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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gräffer; Graffiato; Graffigny; Graffito; Gräfle; Gräfler; Gräfrath; Grafschaft; Grafström

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Gräffer - Grafström.

versität zu Königsberg und richtete nun seine Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Erforschung der althochdeutschen Sprache und Litteratur, in deren Interesse er 1825-27 eine Reise nach Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Italien machte. Seit 1830 wieder in Berlin lebend, starb er 18. Okt. 1841 daselbst. Sein Hauptwerk ist der "Althochdeutsche Sprachschatz" (Berl. 1835-43, 6 Bde.), zu dem Maßmann einen alphabetischen Index (das. 1846) lieferte. Außerdem gab G. heraus: "Diutiska, Denkmäler deutscher Sprache und Litteratur aus alten Handschriften" (Stuttg. 1826-29, 3 Bde.); "Otfrieds Evangelienharmonie" (Königsb. 1831); "Deutsche Interlinearversionen der Psalmen aus Handschriften des 12. u. 13. Jahrhunderts" (Quedlinb. 1838) u. a.

4) Karl, Architekt, geb. 4. Mai 1844 zu Grabow in Mecklenburg, erhielt den ersten Unterricht im Baufach durch seinen Oheim, Hofbaurat Demmler in Schwerin, bildete sich dann weiter auf dem Polytechnikum zu Hannover und der Bauakademie in Berlin und begab sich 1870 nach Wien, wo er anfangs von van der Nüll bei dem Bau des neuen Opernhauses, sodann von Hasenauer bei der Ausführung der Bauten für die Weltausstellung beschäftigt wurde. Im J. 1874 wurde er nach Dresden berufen, wo er die Kunstgewerbeschule organisierte, als deren Direktor er gegenwärtig fungiert. Er ist auch als Schriftsteller auf dem Gebiet des Kunstgewerbes thätig und hat zahlreiche Entwürfe kunstgewerblichen Inhalts geliefert.

Gräffer, Franz, österreich. Bibliograph und Schriftsteller, geb. 6. Jan. 1785 zu Wien, Sohn des Buchhändlers August G. (gest. 1816), in dessen Geschält er früh eintrat, war eine Zeitlang Bibliothekar des Fürsten Moritz Liechtenstein, dann des Grafen K. Harrach, widmete sich später dem Verlags- und Antiquariatsgeschäft, wobei er den größten Teil seines Vermögens einbüßte, und legte sich nun um so fleißiger auf Schriftstellerei. Seine litterarischen Arbeiten sind meistens Wiener Lokalerinnerungen gewidmet und für die Kenntnis des innern Zustandes des Wiener Litteraturlebens sehr lehrreich. Wir nennen davon nur: "Historisch-bibliographische Buntelei" (Brünn 1824), "Kleine Wiener Memoiren" (das. 1845, 3 Bde.), "Wiener Dosenstücke" (das. 1846, 2 Bde.), "Wiener Lokalfresken" (Linz 1847), "Wiener Tabletten" (Wien 1848) etc., Schriften, deren Kuriosität noch durch die Art des stilistischen Vortrags in kurzen, halb abgebrochenen, barocken Sätzen erhöht wird. G. hat außerdem eine "Österreichische National-Encyklopädie" (mit Czikann, Wien 1835-38, 6 Bde.) und belletristische "Taschenbücher" herausgegeben. Er starb 8. Okt. 1852 im Irrenhaus.

Graffiato (ital.), Dekoration von Thonwaren, welche darin besteht, daß man das Stück durch Anguß mit einer Farbenschicht bedeckt, in diese das Ornament eingräbt, so daß die Farbe des Stückes wieder zum Vorschein kommt, und nun das Ganze mit farbiger oder farbloser Glasur überzieht.

Graffigny (Grafigny, spr. -finji), Françoise d'Issembourg d'Happoncourt, Mad. de, franz. Schriftstellerin, geb. 13. Febr. 1695 zu Nancy, verheiratete sich noch sehr jung, ließ sich aber bald von ihrem gewaltthätigen, grausamen Mann scheiden, genoß eine Zeitlang die Gastfreundschaft der Frau du Châtelet und Voltaires auf Schloß Cirey (1738) und begab sich von da in Gesellschaft der Mademoiselle de Guise, nachherigen Herzogin von Richelieu, nach Paris, wo sie als Schriftstellerin auftrat. Ihre erste Novelle hatte wenig Erfolg, desto mehr aber die "Lettres péruviennes" (1747 u. öfter; besonders 1798, 2 Bde.), welche in viele Sprachen (deutsch, Berl. 1801) übersetzt wurden. In der Art der "Lettres persanes" abgefaßt, zeichnet sich der Roman hauptsächlich durch lebhafte Schilderungen und glänzende Sprache aus, ist aber bei weitem überschätzt worden, ebenso wie ihr Drama "Cénie" (1751). Der Mißerfolg ihrer Komödie "La fille d'Aristide" traf sie tief; sie starb bald darauf 12. Dez. 1758. Eine Sammlung ihrer Werke erschien London 1788 in 4 Bänden. Lange nach ihrem Tod wurden unter dem Titel: "Vie privée de Voltaire et de Mad. du Châtelet" auch die Briefe veröffentlicht, welche Frau von G. aus Cirey an ihre Freunde in Lothringen geschrieben hatte; sie enthalten viel Klatsch und niedriges Geschwätz, sind aber doch interessant. Vgl. Guerle, Madame de G. (Nancy 1882).

Graffito (ital.), s. Sgraffitomalerei. G. ist auch Bezeichnung für Marmorplatten, in welche figürliche Darstellungen und Ornamente in verschiedenen Farben eingelegt sind; sie dienten zu Fußbodenbelegen, wie im Dom zu Siena (14.-16. Jahrh.).

Gräfle, Albert, Maler, geb. 2. Mai 1809 zu Freiburg i. Br., wollte sich anfangs den gelehrten Studien widmen, änderte aber seinen Entschluß und ging nach München, um sich unter Cornelius und Schnorr auszubilden. Nach einem dortigen mehrjährigen Studium lernte er noch ein Jahr lang in Paris unter Winterhalter und gründete dann in München ein eignes Atelier, wo er, abgesehen von Porträten, zunächst den Triumphzug des Arminius (Galerie in Karlsruhe) schuf. Nachdem er inzwischen mehrere Reisen nach Frankreich und England gemacht hatte, folgten zahlreiche Bilder aus der biblischen und aus der Profangeschichte, die korrekt gezeichnet sind und meist von tiefer Empfindung zeugen. Dahin gehören einige Altarbilder in badischen Kirchen, die vier Jahreszeiten (Schloß zu Karlsruhe), die Fronleichnamsprozession von Bäuerinnen aus Dachau bei München (1860), der feierliche Abschied Konradins von seiner Mutter Elisabeth von Bayern, die Intimen bei Beethoven, Elfenreigen u. a. Daneben malte er im Geschmack Winterhalters viele Porträte, z. B. der Königin Viktoria, der Prinzessin von Wales, des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Preußen, der Großherzogin und des Erbgroßherzogs von Baden und des Kaisers von Mexiko und seiner Gemahlin.

Gräfler, s. Afterklauen.

Gräfrath, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Solingen, am Itterbach und an der Eisenbahn Solingen-Vohwinkel, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Stahl- und Eisenwarenindustrie (Solinger Artikel), 2 Dampfhammerwerke, Dampfschleifereien, Seiden-, Farben-, Lack- und Firnisfabrikation und (1885) 6299 meist evang. Einwohner.

Grafschaft, ursprünglich der Bezirk, dem ein Graf als Richter vorstand; dann das reichsunmittelbare Besitztum und später die Standesherrschaft eines Grafen (s. Graf); auch (county) Bezeichnung der Provinzen in Großbritannien und Nordamerika.

Grafström, 1) Anders Abraham, schwed. Dichter, geb. 10. Jan. 1790 zu Sundsvall, wurde 1819 Bibliotheksamanuensis in Upsala, 1820 Dozent der Geschichte, später Lektor an der Kriegsakademie von Karlberg und 1835 Pastor zu Umeå, wo er fortan verblieb. Seit 1839 in die schwedische Akademie aufgenommen, starb er 24. Juli 1870. G. trat zuerst als Lyriker in den poetischen Kalendern der neuern Schule auf; später hat er eine Reihe von Gedichtsammlungen veröffentlicht, wie: "Skaldeförsök" (Stockh. 1826-^[BINDESTRICH!]