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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goluchówski; Gomal; Gomaöl; Gomaristen; Gomartgummi; Gomārus; Gomberville; Gombin; Gombo; Gomel; Gomer; Gomēra; Gomes; Gomes de Amorim

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Goluchowski - Gomes de Amorim.

Goluchówski, Agenor, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 8. Febr. 1812 in Galizien, erhielt daselbst seine Bildung und widmete sich sodann dem Verwaltungsfach. Schon als Statthaltereirat machte er sich durch die Energie bemerklich, mit welcher er den Wühlereien des polnischen Adels entgegentrat. Von 1849 bis 1859 Statthalter von Galizien, erwarb er sich mit der Durchführung der Organisation des Justizwesens, Gründung von Schulen und landwirtschaftlichen und Humanitätsanstalten, Straßenbauten etc., ferner durch Förderung der Zwecke des Ossolinskischen Instituts in Lemberg mehrfache Verdienste. Nach Bachs Rücktritt 22. Aug. 1859 zum Minister des Innern ernannt, nahm er teil an der Reorganisation der Monarchie in föderalistischem Sinn, welche im Oktoberdiplom vom Jahr 1860 ihren Abschluß finden sollte, zeigte sich indes den schwierigen Aufgaben seines Amtes nicht gewachsen und erhielt 13. Dez. 1860 Schmerling zum Nachfolger. Die zentralistische Verfassung vom 26. Febr. 1861 widerstrebte seinen politischen Überzeugungen so, daß er, obwohl zum erblichen Mitglied des neugebildeten Herrenhauses ernannt, sich von der Politik ganz zurückzog, bis er im September 1866 durch Belcredis und Beusts Einfluß wieder Statthalter von Galizien wurde. Von dem Bürgerministerium 1867 wieder entlassen, wurde er unter Hohenwart 1871 zum drittenmal Statthalter seiner heimatlichen Provinz, wo er seitdem als Mitglied der polnischen Adelspartei eifrig für die völlige Polonisierung Galiziens und die Unterdrückung der Ruthenen und der deutschen Kultur thätig war. Er starb 3. Aug. 1875.

Gomal, Fluß, der im östlichen Afghanistan entspringt und unterhalb Dera Ismael Chan im Pandschab in den Indus mündet. Längs des G. führt ein bequemer, von den Karawanen der Povindahhändler stark benutzter Saumweg in das Innere von Afghanistan.

Gomaöl, fettes Öl aus einer noch nicht näher bekannten Pflanze (Goma), welche zur Familie der Nesselgewächse gehören soll und auf der japanischen Kolonie Placerville in Kalifornien angebaut wird. Das gereinigte Öl kommt dem besten Olivenöl gleich, wird nicht so schnell ranzig wie dieses, ist erheblich billiger und eignet sich ebensogut als Maschinenöl wie zum Fetten der Wolle.

Gomaristen, Anhänger des Franz Gomarus (s. d. und Arminianer).

Gomartgummi, s. Bursera.

Gomārus, Franz, namhafter reform. Theolog, geb. 30. Jan. 1563 zu Brügge, ward 1587 Prediger der flamändischen Kirche in Frankfurt a. M. und 1594 als Professor der Theologie nach Leiden berufen. Schon bei der Disputation im Haag 1609 trat er gegen Arminius und dessen Anhänger auf, noch mehr aber, als er im J. 1618 erster Professor der Theologie in Groningen geworden war. Jetzt wohnte er der Synode zu Dordrecht (1618-19) bei und setzte die Sanktion des streng calvinistischen Dogmas und die Ausschließung der Remonstranten von der reformierten Kirche durch. Er starb 11. Jan. 1641 in Groningen. Seine Werke erschienen Amsterdam 1645 und 1664.

Gomberville (spr. gongbärwil), Marie Le Roy de, franz. Romanschriftsteller, geb. 1600 zu Paris, lebte meist auf seiner Besitzung in Gomberville bei Versailles und starb 14. Juni 1674 als eins der ersten Mitglieder der französischen Akademie. Er verfaßte lehrhafte und galante Poesien im Geschmack der Zeit, namentlich aber vier Romane (darunter "Poléxandre", 1632-37), welche dem herrschenden heroisch-galanten Roman eine realere Grundlage gaben, als derselbe bisher hatte, und großen Beifall fanden.

Gombin, Stadt im russisch-poln. Gouvernement Warschau, Kreis Gostynin, hat Fabrikation von Spiritus, Zucker, Lichten und (1880) 3000 Einw.

Gombo, s. Hibiscus.

Gomel, russ. Stadt, s. Homel.

Gomer, biblischer Name (Völkertafel: 1. Mos. 10, 2. 3) eines nördlichen Volkes, dritten Stammvolkes von Togarma (Armenien), unter welchem die Kimmerier in der heutigen Krim zu verstehen sind.

Gomēra, 1) eine der Kanarischen Inseln, 374 qkm (6,8 QM.) groß mit (1878) 11,989 Einw., stellt einen Gebirgskamm von rundlicher Gestalt dar, welcher nach allen Seiten steil gegen das Meer abfällt. Die Gehänge desselben durchfurchen tiefe Schluchten, in welchen schöne, an Wasserfällen reiche Bäche rauschen. Höchster Berg ist der Alto de Garajonai (1340 m). Die Hauptmasse der Insel sind vulkanische Aufschüttungen über Grünsteingebirge. Man findet hier noch Wälder von Lorbeerarten, Erica arborea u. a. Die trägen Bewohner pflanzen in dem sehr fruchtbaren verwitterten Boden Kolokasien, Dattelpalmen, Getreide und viel Kartoffeln (für den Export); die Knollen der Adlerfarne dienen zur Brotbereitung; Zuckerrohr- und Weinbau sowie Kochenillezucht sind fast ganz eingegangen. Die Viehzucht ist aber ansehnlich, auch führt man etwas Seide aus; die Thunfischerei ist ergiebig. Hauptstadt ist San Sebastian, an der Ostküste, mit (1878) 2400 Einw. und gutem Hafen, Ausgangspunkt der Fahrten des Kolumbus und Ziel der Goldflotten von Peru und Mexiko. - 2) (Peñon de Velez de la G.) Span. Insel und Presidio (d. h. kleine Festung) an der Küste von Marokko, seit 1508 kastilisch, hat (1878) 315 Einw. und eine kleine Garnison.

Gomes (Gomez), João Baptista, portugies. Dramatiker, geboren um 1775 zu Porto, gest. 20. Dez. 1803, ist Verfasser der Tragödie "A nova Castro" ("Die neue Castro"), welche die Geschichte der unglücklichen Ines de Castro (s. Castro) zum Gegenstand hat. Das ganz im nationalen Geist abgefaßte Stück kam zu Anfang dieses Jahrhunderts in Lissabon auf die Bühne, erfreute sich eines außerordentlichen Beifalls und ist noch heute eine der Lieblingstragödien der Portugiesen. Gedruckt erschien dasselbe zuerst 1806, seitdem öfter (5. Ausg., Lissab. 1830). Ins Französische wurde es von Ferd. Denis in den "Chefs d'œuvre du théâtre portugais" (Par. 1823), ins Deutsche von Wittich (Leipz. 1841) übersetzt.

Gomes de Amorim, Francisco, einer der bedeutendsten Dichter der Iberischen Halbinsel, geb. 13. Aug. 1827 zu Avelomar unfern Porto, verbrachte die ersten Jahre in bitterer Armut und kam noch als Knabe nach Brasilien, wo er jahrelang ein abenteuerliches Leben, bald in Pará als Handelsbeflissener, bald im Urwald bei den Wilden des Xingu und Amazonenstroms, führte. Die Bekanntschaft mit Almeida-Garretts Dichtung "Camões" führte ihn der Poesie zu, und das wohlwollende Entgegenkommen Garretts, mit dem er sich in Korrespondenz gesetzt hatte, bahnte dem jungen Dichter den Weg ins litterarische Leben. G. kehrte 1846 nach Portugal zurück und nahm nun in Lissabon an den innern Bewegungen jener Zeit thätigen Anteil. Aus dem Jahr 1848 stammen einige seiner feurigsten Gedichte; er gewann bei Freund und Feind Anerkennung, allein um seinen Verdienst stand es so, daß er das Hutmacherhandwerk erlernte, um sich dadurch sein tägliches Brot zu erwerben. 1851 endlich erhielt er eine Stelle im Staatsdienst, und 1859 ward er zum Bibliothekar der Marine er-^[folgende Seite]