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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Granieren; Granikos; Granit

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Granieren - Granit.

Prinzen. 1876 in die Deputiertenkammer gewählt, erreichte er seinen Zweck, Aufsehen zu erregen, durch die Insulten, mit denen er republikanische Redner unterbrach, und die ihm wiederholte Rügen, ja zeitweiligen Ausschluß aus der Kammer zuzogen. 1877 riet er in seinem Journal ganz offen zum Staatsstreich und tadelte Mac Mahon heftig, daß er nicht den erforderlichen Mut gezeigt habe. Der Tod des kaiserlichen Prinzen 1879 störte seine Bemühungen, die Rückkehr der Napoleons vorzubereiten, und da er eifrig ultramontan war, so bekämpfte er auch mit gewohnter Leidenschaft die Proklamation des Prinzen Jérôme Napoléon zum Oberhaupt der Dynastie und Partei und stellte demselben dessen Sohn Victor Napoléon als Prätendenten entgegen, wodurch er die Bonapartisten in große Verwirrung stürzte. Er schrieb: "Empire et royauté" (1873); "Histoire de la troisième République" (1875) u. a.

Granieren, s. v. w. Granulieren.

Granikos, antiker Name eines Flusses der Landschaft Troas in Nordwest-Kleinasien, der in den Bergen nördlich vom alten Ida entspringt und in die Propontis (Marmarameer) mündet. An demselben erfocht im Mai 334 v. Chr. Alexander d. Gr. seinen ersten Sieg über die Perser; 74 v. Chr. siegte hier Lucullus über Mithridates. Jetzt Bigha-tschai.

Granit, ein weitverbreitetes gemengtes kristallinisches Gestein, aus Feldspat (zum Teil nur weißem, rötlichem oder fleischrotem, selten grünem Orthoklas, zum Teil daneben auch grünlichem oder grauem. Oligoklas), Quarz und Glimmer (Muskovit oder Biotit) bestehend. Die Struktur ist im Gegensatz zu derjenigen des aus denselben Mineralien zusammengesetzten Gneises (s. d.) eine körnige (s. Tafel "Mineralien und Gesteine", Fig. 13). Von accessorischen Bestandteilen finden sich Eisenkies, Flußspat, Zinnerz, Magneteisen, Apatit, Andalusit, Granat, Beryll, Epidot (Pistazit), Turmalin, Pinit, Hornblende besonders häufig. Der Glimmer wird gelegentlich durch Graphit, Eisenglanz (sogen. Eisenglimmer), Chlorit oder Talk teilweise oder gänzlich zersetzt ^[richtig: ersetzt]. Als mittlere Werte zahlreicher Pauschanalysen lassen sich 72 Proz. Kieselsäure, 16 Proz. Thonerde, 1,5 Proz. Eisenoxyd und Eisenoxydul, 1,5 Proz. Kalkerde, 0,5 Proz. Magnesia, 6,5 Proz. Kali und 2,5 Proz. Natron angeben. Zahlreiche Varietäten des Granits entstehen durch die verschiedene Struktur, so die grobkörnigen (bei denen die einzelnen Mineralien in kopfgroßen und noch größern Individuen auftreten können) und die feinkörnigen, zwischen denen als die am meisten verbreiteten die mittelkörnigen stehen. Durch Auftreten größerer Feldspatkristalle (meist Orthoklas, oft in Zwillingsformen) entsteht der porphyrartige G. (Fichtelgebirge, Karlsbad etc.), während eine echte Porphyrstruktur, ein Übergang zum Glanzporphyr, gelegentlich als das Material von Apophysen vorkommt, welche größere Granitstöcke in das Nachbargestein entsenden (Harz). Durch Aufnahme von Graphit entstehen Graphitgranite, von Hornblende unter gleichzeitigem Zurücktreten des Quarzes und Glimmers Übergänge zu Syenit (Syenitgranit, Hornblendegranit; Vogesen, Odenwald, Böhmen); Neigung zu lagenweiser Anordnung der Bestandteile bedingt Zwischenvarietäten zwischen G. und Gneis (s. d.). Als Granitit hat man das aus rotem Orthoklas, vielem Oligoklas, wenig Quarz und wenig Glimmer (und zwar nur Biotit) bestehende Gestein genannt (Baveno, Harz, Thüringer Wald), im Gegensatz zu Granit im engern Sinn als beide oben genannte Glimmerarten gleichzeitig führend (Fichtelgebirge, Karlsbad, Lausitz). Stellt sich außer oder doch neben dem Glimmer Talk ein, so entsteht der Protogingranit, nach dem Ort seines Hauptvorkommens auch Alpengranit genannt. Pegmatite sind sehr großkörnige Granite, in denen namentlich die Orthoklase und die Glimmertafeln metergroß werden können, und in welchen an einzelnen Orten (Ural, Zwiesel und Aschaffenburg in Bayern) eigentümliche Verwachsungen zwischen Quarz und Orthoklas vorkommen, die auf den Spaltungsstücken des letztern an hebräische Buchstaben erinnernde Zeichnungen hervorbringen (sogen. Schriftgranit). Als Granitello (Halbgranit, Aplit) wird ein feinkörniger, fast glimmerfreier G. bezeichnet. Den Lagerungsverhältnissen nach sind die mit Gneis, Quarzit etc. wechsellagernden und ein wichtiges Glied des laurentischen Systems bildenden Granite wohl zu unterscheiden von jenen, welche andre Gesteine (auch präexistierende Granite, so Gänge feinkörnigen Granits in porphyrartigem bei Heidelberg, im Thüringer Wald) stock- und gangförmig durchsetzen. Gelten für die erstern die Betrachtungen, welche bei Besprechung des Gneises über die Entstehung dieser ältesten Gesteine angestellt worden sind, so zeigen letztere alle Eigenschaften eines eruptiven Gesteins, das nicht nur während der archäischen Periode, sondern sicher auch während der Silur- und Devonzeit, ja sogar, wenn anders die Lagerungsverhältnisse einiger europäischer und amerikanischer Lokalitäten richtig gedeutet werden, bis zur Juraperiode herab aus dem Erdinnern geliefert wurde. Durch die Verwitterung des Granits wird oft eine im frischen Gestein nicht bemerkbare Zerklüftung bloßgelegt, die bei weiterm Fortschreiten der Zersetzung zur Bildung einzelner Blöcke führt. Aufhäufungen solcher Blöcke (Felsenmeere, Teufelsmühlen) überziehen viele Granitberge (Brocken, Riesengebirge, Schwarzwald, Fichtelgebirge) und haben die abenteuerlichsten Hypothesen über ihre so leicht erklärbare Entstehung wachgerufen. Mitunter balancieren einzelne solcher Blöcke leicht beweglich auf ihrer Unterlage und bilden dann die sogen. Wackel- oder Schaukelsteine (wacking stones). Besonders häufig führt die Verwitterung zu einer oft mächtigen Grußablagerung; nur selten werden durch vollständige Zersetzung und Ausschlämmung des Feldspats brauchbare Kaolinlager (China, Aue bei Schneeberg in Sachsen) geliefert. Der aus dem G. entstehende Boden ist gut und reich an den wichtigsten Pflanzennährstoffen. Die Verbreitung des Granits ist eine enorme. Er beteiligt sich, besonders als die Zentralmasse den innersten Stock bildend, gleichzeitig mit Gneis an der Zusammensetzung der höchsten und wichtigsten Gebirge der Erde (Alpen, Pyrenäen, Schottland, Skandinavien, Erzgebirge, Vogesen, Schwarzwald etc.) und bedeckt plateaubildend Tausende von Quadratkilometern (Lausitz, Böhmen, Auvergne, Afrika). Seine Berge besitzen meist eine abgerundete, einem Kugelsegment entsprechende Form, häufig eingehüllt von den oben erwähnten Felsmeeren. - Technische Verwendung hat der G. in ausgedehntestem Maße seit den ältesten Zeiten als Baumaterial und zur Herstellung von Denkmälern etc. gefunden. Ein großer Teil der grotesken Figuren Altägyptens, der Bauwerke und Obelisken Roms sind aus G. hergestellt. Später ging die Kunst der Granitverarbeitung verloren, und erst in neuester Zeit hat man auch in Deutschland, namentlich in Berlin, wieder angefangen, G. zu Denkmälern und in der Architektur zu be-^[folgende Seite]