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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goujon; Goulard; Goulardsches Wasser; Goulburn; Gould

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Goujon - Gould.

Als indes 1837 das Disjunktionsgesetz, wodurch bei Verbrechen, die von Zivil- u. Militärpersonen gemeinschaftlich begangen werden, jene vor die Jury, diese vor das Kriegsgericht gestellt werden sollten, zur Diskussion kam, votierte er mit der Opposition, hielt sich seitdem zum linken Zentrum und nahm 1839 an der Koalition gegen das Ministerium teil. Im Ministerium Thiers vom 1. März 1840 übernahm er das Portefeuille des Handels, trat aber, nachdem er für die Umwandlung der Renten thätig gewesen und das Gesetz in betreff der Arbeit der Kinder in den Fabriken zur Annahme gebracht, schon im Oktober d. J. mit allen seinen Kollegen wieder ab. 1848 gehörte er als Mitglied der Nationalversammlung zur antirevolutionären Partei und saß im Zentrum. 1857 wurde er in die Gesetzgebende Versammlung gewählt und 1867 zum Senator ernannt. Er starb 27. Mai 1872 in Tours. - Sein Sohn Eugène, geb. 18. Sept. 1818 zu Tours, ebenfalls Bankier und während des Kriegs 1870/71 Maire von Tours, war 1871-76 Mitglied der Nationalversammlung und gehörte zu der Gruppe Lavergne des rechten Zentrums; seit 1876 ist er Senator und nahm seinen Platz im linken Zentrum.

Goujon (spr. güschóng), Jean, franz. Bildhauer des 16. Jahrh., der "französische Phidias" genannt, geboren vor 1510, war von 1555 bis 1562 als Architekt und an dekorativen Arbeiten am Louvre thätig, wo er unter andern einen Fries ausführte. Er war Hugenott, wurde aber nicht 1572 ermordet, sondern starb schon früher. Nach seinen Werken zu urteilen, scheint er sich in Italien an der römischen Antike gebildet zu haben. Daneben wirkten Cellini und Primaticcio auf ihn ein, von welchen er sich die für feine Figuren charakteristischen überschlanken Verhältnisse aneignete. Das erste seiner bekannten Werke sind die Reliefs vom Lettner von St.-Germain l'Auxerrois (1541-44, jetzt im Louvre), die Grablegung Christi und die vier Evangelisten, ausgezeichnet durch die feine Behandlung des Flachreliefs. Es folgten um 1550 die Reliefs an der Fontaine des Innocents zu Paris, von denen sich drei, Flußnymphen darstellend, im Louvre befinden, und vier Karyatiden im Schweizersaal des Louvre. Heinrich II. beschäftigte ihn bei dem Bau des Schlosses von Anet, wo er unter anderm für einen Brunnen die ruhende Marmorfigur der Diana mit einem Hirsch und Hunden, sein Hauptwerk (jetzt im Louvre), ausführte. Man schreibt ihm auch das Grabmal des Herzogs von Brézé, des Gemahls der Diana von Poitiers, in der Kathedrale zu Rouen, wo G. allerdings 1541-42 arbeitete, und vier Reliefs im Louvre mit drei Nymphen, einem Genius des Wassers und einer Venus zu. G. war ein Meister im Reliefstil, in seinen Kompositionen anmutig und schwungvoll und in seiner Charakteristik weniger affektiert als seine Zeitgenossen. Seine Hauptwerke wurden von Reveil 1844 durch den Stich veröffentlicht.

Goulard (spr. gular), Marc Thomas Eugène de, franz. Staatsmann, geb. 1808 zu Versailles, Advokat in Paris seit 1830, war 1846-48 Mitglied der Zweiten Kammer, ward im Februar 1871 Mitglied der Nationalversammlung, dann Bevollmächtigter bei den Friedensverhandlungen zu Frankfurt, im Februar 1872 Handels-, im April Finanzminister an Stelle Pouyer-Quertiers. Er emittierte die große Anleihe von 3 Milliarden und brachte das schwierige Budget für 1873 und die neuen Steuervorlagen zur Deckung des Defizits durch. Am 7. Dez. 1872 zum Minister des Innern ernannt, nahm er 17. Mai 1873 nach der Wahl des radikalen Republikaners Barodet in Paris seine Entlassung. Obwohl er als Minister sich für die konservative Republik erklärte, galt er doch als Monarchist und gehörte zum rechten Zentrum. Nach Mac Mahons Wahl zum Präsidenten schloß er sich dem Septennat an. Er starb 4. Juli 1874 in Paris.

Goulardsches Wasser, s. Bleiessig.

Goulburn (spr. gohlbörn), Stadt in der britisch-austral. Kolonie Neusüdwales, am Wollondilly und der Eisenbahnlinie Sydney-Albury-Melbourne, die hier einen Zweig nach S. abschickt, Sitz eines anglikanischen und eines katholischen Bischofs, mit ansehnlichen Kirchen, großem Gefängnis, Hospital, Handwerkerinstitut mit Bibliothek von 5256 Bänden, katholischem Nonnenkloster, dem St. Patrick's College, 4 Banken, Gasbeleuchtung und (1881) 6839 Einw., welche Gerberei, Schuhwarenfabrikation, Brauerei etc. betreiben.

Gould (spr. guhld oder gohld), 1) John, Zoolog, geb. 14. Sept. 1804 zu Lyme Regis in Dorsetshire, bildete sich von seinem 14. bis 20. Lebensjahr in den königlichen Gärten unter der Leitung von Aiton in Windsor für die Naturwissenschaft, ging 1824 zur Fortsetzung seiner Studien als Präparator nach London und kam 1830 in den Besitz einer schönen Sammlung indischer Vögel, welche er in einem reich illustrierten Werk: "A century of birds from the Himalaya Mountains" (Lond. 1831), beschrieb. Gleichzeitig veröffentlichte er ein kostbares Prachtwerk: "Birds of Europe" (Lond. 1832-37, 5 Bde.), welchem die "Synopsis of the birds of Australia" (das. 1837-1838, 4 Bde.) und die "Icones avium" (das. 1837-1838, 2 Bde.) folgten. 1838 ging er nach Australien, um die dortige Tierwelt zu studieren, und veröffentlichte nun eine Reihe von Werken, durch welche die Zoologie dieses Weltteils ungemein gefördert wurde. Die wichtigsten sind: "Birds of Australia" (Lond. 1840-48, 7 Bde.; mit 3 Supplementbänden 1850-1852), "Mammals of Australia" (das. 1845-60, 12 Bde.) und "Handbook of the birds of Australia" (das. 1865, 2 Bde.); dazu an Monographien: "Introduction to the Trochilidae or humming-birds" (das. 1861); "Monography of the Macropodidae" (das. 1841-42, 2 Bde.); "Odontophorinae" (das. 1844-50); "Ramphastidae" (das. 1834, 2. Aufl. 1854); "Trochilidae" (das. 1849-60, 5 Bde.; Supplemente 1880); "Trogonidae" (das. 1838, 2. Aufl. 1858); "Pittidae" (das. 1880). Auch schrieb er: "Birds of Asia" (Lond. 1850-81, 32 Tle.), "Birds of Great Britain" (das. 1862-73, 5 Bde.); "Birds of New-Guinea and the adjacent Papuan islands" (das. 1875). G. starb 7. Febr. 1881 in London.

2) Benjamin Apthorp, Astronom, geb. 27. Sept. 1824 zu Boston, studierte seit 1844 bei Gauß in Göttingen, war dann Assistent bei Schumacher und Petersen in Altona und wurde nach seiner Heimkehr bei der Küstenvermessung der Vereinigten Staaten beschäftigt. Er verbesserte die Methoden der Bestimmung der Längengrade, gründete 1850 das "Astronomical Journal" (Cambr. 1850-61) und übernahm 1856 die Leitung der Dudley-Sternwarte in Albany, ging aber 1870 als Direktor der neugegründeten Sternwarte zu Cordova nach Argentinien, von wo er 1885 nach den Vereinigten Staaten zurückkehrte. Er führte zuerst zur Bezeichnung der Folge der Entdeckung der kleinen Planeten statt der bisher üblichen figürlichen Zeichen in Ringe eingeschlossene Zahlenzeichen ein, die daher Guldsche Zeichen genannt werden, und berechnete die Ephemeriden verschiedener Planeten und Kometen; sein Hauptwerk ist die "Uranometria Argentina" (1877), welche auf 13 Karten