Geschäftsträger in Flandern, später am Hof des Königs Siegmund von Polen zu Wilna, dann in Dänemark und Schweden. Nachdem er Italien besucht hatte, lebte er in Löwen, wo er sich verheiratete. Bei der Einnahme der Stadt durch die Franzosen 1542 wurde er gefangen genommen und nur gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. 1546 ward er vom König Johann III. als Historiograph und Archivar nach Lissabon berufen, aber später wegen ketzerischer Neigungen von der Inquisition ins Gefängnis geworfen und im Kloster Batalha interniert, wo man ihn 1573 tot fand. Von seinen Werken nennen wir: "Deploratio lappianae gentis" (Genf 1520, Par. 1541); "Fides, religio moresque Aethiopum" (das. 1541, Köln 1574, Antwerp. 1611); "Commentarii rerum gestarum in India" (Löw. 1539); "Cronica de Dom Manoel" (Lissab. 1566, 1567; neue Aufl. von Lavanha, 1619 u. 1749); "Cronica de principe Dom João" (das. 1567 u. 1724).

Goët (griech. góes), Zauberer, Geisterbeschwörer; Goëtie, Zauberei, Geisterbeschwörung.

Goethals, Felix Victor, belg. Gelehrter, geb. 4. Juni 1799 zu Gent, studierte daselbst die Rechte, ward 1830 Bibliothekar der Stadt Brüssel, 1842 der belgischen Staatsbibliothek und starb, seit 1853 in Ruhestand versetzt, 10. Mai 1872. Er schrieb: "Lectures relatives à l'histoire des sciences, des arts, des lettres, des mœurs et de la politique en Belgique etc." (Brüssel 1837-38, 4 Bde.); "Histoire des lettres, des sciences et des arts en Belgique etc." (das. 1840-44, 4 Bde.); "Dictionnaire généalogique et héraldique des familles nobles de Belgique" (das. 1845-52, 4 Bde.); "Miroir des notabilités nobiliaires de la Belgique, des Pays-Bas etc." (das. 1857-61); "Archéologie des familles de Belgique" (das. 1864, unvollendet) u. a.

Góffo (ital.), Tölpel, Tolpatsch, auch eine komische Figur des italienischen Theaters.

Gog, s. Magog.

Gogel, s. Gugel.

Göggingen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Augsburg, am Einfluß der Sinkel in die Wertach, hat ein schönes Theatergebäude, eine orthopädische Anstalt, eine bedeutende Baumwollzwirnerei und Nähfadenfabrik, große Ziegeleien, schöne Landhäuser und Gärten der Augsburger und (1885) 2975 meist kath. Einwohner.

Gogo, Stadt, s. Gagho.

Gogolin, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Großstrehlitz, an der Linie Brieg-Kandrzin der Preußischen Staatsbahn, mit großartigem Kalksteinlager, sehr bedeutender Kalkbrennerei, Gasleitung und (1885) 2789 meist kath. Einwohnern.

Gógol-Janówskij, Nikolai Wasiljewitsch, einer der hervorragendsten russ. Schriftsteller und der bedeutendste russische Humorist, geb. 19. März (alten Stils) 1809 im Flecken Sorotschinzy im Gouvernement Poltawa, wurde im Lyceum des Fürsten Besborodko zu Neshin erzogen und versuchte sich bereits damals als Schriftsteller, so in der Novelle "Gebrüder Twerdislawitsch", dem Trauerspiel "Die Räuber" und der Ballade "Die beiden Fischlein", in welcher er mit rührender Innigkeit sein und seines Bruders Schicksal schilderte. Nachdem er sich 1829 nach St. Petersburg gewendet, erhielt er im folgenden Jahr die Stelle eines Subalternbeamten im Apanagendepartement, die ihm jedoch wenig zusagte, und die er noch vor Jahresschluß aufgab. In dieser Zeit schrieb er seine erste bedeutende Erzählung: "Abende auf dem Meierhof unweit Dikanka", und einige kleinere Sachen, welche die Aufmerksamkeit der litterarischen Welt auf ihn lenkten. Er lernte Puschkin kennen, mit dem er in engsten Verkehr trat, und wurde auf Verwendung des Schriftstellers P. A. Pletnjow ohne weitere Vorbereitung zum Oberlehrer der russischen Litteratur am patriotischen Institut zu Petersburg ernannt. Nachdem er diese Stelle bald wieder aufgegeben, erhielt er 1834 eine Anstellung als Adjunktprofessor an der Universität. Aber auch hier mußte er schon im nächsten Jahr seinen Abschied nehmen und widmete sich nun ganz der Litteratur. In dieser Zeit bis zu seiner 1836 unternommenen ersten ausländischen Reise erschienen einige seiner besten humoristischen Erzählungen: "Arabesken", "Das Porträt", "Newskij Prospekt", "Die Mär von dem Streit zwischen Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch", "Die Nase" etc., und das bedeutendste russische Lustspiel: "Der Revisor", in welchem er die Bestechlichkeit u. Borniertheit der provinzialen russischen Beamtenwelt mit rücksichtsloser Schärfe geißelt. Bei der Aufführung erregte das Stück in den Kreisen der russischen Büreaukratie einen solchen Sturm von Unwillen, daß G. es nur der persönlichen Einmischung des Kaisers Nikolaus verdankte, daß kein Verbot der fernern Aufführung erfolgte. Von 1836 an verbrachte er die folgenden zehn Jahre meist im Ausland, wo er auch sein Hauptwerk schuf: "Tote Seelen", ein unvollendet gebliebenes Sittengemälde voll köstlicher satirischer Typen. Im J. 1848 machte G., der mittlerweile das Opfer eines inhaltsarmen religiösen Mystizismus geworden war, eine Reise nach Jerusalem und kehrte dann nach Moskau zurück, wo er, geplagt von mystischen Halluzinationen und Gewissensskrupeln, 21. Febr. (alten Stils) 1852 einem Nervenfieber erlag. G. war eine genial angelegte realistische Dichternatur, die, einer umfassendern, tiefern geistigen Ausbildung ermangelnd, nach den Jahren frischer, unbewußter Schaffenskraft auf den Irrweg einer verderblichen einseitigen Gedankenrichtung geriet, in der sein mächtiges Talent zu Grunde ging. Ein trauriges Denkmal dieser Verirrung sind die 1847 herausgegebenen "Auserlesenen Stellen aus dem Briefwechsel mit seinen Freunden", in welchen er geistigen Stillstand, religiöse Asketik, absolute politische Unterordnung unter die Staatsgewalt predigt. Nächst den "Toten Seelen" ist Gogols bedeutendstes Werk die kleinrussische Erzählung "Taraß Bulba", ein mit dramatischer Kraft und feuriger Farbenpracht ausgeführtes Gemälde des alten Kosakentums in der Ukraine. Nächst Puschkin und Turgenjew ist G. der populärste russische Schriftsteller. Seine Werke werden fortwährend neu aufgelegt und wurden auch mehrfach ins Deutsche übersetzt (neuerdings in Reclams "Universalbibliothek" und in der "Kollektion Spemann"). Eine Gesamtausgabe derselben mit des Dichters Briefwechsel erschien zu Moskau (1856-57) in 6 Bänden.

Gogra (Sardschu), großer Nebenfluß des Ganges von der linken Seite, entspringt im zentralen Himalaja in 6000 m Höhe, an der Grenze des chinesischen Tibet in den britisch-indischen Nordwestprovinzen, bildet mit außerordentlichem Gefälle auf eine große Strecke die Grenze zwischen diesen und Nepal und durchzieht dann die weiten Sumpfgegenden von Terai, empfängt links den aus Nepal herabströmenden bedeutenden Kurnali, nimmt nun ruhigern Lauf an