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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grenville; Grenville-Murray; Grenzbezirk; Grenzdolomit; Grenze

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Grenville - Grenze.

Nation und wurde die Hauptstadt der Dauphiné, welche 1349 an Frankreich fiel. Die Befestigungen von G. wurden von Chevalier de Ville angelegt und durch Vauban vermehrt. Im März 1815 war G. die erste Stadt, welche dem von Elba zurückkehrenden Napoleon I. die Thore öffnete, mußte aber 9. Juli 1815 nach dreitägiger Belagerung sich den Österreichern ergeben. 1825-39 wurde die Stadt in eine Festung ersten Ranges umgewandelt. Vgl. Pitot, Histoire de G. (Grenoble 1829); Derselbe, Histoire municipale de G. (das. 1843-46, 2 Bde.).

Grenville (spr. grénnwill), engl. Adelsgeschlecht, das seit Wilhelm dem Eroberer in der Grafschaft Buckingham ansässig war, aber erst durch die Heirat Richard Grenvilles, Parlamentsmitglieds für Andover (gest. 17. Febr. 1724), mit Hester, Tochter Sir Richard Temples, zu Reichtum und politischer Wichtigkeit gelangte. Bemerkenswerte Glieder desselben sind:

1) Richard G., Graf Temple, 1757 Großsiegelbewahrer, zeichnete sich in den politischen Kämpfen jener Zeit erst als Freund, dann als Gegner seines Schwagers Chatham aus; starb kinderlos 11. Sept. 1779.

2) George, Bruder des vorigen, geb. 14. Okt. 1712, trat in seinem 25. Jahr als Sachwalter auf. Als Parlamentsmitglied glänzte er unter den besten Rednern der Torypartei, kam 1744 in das Admiralitätsamt, wurde 1747 Lord des Schatzes, 1754 Schatzmeister der Marine und 1761 Sprecher des Unterhauses. 1762 gehörte er dem Ministerium Bute an und wurde 1763 nach Butes Rücktritt Premierminister, in welcher Stellung er 1765 die berüchtigte Stempeltaxe durchsetzte, die den ersten Widerstand der nordamerikanischen Kolonien hervorrief. Bei dem König in Ungnade gefallen, mußte G. im Juli 1765 den Whigs weichen; doch brachte er noch 1770 als Führer der Opposition das Gesetz über das Verfahren bei streitigen Wahlen (Grenville act) zu stande. G. verteidigte seine Verwaltung in der Schrift "Considerations on the commerce and finances of England" (Lond. 1765) u. starb 24. Nov. 1770. Seine hinterlassenen Papiere gab Smith (Lond. 1852, 4 Bde.) heraus.

3) Thomas, zweiter Sohn des vorigen, geb. 31. Dez. 1755, trat für Buckingham ins Parlament, mußte jedoch 1784 daraus scheiden, weil seinen Verwandten seine enge Verbindung mit Fox und den Whigs mißfiel. Dafür ward er 1790 durch Vermittelung der Whigs zu Oldborough und 1794 für Buckingham von neuem ins Parlament gewählt. 1782 war er außerordentlicher Gesandter in Paris und 1794 in Wien. Nach Fox' Tod ward er 1806 erster Lord der Admiralität, legte aber dies Amt 1807 nieder, überließ 1818 den Parlamentssitz seinem Neffen und zog sich auf seine Güter zurück; wo er 17. Dez. 1846 starb. Seine kostbare Bibliothek (über 20,000 Bände) vermachte er dem Britischen Museum.

4) William Wyndham, Baron, Bruder des vorigen, geb. 24. Okt. 1759, erzogen zu Eton und Oxford, studierte in London die Rechte. Auf Anregung Pitts trat er in den Staatsdienst, kam 1782 ins Unterhaus und begleitete darauf seinen Bruder, den Marquis von Buckingham, der Lord-Lieutenant von Irland geworden war, dorthin. 1783 wurde er Zahlmeister der Armee, 1789 Sprecher des Unterhauses und bald darauf Staatssekretär des Innern, 1790 aber als Baron. G. zum Peer und Mitglied des Oberhauses ernannt. Mit Pitt vereint, gewann er bedeutenden Einfluß auf die Staatsangelegenheiten und spielte namentlich nach Ausbruch der französischen Revolution als Staatssekretär des Auswärtigen eine große, aber der Revolution durchaus feindliche Rolle. Um das Eindringen des revolutionären Geistes nach England zu verhindern, trug er auf Suspension der Habeaskorpusakte an, schlug 1793 die Fremdenbill vor und 1795 die nach ihm genannte Bill, welche alle Unternehmungen gegen Leben und Würde des Königs, selbst bloße Worte, mit den strengsten Strafen belegte. G. unterstützte Pitt in allen seinen Maßregeln, beförderte 1799 die Union Irlands und sprach gegen den Frieden von Amiens. Als Pitt aus dem Ministerium trat, zog sich G. ebenfalls zurück. In das von Pitt 1804 gebildete Kabinett trat er nicht ein, dagegen übernahm er 1806 nach Pitts Tode die Bildung eines aus "allen Talenten" der bisherigen Opposition bestehenden Ministeriums. Er erwarb sich in diesem Amt nicht geringe Verdienste, namentlich um die Reorganisation des Heers, mußte aber 1807, da der König in die von ihm angeregte Emanzipation der Katholiken nicht einwilligen wollte, zurücktreten und blieb seitdem, wenn auch ohne Amt, noch lange Jahre einer der bedeutendsten Führer der liberalen Opposition. Er starb 12. Jan. 1834 auf seinem Landsitz Dropmore in der Grafschaft Buckingham. G. schrieb mehreres über die Politik seiner Zeit. Auch veranstaltete er eine mit Anmerkungen versehene Ausgabe des Homer (1800) und des Horaz, gab 1804 die Briefe des Grafen Chatham an seinen Neffen Thomas Pitt heraus und lieferte in seinen "Nugae metricae" (1806) Übersetzungen altenglischer, lateinischer und griechischer Gedichte.

Grenville-Murray (spr. grénnwill-mörre), E. C. Aragon, engl. Diplomat und Schriftsteller, geb. 2. Okt. 1819, Sohn des zweiten Herzogs von Buckingham, studierte in Oxford, diente einige Zeit (bis 1849) in der österreichischen Armee, ward 1851 zum Attaché bei der britischen Gesandtschaft in Wien, 1852 zu Hannover, dann in Konstantinopel ernannt und erhielt 1853-54 eine besondere Mission zur Linderung der Hungersnot auf den Inseln des Ägeischen Meers. 1857 ging er als Attaché nach Teheran, und 1858 wurde er Generalkonsul für Südrußland in Odessa. Als er 1866, während er in England auf Urlaub war, in der Presse Mißbräuche im Auswärtigen Amt aufdeckte, wurde er seines Amtes entsetzt und von Lord Carrington, dem Freund eines durch seine Anklage Betroffenen, gemißhandelt; ja, man erhob gegen ihn sogar eine Klage wegen Meineides, so daß er nach Paris flüchtete, wo er als Berichterstatter für mehrere Zeitungen lebte. Er starb daselbst 20. Dez. 1881. Außer mehreren Romanen schrieb er: "Droits et devoirs des envoyés diplomatiques" (1853); "Embassies and foreign courts" (1855) und mehrere Reisewerke über die Türkei, Rumänien, Griechenland, Persien und Südrußland; ferner: "The Member for Paris" (1871, 3 Bde.; französisch u. d. T.: "Un député de Paris", 1876); "French pictures in English chalks", humoristische Skizzen; "History of the French press" (1874); "Men of the Second Empire, of the Septennate, of the Third Republic" (1872-74); "The Russians of today" (1878); "Round about France" (1878) u. a.; die letztern Bücher sind meist auch französisch erschienen.

Grenzbezirk, s. Binnenlinie.

Grenzdolomit, s. Triasformation.

Grenze, das Äußerste einer Sache, jenseit dessen sie aufhört. Die G. der Linie bilden zwei Punkte, der Fläche Linien, des Körpers Flächen. Im Rechtswesen (Schnede, Achte, Mark, Laag, Finis) spricht man zuvörderst von den Grenzen des Grundeigentums, d. h. den Linien, welche den jemand eigentümlichen Teil der Erdoberfläche umschließen, und